Ketschs Trainer Marco Rocca steckt mit seinem Team in einem Tief. Bild: Berno Nix

Ketschs Trainer Marco Rocca steckt mit seinem Team in einem Tief. Bild: Berno Nix

„Wir brauchen jetzt die richtigen Typen mit der richtigen Einstellung“ Ketschs Trainer Marco Rocca in Interview

Landesliga | erstellt am Di. 03.11.2026

sport-kurier. Bei der Spvgg Ketsch fällt es aktuell nicht leicht, sich das Tabellenbild der Landesliga Rhein-Neckar anzuschauen. Denn die eigene Elf steht gewissermaßen mit dem Rücken zur Wand. Nach 11 Spieltagen hat der Traditionsverein nur 7 Punkte gesammelt, was den 15. Platz bedeutet. Als Vorletzter befindet man sich in akuter Abstiegsgefahr. Und ein Ende der Talfahrt ist dringend erforderlich. Das dachte sich Ketsch auch schon in der Vorwoche, konnte es aber nicht umsetzen: Man kassierte am letzten Wochenende eine frustrierende 0:5 Heimniederlage gegen den ASC Neuenheim. Wir haben uns mit Chefcoach Marco Rocca über die prekäre Situation unterhalten.

Hallo Herr Rocca, wie erklären Sie sich denn den besorgniserregenden Auftakt Ihrer Mannschaft in der Landesliga?

Also es ist komplett anders gelaufen, als wir es uns vorgestellt haben, was auch in Bezug auf unsere Erwartungen. Wir hatten in der Endphase der Vorbereitung viele Urlauber. Bis zum 8. Spieltag standen uns einige Spieler nicht zur Verfügung. Jetzt kamen einige zurück, die aber nicht bei 100 Prozent sind. Bei diesen Spielern fangen dann natürlich auch Wehwehchen an. Das heißt, dass wir nach wie vor auf den einen oder anderen verzichten müssen. Aber das soll keine Ausrede sein und auch nicht der alleinige Grund für so einen Start.

Was meinen Sie damit?

Wir, also auch die Jungs selbst, wissen, dass wir eine gewisse Qualität im Kader haben. Aber letztlich ist die Qualität das eine und die aufs Feld zu bekommen, etwas ganz anderes. Und da sehe ich momentan bei uns vielmehr die Thematik, nämlich die Leistung zu zeigen. Mit einer nötigen Ernsthaftigkeit und man muss es so sagen, auch mit einer entsprechenden Einstellung. Denn in dieser Liga gibt es keine Mannschaft, die man einfach so im Vorbeigehen schlägt. Das haben wir letzte Woche gegen Neuenheim deutlich zu spüren bekommen. Das hatte nichts mit Qualität zu tun, sondern mit Einstellung und Bereitschaft. Wenn man dann unten steht, ist es einfach so, dass man sich das Siegesglück wieder hart erarbeiten muss. Selbst wenn in einem Spiel nicht alles für dich läuft. Wir brauchen jetzt die richtigen Typen mit der richtigen Einstellung, um das in Angriff nehmen zu können. Sie müssen sich der Situation stellen. Nur wir selbst können uns wieder auf die richtige Spur bringen.

So langsam wird es auch Zeit für die Wende.

Natürlich, es wird Zeit. Es geht jetzt nicht mehr um Qualität oder schön zu spielen. Es geht darum, jetzt zu liefern. Wir brauchen schnell Punkte, sonst wird der Abstand immer größer. Wir liegen ja jetzt schon 4 Punkte hinter dem Relegationsplatz. Vom Mittelfeld wollen wir gar nicht erst reden. Das muss jeder jetzt realisieren. Punkte müssen her. Ausreden gibt es nicht mehr.

Als Coach ist man stets das schwächste Glied in der Kette, bangt man da auch um seinen Job?

Also Angst habe ich keine. Natürlich hatte ich schon schönere Tage. Ich bin 100 Prozent Herzblutfußballer. Für mich ist er mehr als nur eine Leidenschaft, das lebe ich Tag für Tag. Wir haben ganz offene Gespräche, das Miteinander ist in Ketsch sehr gut. Das gilt für die sportliche Leitung mit den Vorständen und mit der Mannschaft. Sobald ich das Gefühl habe, dass die Mannschaft mir nicht mehr folgt oder ich das Gefühl habe, es muss ein frischer Wind rein, bin ich der Letzte, der böse ist. Das habe ich alles klar angesprochen, denn im Vordergrund steht nicht Marco Rocca, sondern immer der Verein. Ich bin jetzt im sechsten Jahr in Ketsch und auch in den ersten beiden Jahren haben wir ähnliche Erfahrungen gemacht, da ging es auch gegen den Abstieg, dann kam ein sehr gutes Jahr. Wir wollen langfristig ins erste Tabellendrittel. Davon sind wir meilenweit weg. Und deshalb macht das auch mit mir etwas. Aber meine Erziehung, so haben mich meine Eltern groß gezogen, sieht vor, dass man Lösungen findet, dass man nicht aufgibt oder davon läuft. Und diese Lösungen werden wir finden.

Jetzt geht es gegen Gartenstadt, die auch weiter unten stehen. Da sollte die Wende eingeleitet werden.

Ja, das haben wir vor Neuenheim aber auch gesagt und uns vorgenommen. Gegen Neuenheim war der Auftritt meiner Mannschaft sehr enttäuschend. Jetzt müssen wir das vergessen haben. Und das ist das schöne im Fußball, man kann es Woche für Woche besser machen. Dafür brauche ich die richtigen Typen. Also eine erste Elf und die Spieler, die noch für frischen Wind sorgen können, dahinter.

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