Brühls Trainer Patrick Münkel grüßt mit seinem Team von der Tabellenspitze der Landesliga Rhein-Neckar. Bild: Lofi
Landesliga Rhein-Neckar: Brühl gibt das Tempo vor – dahinter bleibt das Rennen offen
Landesliga | erstellt am Di. 03.11.2026
sport-kurier. Der FV Brühl hat sich nach zwölf Spieltagen eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet. Während der Spitzenreiter seine Aufstiegsambitionen mit starken Leistungen untermauert, liefern sich mehrere Verfolger ein enges Rennen. Bammental überzeugt mit einer makellosen Heimserie, Türkspor Mannheim entwickelt zunehmend Durchschlagskraft und Aufsteiger Lützelsachsen gehört zu den positiven Erscheinungen. In der unteren Tabellenhälfte liegen dagegen zwischen einem vermeintlich beruhigenden Mittelfeldplatz und einer schwierigen Ausgangslage nur wenige Punkte.
Brühl: Mehr als nur eine starke Offensive
31 Punkte und 42:10 Tore sind eine deutliche Ansage. Unter Trainer Patrick Münkel präsentiert sich der FV Brühl bislang als überzeugendster Aufstiegskandidat. Das jüngste 8:0 gegen Zuzenhausen II unterstrich die offensive Qualität, erklärt den Erfolg aber nicht allein. Brühl besitzt auch die Fähigkeit, schwierige Begegnungen auf seine Seite zu ziehen.
In Leimen lag der Tabellenführer nach zehn Minuten bereits mit 0:2 zurück und gewann dennoch 4:2. Schon beim FK Srbija war ein Zwei-Tore-Rückstand in einen Sieg verwandelt worden. Dazu kommen enge Erfolge wie das späte 1:0 gegen Dossenheim. Brühl kann somit sowohl über seine Angriffsstärke als auch über Geduld und Widerstandskraft gewinnen. Fynn Bauer, Fabio Egner-Walter und Mark Lenhard stehen beispielhaft für die unterschiedlichen Möglichkeiten im Abschluss.
Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf Viernheim. Allerdings hat die Amicitia eine Begegnung weniger absolviert, Türkspor sogar zwei weniger als Brühl. Der Spitzenreiter besitzt ein Polster, ist aber noch keineswegs außer Reichweite.
Viernheim: Eine starke Saison mit Grenzen in den Spitzenspielen
Der TSV Amicitia Viernheim gehört weiterhin zu den erfreulichen Entwicklungen dieser Spielzeit. Nach einer deutlich schwierigeren Vorsaison hat sich die Mannschaft im vorderen Tabellenbereich etabliert. Mit Luan Wendt, Andrej Halter und Leon Kuhmann verfügt sie über mehrere offensive Möglichkeiten und ist nicht auf einen einzelnen Torjäger angewiesen.
Das jüngste 0:2 in Bammental war dennoch ein empfindlicher Rückschlag. Bereits gegen Brühl hatte Viernheim beim 0:3 keinen eigenen Treffer erzielt. Gegen zwei direkte Konkurrenten blieb die sonst gefährliche Offensive damit ohne Torerfolg. Das schmälert die insgesamt gute Entwicklung nicht grundsätzlich, zeigt aber den Unterschied zwischen einer starken Verfolgerrolle und einem durchgehend überzeugenden Titelanwärter.
Bammental: Zu Hause makellos, auswärts noch ohne Sieg
Kaum eine Mannschaft besitzt eine so auffällige Bilanz wie der FC Victoria Bammental: Alle sechs Heimspiele wurden gewonnen, auswärts stehen dagegen vier Unentschieden und eine Niederlage zu Buche. Die Victoria hat damit auf eigener Anlage sämtliche 18 möglichen Punkte geholt, in der Fremde jedoch erst vier. Genau hier liegt der wesentliche Unterschied zu Brühl.
Mit dem 2:0 gegen Viernheim bestätigte Bammental seine Stärke in den direkten Vergleichen. Zuvor war bereits Srbija mit 4:2 bezwungen worden. Khalil Hammudi erzielte gegen die Amicitia beide Treffer und steht inzwischen bei elf Saisontoren. Bammental besitzt zweifellos die Qualität für den Aufstiegskampf. Die bisher fehlenden Auswärtssiege verhindern allerdings, dass die Mannschaft dem Spitzenreiter noch näherkommt.
Srbija: Qualität vorhanden, Erwartungen noch nicht vollständig erfüllt
Beim FK Srbija Mannheim fällt die Zwischenbilanz anspruchsvoller aus. Die Mannschaft wurde vor der Saison zu den Titelkandidaten gezählt, hat jedoch bereits drei Niederlagen hinnehmen müssen. Besonders die verlorenen Begegnungen gegen Brühl und Bammental wiegen schwer, weil dort nicht nur eigene Punkte, sondern auch direkte Vorteile für Konkurrenten vergeben wurden.
Hinzu kam früh Unruhe durch die Trennung von Trainer Danko Boskovic. Der bisherige Saisonverlauf ist deshalb nicht allein eine Frage individueller Klasse, sondern auch der sportlichen Kontinuität.
Der jüngste 2:1-Erfolg in Dossenheim hielt Srbija im Verfolgerfeld. Aiman Kurt entschied die Begegnung mit zwei Treffern und erhöhte sein Saisonkonto auf zwölf Tore. Seine Torgefahr ist ein gewichtiges Argument für die Mannheimer. Insgesamt bleibt jedoch der Eindruck, dass die Mannschaft ihr vorhandenes Potenzial noch nicht dauerhaft ausschöpft.
Türkspor: Ein Verfolger, dessen Tabellenplatz nicht alles erzählt
Der FC Türkspor Mannheim ist derzeit besonders interessant. Zwei aufeinanderfolgende 6:0-Siege gegen St. Leon und Leimen stehen für einen deutlichen Aufwärtstrend. Auf eigener Anlage kommt Türkspor inzwischen auf 22:2 Tore. Dabei verteilt sich die offensive Verantwortung auf mehrere Spieler, darunter Mikail Erdem, Rahmi Can Bas und Youel Tesfagaber.
Die Einordnung der jüngsten Kantersiege verlangt allerdings Augenmaß: Beide Gegner stehen in der unteren Tabellenhälfte. Gleichwohl sind zwölf Tore ohne Gegentreffer ein starkes Signal. Mit 20 Punkten aus erst zehn Begegnungen besitzt Türkspor zudem noch Möglichkeiten, durch die ausstehenden Partien näher an die vorderen Plätze heranzurücken. Platz fünf bildet die sportliche Ausgangslage daher nur unvollständig ab.
Lützelsachsen: Der Aufsteiger hat sich bemerkenswert entwickelt
Die TSG Lützelsachsen zählt zu den positiven Überraschungen. Fünf Begegnungen ohne Niederlage und zwölf Auswärtspunkte zeigen, dass die Mannschaft nicht nur von einzelnen guten Heimauftritten lebt. Vier ihrer sechs Gastspiele hat die TSG gewonnen.
Besonders wertvoll ist, dass inzwischen auch enge Begegnungen erfolgreich gestaltet werden. Beim 1:0 in Zuzenhausen genügte ein Treffer von Gökay Saf. Nach den zuvor häufig torreichen Spielen ist ein solcher Erfolg ein weiteres Zeichen gewachsener Stabilität. Mit 19 Punkten hat sich Lützelsachsen eine gute Grundlage geschaffen und kann seine erste Saison nach dem Aufstieg bislang ausgesprochen positiv bewerten.
Dossenheim: Deutlich gefestigt, aber noch nicht ganz sorgenfrei
Die Sportfreunde Dossenheim haben sich nach einem schwierigen Start ins Mittelfeld vorgearbeitet. Drei Siege hintereinander brachten zwischenzeitlich Schwung, anschließend folgten das Unentschieden gegen Bammental und die knappe Niederlage gegen Srbija. Gegen die beiden Spitzenteams blieb Dossenheim damit konkurrenzfähig, ohne die volle Ausbeute mitzunehmen.
Aykan Aydin ist mit neun Treffern ein wichtiger Faktor. Dennoch liegt die Stärke der jüngsten Entwicklung nicht allein im Angriff: Mit 19:18 Toren weist Dossenheim insgesamt eine wesentlich ausgeglichenere Bilanz auf als zahlreiche Mannschaften hinter ihm. Ein beruhigendes Ruhekissen sind 15 Punkte allerdings noch nicht.
Nußloch und Leimen: Ordentliche Ansätze, empfindliche Rückschläge
Beim FV Nußloch folgte auf einen defensiv starken Saisonbeginn eine deutliche Schwächephase. Vier Niederlagen hintereinander ließen die Mannschaft zurückfallen. Das 2:2 in Neuenheim und der anschließende 4:1-Erfolg gegen Gartenstadt sprechen nun für eine Stabilisierung. Nußloch hat sich damit etwas Luft verschafft, steht aber noch längst nicht so gefestigt da wie in den ersten Saisonwochen.
Aufsteiger Leimen hat seine Landesligatauglichkeit mehrfach gezeigt, sammelt seine Punkte jedoch vor allem zu Hause. Auswärts fehlt weiterhin ein Sieg. Die jüngsten Niederlagen gegen Brühl und Türkspor brachten zusammen zehn Gegentreffer. Besonders das 0:6 in Mannheim war ein deutlicher Rückschlag. Die bisherige Ausbeute ermöglicht dennoch eine realistische Perspektive auf den Klassenerhalt.
Gartenstadt und Neuenheim: Unterschiedliche Ursachen für dieselbe Unsicherheit
Beim VfB Gartenstadt ist der gute Saisonstart inzwischen weitgehend aufgebraucht. Nach acht Punkten aus den ersten vier Begegnungen kamen in den folgenden sieben Spielen lediglich drei weitere hinzu. Ausgerechnet der Sieg gegen Tabellenführer Brühl blieb in dieser Phase das einzige Erfolgserlebnis. Das zeigt die Möglichkeiten der Mannschaft, macht die insgesamt negative Entwicklung aber umso auffälliger.
Neuenheim besitzt dagegen kein grundsätzliches Torproblem: 27 Treffer entsprechen der Ausbeute von Bammental und Viernheim. Allerdings stehen dem bereits 34 Gegentore gegenüber. Der jüngste 5:0-Erfolg in Ketsch war deshalb auch wegen der defensiven Bilanz wertvoll. Für eine nachhaltige Entwarnung reicht ein überzeugender Nachmittag nach der zuvor langen sieglosen Phase noch nicht.
St. Leon und Lobbach: Ein direkter Vergleich mit großer Wirkung
Das 4:1 in Lobbach war für St. Leon eine wichtige Antwort auf das vorausgegangene 0:6 bei Türkspor. Solche Gegensätze kennzeichnen bislang die Saison des VfB: Einzelnen überzeugenden Leistungen stehen deutliche Rückschläge gegenüber.
Für Lobbach war die Niederlage besonders schmerzhaft, weil die eigene Anlage bislang den größten Teil der Punkte lieferte. Zehn der elf Zähler wurden zu Hause gewonnen. Mit 35 Gegentreffern bleibt die Defensive ein wesentlicher Grund für die gefährdete Position. Beide Mannschaften stehen nun punktgleich da – mit sehr unterschiedlichen Eindrücken aus dem jüngsten Spieltag.
Ketsch und Zuzenhausen II: Der Druck nimmt zu
Bei der Spvgg. 06 Ketsch verschärft sich die Lage. Auf das achtbare 2:2 gegen Bammental folgten vier Niederlagen. Das 0:5 gegen Neuenheim traf die Mannschaft besonders empfindlich, weil ein direkter Konkurrent dadurch davonzog. Die sieben Punkte stammen weiterhin ausschließlich aus Heimspielen; auswärts fehlt jeder zählbare Ertrag.
Zuzenhausen II hat nach dem 0:8 in Brühl ebenfalls eine schwierige Ausgangslage. Trainer Christoph Münster verwies zuletzt darauf, dass seine Mannschaft in mehreren knappen Begegnungen durchaus Chancen auf mehr Punkte besessen habe. Das erklärt einen Teil der geringen Ausbeute, ändert aber nichts an der Lage: Fünf Punkte und 36 Gegentreffer bedeuten erheblichen Druck. Mit Nico Härle, der sieben der 13 Saisontore erzielte, besitzt der Aufsteiger immerhin einen verlässlichen Abschlussakteur.
Zwischenfazit: Brühl vorne – dahinter ist noch nichts entschieden
Brühl verbindet derzeit die größte Konstanz mit hoher offensiver Qualität und ist damit der überzeugendste Meisterschaftskandidat. Bammental hat vor allem auswärts noch ungenutztes Potenzial, Srbija bleibt hinter den eigenen Möglichkeiten und Türkspor könnte im weiteren Verlauf noch stärker ins Blickfeld rücken. Viernheim behauptet sich trotz des jüngsten Rückschlags als ernsthafter Verfolger.
In der unteren Tabellenhälfte ist dagegen Vorsicht bei der Bewertung einzelner Platzierungen angebracht: Zwischen Rang acht und Rang 13 liegt nur ein Punkt. Ein Erfolg kann dort einen deutlichen Sprung bedeuten, eine Niederlage die Lage sofort verschärfen. Die Tabelle zeigt deshalb bereits klare Tendenzen – aber noch längst keine endgültigen Verhältnisse.
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