Ugur Beyazal in Aktion. Foto: Busse/Neckarelz

Ugur Beyazal in Aktion. Foto: Busse/Neckarelz

Ugur Beyazal, ein Mannheimer Bub, der im Fußball viel erreicht hat

Verbandsliga | erstellt am Mo. 21.09.2015

Der ehemalige Starstürmer von Real Madrid war einer der Gründe, wegen denen der mittlerweile 32-Jährige mit dem Fußball spielen begonnen hat. An die Anfänge kann sich der mittlerweile 32-Jährige, der seit Jahren für den Regionalligisten SpVgg Neckarelz auf Torejagd geht, noch ganz genau erinnern. Los ging alles bei Phönix Mannheim. Da war er fünf Jahre alt. Ein Drei-Käse-Hoch.

Und  sein Talent als Fußballer stellte sich schnell heraus

Meist stand er genau richtig, war vor dem gegnerischen Tor ein ständiger Unruheherd. Traf und traf. Was ihn in der regionalen Fußballszene begehrt machte und im ersten A-Jugendjahr an den Alsenweg führte. „Beim Waldhof habe ich in dieser Zeit viel gelernt“, erinnert er sich. Trotzdem ging es schnell weiter. Von Mannheim nach Schwetzingen zum SVS, wo Beyazal sein zweites A-Jugendjahr absolvierte.     

Und zwar so gut, dass wenig später Dieter Heimen anklopfte, der trainierte damals den ambitionierten SV Seckenheim in der Männer-Verbandsliga. „Dieter und Abteilungsleiter Manfred Jordan haben sich sehr um mich bemüht“, berichtet der Torjäger. Also ließ er sich nicht zweimal bitten und schnürte seine Fußballschuhe in der Verbandsliga. Als unerfahrener Jungspund. Mit 19. Das Vertrauen rechtfertigte er schnell. Mit Toren und Vorlagen.

Ugur Beyazal mit perfekter Schusshaltung. Hier noch im Trikot der SG Heidelberg-Kirchheim. Foto: Gerold/Archivbild.

Und das Karussell drehte sich weiter

SG Heidelberg-Kirchheim, SV 98 Schwetzingen, TSG 62/09 Weinheim – überall war er in der Verbandsliga am Ball, machte sich einen Namen. Bis, ja bis die SpVgg Neckarelz anklopfte. Trainer Peter Hogen wollte ihn unbedingt, holte ihn vor sechs Jahren in die Oberliga. Für Beyazal war das ein großer Schritt, nicht spielerisch, aber geografisch. Denn seitdem hat sich sein Leben grundlegend verändert. Vieles spielt sich auf der Autobahn ab: Zuhause ist er in Ilvesheim, arbeiten tut er in Ludwigshafen bei der Engelmanns AG. Ohne Auto wäre er da aufgeschmissen. „Das sind fast täglich 75 Kilometer einfach, das kostet schon viel Zeit.“

Doch bereut hat er diesen Schritt bis heute nie. Denn in Neckarelz hat er tolle Jahre erlebt. Eine Mannschaft um sich gehabt, die schon fast zu einer Art Ersatz-Familie geworden ist. „Da sind sehr viele Freundschaften entstanden. Wir haben über Jahre mit zehn, zwölf gleichen Spielern gespielt. Wo hat man sonst noch so etwas heutzutage?“

Mittlerweile sind jedoch einige seiner Freunde zu anderen Vereinen gewechselt. Und auch Beyazal wird wohl im Sommer 2016 einen Schluss-Strich ziehen. „Da läuft mein Vertrag aus. Im Winter möchte ich Klarheit schaffen, wie es weitergeht.“ Hört er etwa vielleicht komplett auf mit dem Fußball?

„Nein, sicher nicht, ich bin wirklich noch richtig fit und werde noch ein paar Jahre dranhängen“, verrät er dem Sportkurier. Allerdings sollte sein neuer Klub näher an seinem Wohnort liegen und somit vor allem auch an seinem Arbeitsplatz. Dort hat er nämlich eine Art Sonderstatus: „Da ich ja immer nach Neckarelz muss und viel trainiere, arbeite ich etwas weniger. Und die Firma, bei der ich nun schon seit 15 Jahren bin, hat schon gemeint, dass jetzt so langsam mal der Zeitpunkt kommt, wo ich mich entscheiden muss, ob ich in der Firma mehr arbeite oder so weitermache wie bisher.“

Auch für die Presse ein gern gesehener Gesprächspartner – Ugur Beyazal. Foto: Busse.

Leicht wird ihm der Abschied von der SpVgg sicher nicht fallen

Dafür hat er dort zu viel erlebt, glorreiche Schlachten geschlagen. In Erinnerung ist vor allem das dritte Jahr in Neckarelz geblieben. Damals glückte der Aufstieg von der Oberliga in die Regionalliga. Was eng mit seinem Namen zusammenhing: Damals steuerte Beyazal 14 Tore in 27 Partien bei. „Das war vielleicht meine beste Saison, wobei auch der Oberliga-Aufstieg mit Weinheim, wo ich wieder unter Dieter Heimen trainiert habe, ein besonderes Jahr war.“
     
Was bleibt, ist die Frage: Was kommt nach Neckarelz? Beyazal: „Es heißt ja immer, man soll so hoch spielen wie möglich.“ In der letzten Zeit hat er häufiger auch Kreisliga- und Landesliga-Spiele angeschaut. „Der Unterschied ist da schon größer, aber da wird auch guter Fußball gespielt.“ Sorgen bereitet ihm da eher schon die Trainingsbeteiligung: „Teilweise sind da nur acht Leute im Training, ich weiß nicht, ob ich mich da immer so motivieren könnte.“

Archivbild – Beyazal im Zweikampf mit Weinheims Patrick Geißinger. AS Sportfotos.

Was nicht arrogant klingen soll, aber einer wie Beyazal lebt eben den Fußball

Heute sogar noch viel mehr als früher. Gerade in Sachen Ernährung und Stabilitätsübungen hat er sich komplett umgestellt, was auch mit ein paar guten Bekannten zusammenhängt, die mittlerweile den Sprung in den Profibereich geschafft haben. So wie Marco Terrazzino, der beim VfL Bochum zu einer wichtigen Stütze geworden ist. „Von solchen Jungs kriegst du einiges mit. Früher habe ich einfach gegessen was da war, nun achte ich sehr darauf, was ich zu mir nehme.“

Und das zahlt sich aus. Davon ist er jedenfalls überzeugt. „Als ich noch nicht so auf diese Dinge geschaut habe, war ich ständig verletzt, seit sich das geändert hat, ist genau das Gegenteil der Fall.“ Dafür schießen Sie momentan aber nicht mehr so viele Tore wie früher…

„Ja, das stimmt“, lacht er, „das hängt allerdings eher damit zusammen, dass ich mittlerweile nicht mehr im Sturm spiele, sondern im Mittelfeld.“ Stimmt, aus dem Dauerknipser von einst, ist eher der Vorlagengeber geworden. Wobei ihm nun schon seit ein paar Wochen eine Zerrung zu schaffen macht: „Ich war leicht angeschlagen und habe dummerweise wohl wieder zu früh mit dem Training begonnen. Aber das ist nichts dramatisches.“

Foto: Regionalligaspiel zw. SV Waldhof Mannheim und der SpVgg. Neckarelz / Beyazal im Luftkampf mit Di Gregorio. AS Sportfotos.

Schon mal Deutscher Meister gewesen – „Im drei gegen drei“…

Und jetzt noch zu etwas, was wohl die Wenigsten über Ugur Beyazal wissen. Er wurde nämlich schon mal deutscher Meister. Im Käfig, im drei gegen drei. Es war ein Straßen-Fußball-Event, das im Jahr 2002 von Nike organisiert wurde. Auf die Idee kam Beyazal beim Shoppen. „Damals habe ich noch in Schwetzingen gespielt und habe in der Stadt diesen Flyer gesehen. Da habe ich mich mit dem Kumpels sofort angemeldet.“ Und die hatten einen entscheidenden Vorteil. Sie kennen sich von klein auf, sind zusammen aufgewachsen.

„Wir haben schon als Kinder zusammen gekickt, da kennst du dich natürlich perfekt“, schmunzelt Beyazal. Und der Lohn war fürstlich. Das Trio staubte eine Einladung zu Manchester United ab und durfte dort mittrainieren. Eintrittskarten für den Premiere-League-Knaller Manchester gegen Arsenal gab es noch obendrauf. Ein unvergessliches Erlebnis.

So viel zu Ugur Beyazal, einem Mannheimer Bub, der im Fußball viel erreicht hat. Und wer weiß, vielleicht streift er sich ja schon im Sommer 2016 wieder ein Trikot eines Klubs aus dem Fußball Kreis Mannheim über. Man darf gespannt sein…

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