Links im Bild: Kim Ekdahl du Rietz - rechts Torhüter Niklas Landin Bild: AS Sportfotos
Halbfinal-Aus im DHB-Pokals vs. SG Flensburg Handewitt hat die „Löwen“ ins Mark getroffen
Handball | erstellt am Di. 12.05.2015
Es bleibt beim Gewinn des EHF-Pokals im Jahr 2013, der allerdings keinen hohen Stellenwert in der Handball-Welt genießt.
„Es tut sehr weh“, sagte Kim Ekdahl du Rietz. Der Schwede war der Erste, der die Kraft aufbrachte und die schützenden Wände der Kabine in der O2-World in Hamburg verließ. Sein Blick war leer und der Rückraumspieler sprach leise und langsam.
„Es ist jetzt genauso wie im vergangenen Jahr. Wir haben einen guten Handball gespielt, aber am Ende reicht es wieder nicht, um einen Titel zu gewinnen.“ Das Gefühl, dass am Samstag bei den Löwen vorherrschte, war deshalb nicht vordringlich von Enttäuschung oder Wut geprägt, sondern von purer Trauer. Und deshalb flossen viele Tränen. Uwe Gensheimer schaffte es nicht, das äußere Zeichen seiner Trauer zu verbergen, ehe er in der Kabine angekommen war.

Uwe Gensheimer konnte seine Trauer nicht verbergen. 2016 läuft der Vertrag mit Gensheimer aus. Bleibt er bei den Löwen? AS Sportfotos
Bei seinen Mitspielern waren die Spuren in Form von erröteten Augen zu erkennen, als sie die Katakomben der Halle verließen. Nikolaj Jacobsen machte da keine Ausnahme. Der Trainer hatte mit der Niederlage zu kämpfen – mehr als es sonst üblich ist. „Die Mannschaft hatte sich den Titel hier eigentlich verdient, die Zeit schien reif zu sein“, sagte der Däne. Der Schmerz von Jacobsen war spürbar, dass er diese Sätze im Konjunktiv aussprechen musste. Auch auf der Tribüne der Hamburger Arena flossen bei vielen Tränen, die mit einem gelben T-Shirt und riesengroßen Hoffnungen in den Norden gefahren waren.
„Wir haben den Vorsprung zu einfach hergegeben“, befand Ekdahl du Rietz. Die Badener hatten – wie die Flensburger – eine Top-Leistung gezeigt, sich dafür aber nicht belohnt, obwohl sie zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Vier-Tore-Führung herausgeworfen hatten. Dieses Wissen machte es noch schwerer, mit der Trauer klarzukommen. Der Drang, dem Rest der Handballwelt zu zeigen, dass man nicht nur sehr gut Handball spielen, sondern auch große Titel gewinnen kann, lodert in jedem, der eine Funktion bei den Löwen hat.
Doch vorerst haftet der Malus weiterhin an dem Klub, der sich in den zurückliegenden drei Jahren mit seinem Auftreten und der Art, Handball zu spielen, viele Freunde gemacht hat. Doch hinzugewonnene Sympathien sind kein adäquater Ersatz für das Gefühl, sich für gute Leistungen selbst auch zu belohnen.

Auch die Löwen-Fans zeigten sich nach der bitteren Niederlage im Halbfinale enttäuscht. AS Sportfotos
„Wir werden da wieder rauskommen“, gab sich Ekdahl du Rietz sicher. Einen tiefen Knacks wird es nach Ansicht des Schweden nicht geben. Und mit der Trauer nach der im Vorjahr verpassten Meisterschaft sei dieser Rückschlag auch nicht vergleichbar. „Das war schlimmer“, sagte er mit Blick auf das Wettschießen mit dem THW Kiel, das am letzten Spieltag mit zwei Toren zugunsten des THW Kiel ausging.
Ob der achte vergebliche Anlauf beim Final Four offene Wunden zurücklässt, wird sich erst in ein paar Monaten zeigen. Die Art und Weise wie die Niederlage gegen die Flensburger zustande kam, spricht allerdings dafür. Offen sprach es aus dem Lager der Löwen niemand aus, aber die Gewissheit haben Spieler, Trainer und Offizielle dennoch, dass die Chance, einen nationalen Titel zu gewinnen, in den kommenden Jahren deutlich kleiner sein wird.
Die Konkurrenz aus Kiel, Flensburg und anderswo verstärkt sich und bei den Badenern steht im Sommer eine Zensur an. Mit Niklas Landin (zum THW Kiel) und Bjarte Myrhol (Skjern Handbold/DEN) verlieren die Löwen zwei absolute Leistungsträger und es ist unwahrscheinlich, dass ihre Nachfolger Mikael Appelgren und Hendrik Pekeler die entstehende Lücke auf Anhieb gleichwertig schließen können. Völlig offen ist darüber hinaus, ob Gensheimer und Ekdahl du Rietz ihre im Sommer 2016 auslaufenden Verträge verlängern werden.
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