Rhein-Neckar Löwen geben nach schwachem Schlussspurt sicher geglaubten Titelgewinn ab
Rhein-Neckar Löwen geben nach schwachem Schlussspurt sicher geglaubten Titelgewinn ab
Archiv Handball | erstellt am So. 25.05.2014
Dadurch schoben sich die „Zebras“ noch an dem Klub aus Baden vorbei und sind Deutscher-Handball-Meister 2014. Nach Punkten liegen Löwen und THW mit 59:9 gleichauf.
In den Katakomben der Schwalbe-Arena wurden die Hostessen plötzlich hektisch. Adrett standen die jungen Damen bereit, um dem neuen Deutschen Meister zu ehren. Schnell räumten sie die Goldmedaillen dann aber wieder von den Silbertabletts. Es war alles vorbereitet. Vorbereitet für den Triumphmarsch der Löwen. Es sollte eine große Party werden, aber es sollte nicht sein.
Draußen saß zeitgleich Kim Ekdahl du Rietz, hatte sein Gesicht hinter seinen Händen vergraben und weinte hemmungslos. Viele seiner Kollegen taten es ihm gleich, warteten aber, bis sie in der Kabine verschwunden waren. Auch Thorsten Storm gelang es nicht, seine Emotionen zu zügeln. „Es hat einfach nicht sollen sein“, sagte er, nachdem er sich Minuten vorher im Kabinengang mit Händen auf den Oberschenkel abstützen musste. Der Manager der Löwen war leer, aber auch professionell, um sich ein paar Momente später den Fragen zu stellen, die er eigentlich gar nicht beantworten wollte. Seine Spieler waren zunächst nicht dazu zu bewegen, ihren Fluchtort zu verlassen.
Erst eine Stunde später, auf dem Weg zum Mannschaftsbus, hatten ein paar ihre Worte wiedergefunden. „Das ist die größte Enttäuschung meiner Karriere“, sagte Spielmacher Andy Schmid. Seine Tränen in den Augenwinkeln waren da noch nicht ganz getrocknet. „Wahrscheinlich hat niemand von uns je eine so gute Saison gespielt und dann endet die mit dem größmöglichen Frust“, versuchte Rechtsaußen Patrick Groetzki seine Emotionen zu erklären. Zwei sprachen für alle, die Sätze glichen sich.
Deutlich gelöster war derweil die Atmosphäre im VIP-Raum des VfL Gummersbach. Die Zuschauer der Oberbergischen freuten sich, an dem spannendsten Meisterendscheid in der Handball-Bundesliga teilgehabt zu haben. Mit einem Mini-Polster von sieben Toren gingen die Löwen in die Partie und als sie nach einem Blitzstart mit 7:3 führten, während sich die Kieler zu einem 3:2 gegen Berlin gequält hatten, schien noch alles für Schmid, Groetzki & Kollegen zu laufen.
Doch es lief eben nicht, weil die Löwen es verpassten, den kampfstarken Gummersbachern den Spaß an der Leidenschaft zu nehmen. Zudem fehlte die Leichtigkeit der vergangenen Wochen. Die Folge war, dass die Badener nach 30 Minuten nur mit 21:19 führten und weil der THW gleichzeitig mit 17:8 vorne lag, waren beide Titeljäger nach 30 Minuten torgleich. Zu Beginn der zweiten Hälfte spurteten die Löwen schnell zum 28:20, lagen im Fernduell wieder mit fünf Toren vorne, doch der Vorsprung reichte nicht, weil die Kieler nicht mehr aufzuhalten waren, während die Löwen zusehends verkrampften.
„Mir fehlen die Worte, das zu beschreiben“, sagte Gudmundur Gudmundsson. Der Löwen-Coach saß zum letzten Mal bei einem Pflichtspiel auf der Bank und verabschiedet sich jetzt als Vizemeister, um Nationaltrainer in Dänemark zu werden. Ein zweiter Rang steht nach der besten Saison in der Geschichte des Klubs unter dem Strich, und doch fühlten sich alle Löwen gestern wie Verlierer. An der Tabelle war Schmid gar nicht mehr interessiert: „Es ist doch egal, ob du Zweiter oder Fünfter wirst.“
Foto: DHB
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