Ketschs Trainer Joachim Fellhauer steht sprichwörtlich "im Regen". Gleich 6 Spieler kicken nicht mehr für den Landesligisten. Es kriselt bei den 06ern. Bild: Berno Nix
Drei Spieler suspendiert und drei zurückgetreten – Niederlagenpleite – Landesligist Spvgg. 06 Ketsch +++ Trainer Fellhauer im Interview
Archiv Landesliga (Fußball) | erstellt am Di. 01.12.2015
Denn aktuell belegt die Spvgg den drittletzten Platz, ist 15. Und Aussicht auf Besserung gibt es nicht wirklich. Zuletzt setzte es vier Niederlagen in Serie, bei einer Tordifferenz von 2:21.
Der Hauptgrund für die Talfahrt ist die Unruhe innerhalb der Mannschaft, die schon vor Wochen begonnen hat – der Sportkurier berichtete ausführlich. Vor dem letzten Spiel gegen Eppelheim zog der Verein nun die Reißleine. Drei Spieler (Sascha Schippl, Paul Stro und Axel Brandenburger) wurden suspendiert und Jozef Skandik erklärte sich daraufhin solidarisch und kehrte Ketsch ebenfalls den Rücken.
Mittlerweile sind mit Steffen Schmitt und Alexander Dirks zwei weitere Spieler dazu gekommen, die ihren vorzeitigen Abschied verkündet haben. Bereits in Eppelheim standen sie schon nicht mehr im Kader.
Der Sportkurier sprach mit Trainer Joachim Fellhauer.

Vor einigen Monaten war die „Welt noch in Ordnung“. Ketsch stieg sehr souverän in die Landesliga auf. Jetzt steht man kurz vor der Winterpause vor einem Scherbenhaufen. Bild: Berno Nix.
Sportkurier: Hallo Herr Fellhauer, zuletzt kassierte Ihre Mannschaft vier Niederlagen in Serie. Woran hapert es denn derzeit?
Vor sechs, sieben Wochen hat es bei uns mit der Unruhe angefangen. Einige im Team haben sie ausgelöst. Wir waren dann darum bemüht, einen Kompromiss zu finden und dachten, dass wir die Sache so wieder in den Griff bekommen können, aber das war leider nicht der Fall. Deshalb haben wir in der letzten Woche die Notbremse gezogen. Wir waren uns natürlich darüber im Klaren, dass der Zeitpunkt etwas ungewöhnlich ist. Schließlich stehen wir ja kurz vor der Winterpause. Aber wir konnten nicht mehr warten. Es ging einfach nicht mehr. Demnach werden wir für unser Handeln wohl gewichtige Gründe gehabt haben. Nun müssen wir schauen, wie wir damit zurecht kommen.
Sportkurier: In Eppelheim kam man offenbar nicht damit zurecht…
Na ja, man muss zunächst einmal sagen, dass wir personell auf dem Zahnfleisch gegangen sind. Sechs Spieler standen uns ja aus bekannten Gründen nicht zur Verfügung, dazu kamen dann noch zwei gesperrte Spieler. Somit hatten wir nur noch elf Spieler im Kader. Auf der Bank saß nur ein Spieler, der bislang kaum gespielt hatte. Selbst Peter Kumpf unser Abteilungsleiter stand bereit für eine Einwechslung und das mit 53 Jahren. Zudem kamen ein paar Jungs unserer zweiten Mannschaft noch zum Spiel nach Eppelheim nach. Sie kamen aber erst während der Partie an, weil sie ja zuvor selbst gespielt hatten. Und ich muss sagen, dass wir uns dafür wirklich gut präsentiert haben. Da kann man stolz auf die Jungs sein, denn zur Pause stand es 0:2 und nach dem Wechsel hatten wir viele Chancen, aber wenn du hinten drin stehst, kommt eben auch noch Pech dazu. Und als dann das 3:0 gefallen ist, war die Partie gelaufen.
Beim ASV Eppelheim traten die Ketscher mit einer Rumpfelf an und verloren mit 4:0 Toren. Das Team zeigte trotz der Niederlage große Moral und präsentierte sich lange Zeit gut. Bild: lofi.
Sportkurier: Wird in der Winterpause nochmals personell nachgelegt?
Das kann passieren. Wir müssen uns als Verein darüber Gedanken machen. Das beschäftigt uns auch schon. Aber wir sehen beispielsweise auch seit Jahren, dass da ein paar Spieler bei uns in der zweiten Mannschaft sind, die das Zeug für die Landesliga haben. Das sind drei, vier Spieler. Zuletzt wollten sie aber auch noch nicht hoch. Sie sind teilweise beruflich und beim Studium eingespannt und in der Landesliga wird beispielsweise einmal mehr in der Woche trainiert. Aber wir werden mit ihnen reden und wollen ihnen das Vertrauen schenken. Als die ganze Unruhe begonnen hat, haben sie uns auch schon signalisiert, dass sie einspringen würden, wenn einige nicht mehr spielen wollen. Aber natürlich werden wir auch extern nach neuen Spielern schauen. Allerdings gezielt und nicht panisch. Wir werden sehen, was in der Winterpause passiert.
Sportkurier: Wie ist denn die Stimmung jetzt im Team. Es hört sich so an, als ob der Zusammenhalt wieder da wäre…
Das hoffe ich. Die Situation in den letzten Wochen war nicht mehr tragbar. Es wurde Stimmung gemacht innerhalb der Mannschaft und natürlich auch gegen mich. Der Schluss-Strich war dringend nötig.
Sportkurier: Wie schlimm wäre es denn für Ketsch, wenn es direkt wieder in die Kreisliga Mannheim runter gehen würde?
Wir selbst sehen es so, dass die Landesliga die Liga ist, in die wir eigentlich gehören. Wir haben ein tolles Sportgelände und auch das Drumherum stimmt. Deshalb würden wir die Klasse schon gerne halten. Andererseits würde auch keine Welt zusammenbrechen, wenn wir runter müssten. In den letzten zehn Jahren kam das ja schon vor. Aber man muss einfach auch sehen, dass es für uns keine finanziellen Nachteile bringen würde, wenn wir in der Kreisliga spielen. Bei einem Abstieg springen nämlich keine Sponsoren ab. Wir werden nicht in Panik verfallen. Wir haben ja auch Verantwortliche, die reichlich Erfahrung mitbringen. Bei uns wird ruhig und sachlich weiter gearbeitet werden.
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