Foto: Alfio Marino

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Beim SV Waldhof hat man sich komplett verkalkuliert

Waldhof Mannheim | erstellt am Fr 22.12.2023

sport-kurier. Dass es in der 3.Liga schwierig ist, einen Kader langfristig aufzubauen, ist bekannt. Denn sobald die Spieler sich deutlich verbessern, wecken sie Begehrlichkeiten von weiter oben und ziehen nicht selten in die 2.Liga ab. Der SV Waldhof Mannheim erlebt das Sommer für Sommer. Ehrlich gesagt steht beim Klub vom Alsenweg stets ein Umbruch an. Im vergangenen Sommer war er dennoch etwas anders gelagert, denn es war so, dass auffällig viele junge Fußballer nach Mannheim gewechselt sind. Der 27 Jährige Yann Mabella, der ebenfalls vor der Saison kam und in der abgelaufenen Hinrunde keine Rolle gespielt hat, ging da fast schon als Opa durch.

Die Idee dahinter wurde auch recht klar kommuniziert. Man hat sich hauptsächlich junge Kicker geholt, weil man sie noch entwickeln möchte und mit ihnen langfristig etwas aufbauen will. Somit wurde die aktuelle Saison auch eher als eine Art Übergangsjahr gesehen, man wollte eine sorgenfreie Runde spielen und die jungen Leute sollten reifen, um dann im Sommer 2024 noch einmal gezielt nachverpflichten, um wieder den Aufstieg ins Visier nehmen zu können.

Sicher spielte dabei auch das Beispiel Elversberg eine Rolle, das in der letzten Runde in die 2.Liga aufgestiegen ist und das im ersten Jahr als Neuling in der 3.Liga. Das Erfolgsgeheimnis war eine eingespielte Mannschaft, die bereits in der Regionalliga gereift war.

Dass man solche Erfolge nicht einfach mal so kopieren kann, erlebt der SVW in seiner aktuellen Situation. Denn von einer sorgenfreien Runde sind die Blauschwarzen meilenweit entfernt. Man kann von Glück sagen, dass man im Keller der 3.Liga überhaupt über dem Strich überwintert. Das liegt zum einen auch daran, weil der Hallescher FC bei 2 Punkten Rückstand noch ein Spiel weniger hat und zum anderen auch daran, weil die Mannheimer die letzten beiden Heimspiele im Jahr 2023 gewonnen haben. Das war kaum abzusehen gewesen, da man zuvor 10 Spieltage auf einen Sieg gewartet hatte und nur 3 magere Punkte holen konnte.

Bild: MA-Photography, Marino.
Coach Rüdiger Rehm hat noch kein wirklich funktionierendes Team formen können. Zu planlos waren viele Auftritte der Waldhöfer. Bild: Marino

Es war eine Negativserie, die im deutschen Fußball häufiger vorkommt, allerdings sonst auch mit Konsequenzen einhergeht. Beim SVW war und ist das anders. In einer Phase, in der beim benachbarten SV Sandhausen möglicherweise sogar 2 Trainer gewechselt worden wären, ließ es der SVW einfach laufen.

Es hieß, dass man bis zur Winterpause warten wollte, um dann einem neuen Mann die Zeit geben zu können, sich einzuarbeiten, dass er seine Philosophie in Ruhe durchdrücken kann. Nach den 2 Siegen soll es jetzt zu einem Umdenken bei der Vereinsführung gekommen sein, aber wenn man das ganze nüchtern betrachtet, ist ein „Weiter so“ mit einem großen Risiko verbunden. Was sich gerade am letzten Spieltag wieder gezeigt hat, als sich die „Buwe“ zu einem 1:0 gegen 1860 München gezittert haben und dabei von einem Handelfmeter profitierten, der einfach keiner war. Natürlich hatte man in dieser Runde auch schon selbst Pech mit Schiedsrichterentscheidungen, dennoch war dieser Pfiff ein großes und vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.

Und auch in diesem Spiel war das große Problem nicht zu übersehen, auch wenn bereits mehr als die Hälfte aller Spiele absolviert sind, wirkt der SVW auf dem Platz noch komplett planlos. Trainer Rüdiger Rehm hat noch kein funktionierendes System gefunden. In der Regel sieht das Waldhof-Spiel so aus, dass man bei einer Balleroberung in der Defensive die Bälle blind nach vorne schießt. Dort stehen dann kleine Spieler wie ein Kelvin Arase (1,72 cm) und werden in Kopfballduelle geschickt.

Fraglich war auch die Degradierung von Kapitän Marcel Seegert, der zwischendurch keinerlei Rolle mehr gespielt hat und nur noch auf der Bank saß. Das kann man sicherlich als Trainer machen, weil Seegert mitunter auch nicht seine besten Leistungen in der Innenverteidigung gezeigt hat. Aber das Problem war vielmehr, dass auch die anderen nicht besser sind und waren. Nun steht Seegert wieder auf dem Rasen und überzeugt mit großem Kampf und trägt eben als einziger auch das Waldhofgen in sich.

Nichtsdestotrotz hat seine Rückkehr auf den Platz einen faden Beigeschmack. Es wirkt fast so, als hätte Rehm ihn auf Druck zurückgeholt, denn bei der Mitgliederversammlung wurde Seegert bei einer emotionalen Rede klar der Rücken gestärkt und Rehm, der im Sommer 2023 bei seiner Verpflichtung noch wegen seines Stallgeruchs gefeiert wurde, deutlich angezählt.

Wichtig wird es nun sein, dass den Worten auch Taten folgen. Präsident Bernd Beetz hatte mehrfach angekündigt, dass Geld für Neuzugänge zur Verfügung steht. Frisches Personal wird dringend benötigt. Leicht die passenden Leute zu finden, ist es im Winter nie. Aber man muss er probieren. Der ein oder andere erfahrene Fußballer könnte sehr hilfreich sein, andernfalls dürfte es schwer werden die Klasse zu halten.

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