1899 Hoffenheim mit Blick auf die neue Saison
1899 Hoffenheim mit Blick auf die neue Saison
Archiv 1. Bundesliga (Fußball) | erstellt am Do. 08.05.2014
Beide können auf eine sehr positive Bilanz zurückblicken. Nicht nur das Erreichen des vorzeitigen Klassenerhalts steht dabei im Vordergrund, vielmehr die Art und Weise, wie die Nordbadener mit ihrer Spielweise begeistern, ist dabei ausschlaggebend.
Mutig, risikoreich offensiv, die Spiele genießen höchsten Unterhaltungswert. 133 Tore mit Hoffenheimer Beteiligung in den bisherigen 32 Saisonspielen ergeben einen Durchschnittswert von 4,3 Treffer. Doch nicht nur die Tore sorgen für das fußballerische Spektakel, viele strittige, oftmals auch falsche Schiedsrichterentscheidungen haben die Kraichgauer um so manchen Punkt gebracht.
Foto: Links Sportdirektor Alexander Rosen, daneben 1899-Chefcoach Markus Gisdol.
Reiner Schock, ein bekennender Hoffe-Fan und treuer Dauerkartenbesitzer aus Sinsheim-Dühren: „Bei uns ist immer was geboten. Selten mal ein Spiel, wo wenig los ist. Für sein Geld bekommt man einen hohen Unterhaltungswert, inklusive Nervenkitzel, garantiert.“ Eine große Baustelle bleibt nach wie vor die Defensivarbeit, die unter dem risikoreichen Offensivspektakel leidet. So gefährlich die Angriffsmaschinerie auch ist, so anfällig ist die Hintermannschaft. Viele Gegentreffer resultierten dabei aus Unkonzentriert- und Leichtsinnigkeiten. Dem gilt es Abhilfe zu schaffen.
Aufgrund des vorzeigten Klassenerhalts laufen in der 1899-Zentrale in Zuzenhausen die Vorbereitungen für die neue Saison 2014/15 auf Hochtouren. Man hat nun Planungssicherheit, geht mit anderen Voraussetzungen an die Arbeit. Anders als noch vor einem Jahr, wo die drohende Zweitklassigkeit vieles in Frage stellte und die Entscheidungsfindung beeinflusste. Bis auf Fabian Johnson, der nach Mönchengladbach wechselt, sollen alle Spieler gehalten werden.
Altlasten gilt es abzuarbeiten, elf Leihspieler kehren am Saisonende zurück. Der erste mögliche Neuzugang dürfte der Spanier Joselu sein, den Hoffenheim an Eintracht Frankfurt ausgeliehen hat. Dort entwickelt er sich immer mehr zum Torjäger. Rosen hält sich diesbezüglich wenig bedeckt: „Joselu hat sich in Frankfurt positiv entwickelt. Wir beobachten seine Entwicklung intensiv und bewerten sie sehr positiv.
Foto: Die Nr. 9 Joselu (Eintracht Frankfurt) erzielt einen Treffer gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Der nach Frankfurt ausgeliehene Joselu kommt aller Voraussicht nach wieder nach Hoffenheim zurück.
Er hat den richtigen Schritt gemacht, es war die richtige Entscheidung ihm in Frankfurt Einsatzzeiten zu ermöglichen. Man kann davon ausgehen, dass er im Sommer bei uns aufschlägt.“ Für die restlichen Leihspieler gilt es Lösungswege zu suchen und zu finden, denn unter ihnen dürfte keiner sein, der ins Konzept von Gisdol und Rosen passt. Das Trainerteam arbeitet in engem Austausch mit der Scouting-Abteilung. Es werden Vorschläge erarbeitet, um den Kader noch zu verstärken. Gisdol: „Ganz oben auf der Wunschliste stehen zwei Außenverteidiger: Wir sind auf diesen Positionen dünn besetzt. Wenn uns Johnson im Sommer verlässt, müssen wir hier nachrüsten.“
Andreas Beck hat bei der TSG 1899 Hoffenheim verlängert
Die Personalie Andreas Beck wurde endlich geklärt. Gisdol wollte seinen Kapitän unbedingt halten, bescheinigte ihm sogar, aufgrund seiner Vielseitigkeit als Links- und Rechtsverteidiger und der wenigen Alternativen für Bundestrainer Joachim Löw auf den Außenverteidigerpositionen, WM-Tauglichkeit. Und Andreas Beck unterschrieb zur Freude vieler TSG-Anhänger seinen neuen Vertrag bis 2017. Beck hatte die positive Grundstimmung und die sportlichen Perspektiven, nicht zuletzt aufgrund der Vertragsverlängerung der Torgaranten Kevin Volland und Roberto Firmino, erfreut zur Kenntnis genommen. 
Großes Kompliment an den jüngsten Bundesliga-Manager Rosen, dem es gelungen ist, die beiden wertvollsten Offensivkräfte Volland und Firmino langfristig an den Verein zu binden. Welch großen Anteil die beiden am Klassenerhalt haben, belegen allein 20 Torbeteiligung bei Volland und 27 bei Firmino. Ein Liga-Spitzenwert.
Hinsichtlich ihrer Torhüter können die Kraichgauer ebenfalls einen Spitzenwert vorweisen. Seit dem Erstligaaufstieg 2008 standen bereits neun verschiedene Keeper im Tor. Die Liste ist lang: Ramazan Özcan, Daniel Haas, Timo Hildebrand, Tom Starke, Tim Wiese, Heurelio Gomes, Koen Casteels, Jens Grahl und Alexander Stolz.
Gerüchten zu Folge soll ein weiterer hinzu kommen. Die Kraichgauer zeigen großes Interesse am Freiburger Torhüter Oliver Baumann. Was die Zielsetzung für die neue Saison betrifft, werden sich die Hoffenheimer, nicht zuletzt aufgrund der schlechten Erfahrungen der Vergangenheit, nicht weit aus dem Fenster lehnen. Der Klassenerhalt genießt oberste Priorität. Die abgelaufene Saison offenbarte jedoch, dass man mit dem vorhandenen Spielermaterial durchaus ein Wörtchen bei der Vergabe der internationalen Plätze hätte mitreden können. Nur wenige Punkte fehlten zum siebten Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Europa-League berechtigt.
Fehlende Punkte, die vor allem in der Hinrunde durch unglückliche Umstände liegen gelassen wurden. Beste Beispiele waren aberkannte, reguläre Treffer und ein kurioses Phantom-Tor. Wenn die Kraichgauer ihren begeisterten Fußball in die neue Saison übertragen, sich personell sinnvoll verstärken, dürfte ein einstelliger Tabellenplatz im Bereich des Möglichen sein. Der hohe Unterhaltungswert wird mit Sicherheit weiterhin für reichlich Tore und Nervenkitzel sorgen.
Foto 1+2 Rhein-Neckar Picture Foto 3 Marc Schüler