"Im Notfall spiele ich auch im Hoffenheimer Tor"

„Im Notfall spiele ich auch im Hoffenheimer Tor“

Archiv 1. Bundesliga (Fußball) | erstellt am Di. 11.03.2014

Der 1,88 Meter große Innenverteidiger entwickelte sich, dank seines guten Stellungsspiels, Schnelligkeit und Zweikampfstärke zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Innenverteidigung. Aufgrund einer hartnäckige Adduktoren-Verletzung musste er zuletzt pausieren. Im Gespräch mit dem Sport-Kurier verrät der 27-Jährige einiges aus seinem Privatleben.

Sportkurier: Sie gelten als ruhiger, freundlicher Typ, auf dem Spielfeld wirkt das ganz anders. Argentinier gelten von Natur aus im Sport als aggressiv und kämpferisch.

Abraham: Ja, das ist richtig. Argentinier, besonders Verteidiger, sind ehrgeizig, wollen immer gewinnen, gehen aggressiv in die Zweikämpfe. Das ist auch bei mir der Fall.

Sportkurier: Beim FC Basel haben Sie in vier Jahren und über 100 Pflichtspielen Ihre größten Erfolge gefeiert. Wurden drei Mal in Folge Meister und zwei Mal Pokalsieger.

Abraham: Ja, wir haben in den gemeinsamen vier Jahren einiges zusammen gewonnen. Höhepunkte waren Champions-League-Spiele, wie zum Beispiel gegen Manchester United in Old Traffort.


Sportkurier: Im spanischen Getafe unterschrieben Sie einen Vierjahresvertrag, wechselten aber schon nach einem halben Jahr nach Hoffenheim. Was waren die Gründe?

Abraham: Ich musste leider sehr schnell feststellen, dass es in Getafe wenig professionell zuging. In der Schweiz war dies wesentlich besser. Auch wenn es sich in Spanien sehr gut leben lässt, haben sich meine Vorstellungen nicht erfüllt. Der gesamte Verein war einfach nicht so organisiert, wie man das erwarten würde. Ich fühlte mich überhaupt nicht wohl und war dankbar, als das Hoffenheimer Angebot zu diesem Zeitpunkt kam.

Sportkurier: Können Sie sich vorstellen, auch auf einer anderen Position zu spielen?

Abraham: Eigentlich bin ich mit meiner Position sehr zufrieden, aber ich habe in Argentinien öfters beim Abschlussspiel im Tor gestanden. Mehr so aus Spaß zwar, aber wenn in einem Spiel mal etwas passieren sollte und wir keinen Keeper mehr zur Verfügung hätten, könnte ich ja einspringen (lacht).

Sportkurier: Schwer vorzustellen, dass Sie Trainer Markus Gisdol beim Abschlusstraining ins Tor stellen würde.

Abraham: Da haben Sie Recht. In Südamerika, speziell in Argentinien und Brasilien, geht es etwas lockerer zu. Da wird das letzte Training vor einem Pflichtspiel oft zum Spaßtraining. Der ganze Kader wird aufgeteilt in zwei Mannschaften, die über das ganze Spielfeld gegeneinander spielen. Jeder darf sich dabei eine Spielposition aussuchen, nur zwei Ballkontakte sind erlaubt. Da stand ich dann oft im Tor. In Deutschland ist dies alles viel ernster und daher nicht vorstellbar.

Sportkurier: Mit der U20-Nationalmannschaft Argentiniens gewannen Sie 2005 gegen Nigeria, durch zwei Strafstösse von Lionel Messi, bei einem Gegentor des früheren Hoffenheimer Chinedu Obasi, die Weltmeisterschaft.

Abraham: Das ist lange her. Es war eine schöne Zeit mit einer tollen Mannschaft, in der Zusammenhalt und Bescheidenheit eine große Bedeutung hatten. Messi war das Ausnahmetalent. Man konnte schon damals erkennen, was für außergewöhnliche Fähigkeiten er besitzt. Was der mit dem Ball gemacht hat war oft der Wahnsinn.

Foto: Abraham klärt per Kopfball vor seinem Bremer Gegenspieler.
Sportkurier: Für Sie ein Traum, ein weiteres Mal mit Superstar Messi in einem Team zu spielen?

Abraham: (lacht) Ich glaube, das kann sich Hoffenheim finanziell nicht leisten. Es war großartig für mich, damals mit ihm zusammenzuspielen. Aber doch unwahrscheinlich, dass sich so eine Situation wieder ergibt.

Sportkurier: Haben Sie noch Träume in Richtung Nationalmannschaft?

Abraham: Ich bleibe lieber zu Hause, als mich auf die anstrengenden Reisen mit der Nationalmannschaft zu begeben. Da mache ich lieber Urlaub (lacht). Nein im ernst: Das Thema Nationalmannschaft war immer ein Traum von mir. Voraussetzung ist mit Hoffenheim konstant und erfolgreich in der Bundesliga zu spielen, verletzungsfrei über einen längeren Zeitraum von 25-26 Spielen zu bleiben. Was dann kommt, wird sich zeigen. Ich bin aber realistisch, um selbst einzustufen, dass dies sehr schwierig sein wird.

Sportkurier: Wo wird Ihrer Meinung nach 1899 am Saisonende landen?

Abraham: Wichtig ist, dass wir weiter so konstant spielen und den Abstand zu den Abstiegsregionen halten oder sogar vergrößern. Ich möchte auf keinen Fall mehr so ein dramatisches Abstiegsfinale wie in der vergangenen Saison erleben. Das war abschreckend genug. Ein zweites „Wunder von Dortmund“ muss es nicht mehr geben.

Foto 1+3 Rhein-Neckar Picture                Foto 2 BWA

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