Waldecker im Trikot des TSV Amicitia Viernheim (rot) gegen seinen Gegenspieler vom VfB St. Leon. Bild: Berno Nix
„Benny“ Waldecker hängt nach toller Laufbahn die „Fußballschuhe an den Nagel“
Waldhof Mannheim | erstellt am Mi. 03.06.2015
Der 32- jährige postete noch am gleichen Abend auf seiner Facebook-Seite: „27 Jahre, Danke“! Darunter ein Foto, auf dem seine Fußballschuhe an einem Nagel hingen.
In der Jugend beim SV Waldhof gespielt
Ja, vor eben diesen 27 Jahren begann „Bennys“ Laufbahn bei der DJK Sandhofen. Schnell wurde man auf das Talent auch beim SV Waldhof Mannheim aufmerksam und so schnürte er ab der D-Junioren bis zu seinem 21. Lebensjahr die Kickstiefel für die Blauschwarzen. „Wir haben etliche Titel mit der Jugend geholt. Es folgten Nominierungen in der Badischen Auswahl und zwei Mal stand ich im erweiterten Kader der Jugendnationalmannschaft auf Abruf, aber es hatte zu einem Länderspiel nicht gereicht“, blickt Waldecker auf seine Jugendzeit zurück.

Mit dem SV Waldhof stieg Benny Waldecker 2011 in die Regionalliga auf. Foto Marco Bschirrer
In der Aktiven Zeit spielte Waldecker zunächst in der II. Mannschaft der Waldhöfer, die in der Oberliga Baden-Württemberg agierte. Nach dem Abstieg der 1. Mannschaft aus der 2. Bundesliga und der Verweigerung der Lizenz für die Regionalliga war der SVW gezwungen Insolvenz zu beantragen. Durch das noch vor Rundenbeginn eröffnete Insolvenzverfahren war es immerhin möglich die neue Saison in der Oberliga Baden-Württemberg zu bestreiten. In der schwärzesten Stunde der Vereinsgeschichte verließen sämtliche Spieler des Profiteams den Verein. Hauptsächlich aus dem Amateur- und A-Jugend-Kader wurde eine neue Mannschaft gebildet. So kam der Mittelfeldakteur von 2003 bis 2006 auf insgesamt 101 Oberligaspiele für den SV Waldhof.
„Es war eine bewegte Zeit damals, wir konnten 2004/2005 gerade noch den Klassenerhalt in der Oberliga schaffen“, so Waldecker, der in dieser Spielzeit alle 34 Begegnungen (3015 Spielminuten) bestritt und zum besten Vorlagengeber (8 Tore) avancierte.

Waldecker rechts im Bild (weißes Trikot) stieg mit dem SV Sandhausen von der Oberliga bis in die 3. Bundesliga auf. Bild: Gerold
Mit dem SV Sandhausen zwei Mal aufgestiegen
Nach einer weiteren Spielzeit bei den Waldhöfern, kam 2006/2007 der Wechsel zum damaligen Oberligisten SV Sandhausen. Mit den Hardtwäldern gelangen dem talentierten Fußballer Aufstiege in die Regionalliga und in die 3. Bundesliga. „Ich hatte bei den Sandhausenern vorgehabt, mein Studium durch Fußballspielen in der Oberliga zu finanzieren. Aber durch die Aufstiege bis in die 3. Bundesliga, musste ich das Studium unbeabsichtigt in die Länge ziehen. Beinahe hätten wir damals sogar die Qualifikation für die 2. Bundesliga erreicht“, blickt der gebürtige Mannheimer auf eine sensationelle Zeit beim SVS zurück.
In der 3. Bundesliga hatte Benjamin Waldecker nicht mehr unbedingt das Gefühl, dass man bei den Hardtwäldern noch nachhaltig auf ihn setzte. „Ich hatte mehr Kurzeinsätze in der 3. Bundesliga. Der Aufwand war dennoch groß und ich wollte mein Studium der Sportwissenschaften gerne forcieren, daher nahm ich ein Angebot des SV Waldhof an und wechselte so für die Saison 2010/2011 wieder in die Oberliga zum SV Waldhof. Damals war Reiner Hollich Trainer und Günther Sebert der sportliche Leiter.“

Benjamin Waldecker (untere Rheihe ganz links) beim SV Sandhausen / Saison 2007-2008. Bild Gerold.
Wechsel zum SVW und erneut wurde Waldecker mit seinem Team Meister
Aber wo Waldecker spielt, da steigt man auch gerne auf. So auch der SV Waldhof, der nach einer phänomenalen Aufholjagd noch den FC Nöttingen abfing und am letzten Spieltag vor 18.000 Zuschauern im Mannheimer Carl-Benz Stadion gegen den FV Illertissen mit 7:0 Toren gewann. „So etwas vergisst du dein ganzes Leben nicht mehr. Vor so einer Kulisse bei einem Oberligisten spielen und dann noch aufzusteigen, das bleibt haften“, bekommt Waldecker noch heute Gänsehaut, wenn er an die Momente nach dem Aufstieg denkt.
„Da stürmten tausende Anhänger auf den Platz. Ich bin gleich hinter die Sicherheitsabsperrung gerannt. Von dort aus habe ich bis auf meine Sporthose alles an die euphorischen Fans verschenkt. Danach feierten wir mit den Anhängern bis zum abwinken. Das ist einfach ein anderes Feeling, wenn du vor 18.000 Zuschauern im Carl-Benz Stadion spielst, oder dir eine Partie vor 18.000 Zuschauer bei der TSG Hoffenheim anschaust“, so Benny.
Trotz des Aufstiegs in die Regionalliga wechselte Benjamin Waldecker zum Oberligisten Spvvg. Neckarelz. Waldecker: „Ich habe unter Reiner Hollich nicht immer gespielt. Für die Regionalliga hatte ich da Bedenken, ob ich auf genügend Einsatzzeiten gekommen wäre. Diesen unbedingten Rückhalt habe ich damals nicht ganz gespürt.“

Waldecker (untere Reihe, ganz rechts) mit dem Abonnement auf Titel und Aufstiege. Hier das Aufstiegsfoto mit Neckarelz nach dem 0:4 Auswärtssieg beim VfR Mannheim in 2013/2014. Bild: Busse
Auch mit der Spvgg. Neckarelz ging es eine Etage höher
Bei der Spvgg. Neckarelz setzte sich der „Aufstiegs-Zug“ des Benjamin Waldecker fort. Im zweiten Jahr seinen Engagements bei den Odenwäldern schaffte man im beschaulichen Neckarelz unter Trainer Peter Hogen den Aufstieg in die Regionalliga Südwest und „Benny“ war zu der Zeit auch einer der Leistungsträger beim Aufsteiger. „Wir hatten eine geile Mannschaft und am letzten Spieltag mit dem 4:0 Auswärtssieg beim VfR Mannheim den Aufstieg endgültig gesichert. Damals begleiteten uns 1.000 Fans zum Spiel nach Mannheim, das war der „Hammer“, blickt Waldecker auch bei der Spvgg. auf eine schöne Fußballerzeit zurück. Immerhin kam er auch dort auf 57 Oberliga- und 6 Regionalligaeinsätze.
Vom Magister-Abschluss zum Firmeninhaber
Seinen Magister-Abschluss als Sportwissenschaftler hatte Waldecker 2012 geschafft. Aber es kam anders, als gedacht. Waldecker übernahm zusammen mit seiner Ehefrau den Klima-Heizungs- und Sanitärbetrieb seines Schwiegervaters. „Das ist ein eingesessener Betrieb in der 3. Generation. Ich habe eine Umschulung als Anlagenmechaniker für Heizung, Sanitär und Klima gemacht. Die Ausbildung und die Arbeit auf den Baustellen waren sehr zeitaufwändig und mit meinem Engagement beim Regionalligisten Neckarelz nicht mehr vereinbar. Da haben wir den Vertrag aufgelöst und ich konnte mich meiner Ausbildung und der Firma intensiver widmen.“

Auch bei der Spvgg. Neckarelz hatte Benny Waldecker erfolgreiche Jahre. Bild: Busse.
Mit „Verne“ aufgestiegen und in „Verne“ die Laufbahn beendet
Gekickt wurde weiterhin, nunmehr in der Landesliga Rhein-Neckar beim TSV Amicitia Viernheim. „Die zwei, dreimal Training die Woche bekam ich noch hin, neben meiner Arbeit“, so Waldecker. Und in der Rückrunde 2013/2014 zu den Südhessen gewechselt, gelang eine tolle Aufholjagd. Von Platz 10 bis auf Platz 1, schaffte es der Fusionsclub. Waldecker hatte großen Anteil an dem Erfolg und dem Aufstieg in die Verbandsliga Nordbaden.
„Wir hatten in der Rückrunde einen sehr guten Lauf. Als dann Trainer Dennis Mackert seinen vorzeitigen Abschied bekanntgab, übernahmen Roman Haas, Benjamin Waldecker und Victor Oppong die Trainingsleitung und somit auch die Verantwortung. „Wir haben das sehr gut hinbekommen und waren natürlich überglücklich, als wir am letzten Spieltag mit dem 3:1 Sieg gegen TSG Plankstadt den Aufstieg schafften“, war Waldecker schon wieder um einen Aufstieg reicher.

Auch in der Landes- und Verbandsliga schonte Waldecker (grünes Dress-Viernheim) weder sich noch seine Gegner. Bild: Nix.
Mit der jetzt abgelaufenen Spielzeit 2014/2015 belegten die Viernheimer als Aufsteiger einen tollen 4. Tabellenplatz in der Verbandsliga Nordbaden. Für Waldecker war es jetzt seine letzte Station. „Man soll „niemals nie sagen“, wenn ich irgendwann mal wieder Lust verspüre zu kicken und dafür auch die Zeit habe, dann werde ich das tun.“
Und weiter: „Der Fußball hat mir unheimlich viel gegeben. Man lernt sehr viele Menschen und Freunde kennen, muss sich vielen Situationen und Abläufen stellen. Da nimmst du Erfahrungen für dein ganzes Leben mit. Diese möchte man auch nicht missen. Daher sehe ich dem Ende meiner Laufbahn natürlich auch mit einem „weinenden“ Auge entgegen. Es war eine ganz tolle Zeit! Priorität hat die Familie, mein zweijähriges Kind und natürlich auch die Firma“, beginnt für Benjamin (Benny) Waldecker ein neuer Lebensabschnitt.
Dazu wünscht ihm auch der SPORTKURIER alles Gute und viel Erfolg.
zurück