Spielszene SV Sandhausen - KSC / Saison 19/20. Sandhausens Diekmeier beim Kopfball auf das Tor des KSC. Bild: AS Sportfoto
Nordbadisches Derby mit Brisanz ++ KSC vs. SV Sandhausen
SV Sandhausen | erstellt am Do. 15.10.2020
Die Vorzeichen könnten unterschiedlicher kaum sein, denn obwohl der SVS bei drei Gegentreffern nur ein Tor weniger als der KSC kassierte, haben die Sandhäuser schon sechs Punkte auf dem Konto, während die Fächerstädter nach einem klassischen Saison-Fehlstart bei null Zählern und noch keinem erzielten Treffer Tabellenschlusslicht sind.
Doch bekanntermaßen sind „angeschlagene Boxer gefährlich“, und allgemein ist durch das Ende der Transferperiode wieder mehr Ruhe bei den Vereinen eingekehrt. Die beiden badischen Nachbarn waren sehr von dem regelrechten Theater in der schon laufenden Saison an Wechselgerüchten betroffen.
Erstligist Union Berlin arbeitete zunächst daran, als Ersatz für den abgewanderten Torjäger Sebastian Andersson KSC-Stürmer Philipp Hofmann in die Hauptstadt zu lotsen und war stark an SVS-Stürmer Kevin Behrens interessiert. Nachdem beides nicht zustande kam, konnten die Eisernen am Ende Joel Pohjanpalo verpflichten. Ein Abgang Hofmanns hätte besonders schwer gewogen, da der Torjäger in der letzten Saison mit 17 Saisontreffern so etwas wie eine Karlsruher Lebensversicherung war.
Danach folgte bei den Torschützen Mittelfeldstratege Marvin Wanitzek mit fünf Treffern. Hofmann: „Es ist doch normal, dass ich zu einem Bundesligisten möchte, wenn aus der Ersten Liga ein Angebot kommt. Jetzt, wo ich hierbleibe, akzeptiere ich das. Ich habe einen Vertrag beim KSC, und werde, genauso wie letzte Saison, alles für ihn geben.“
Vakant bleiben die beiden Positionen im defensiven Mittelfeld, auf denen zuletzt viel variiert wurde, um mehr Stabilität ins Defensivspiel zu bekommen. Es läuft auf einen Vierkampf zwischen den etablierten Denis Linsmayer und Emanuel Taffertshofer sowie den Neuzugängen Anas Ouahim und Nikolas Nartey hinaus, wobei Ouahim und Nartey wie die restliche Mannschaft gegen St. Pauli kämpferisch überzeugen konnten und ihre Ansprüche untermauerten.
Linsmayer hat seine Gehirnerschütterung überstanden und konnte wieder am Training teilnehmen. Womöglich feiert auch der jüngste Neuzugang Alexander Esswein bereits sein Debüt. Die Verpflichtung des erfahrenen Offensiv-Allrounders gibt Möglichkeiten zu taktischen Änderungen wie zum System mit zwei Flügelstürmern und einem Mittelstürmer.
Nachdem der SVS in Baden lange im sportlichen Schatten des KSC stand, hat sich das Blatt gewendet. Mitten in der Pandemie konnten die Karlsruher im Mai die Insolvenz noch abwenden und durch das „Bündnis KSC“ die Schulden um 20 Mio. Euro auf immer noch 10 Mio. Euro abbauen. Für Neuzugänge blieb somit nicht viel übrig, und so wurden als prominenteste Neuzugänge der junge Außenstürmer Benjamin Goller von Werder Bremen sowie Philip Heise von Norwich City ausgeliehen.
Coach Christian Eichner, der im Februar die Nachfolge von Ex-SVS-Trainer Alois Schwartz antrat, schaffte mit seinem Team am letzten Spieltag der vergangenen Saison den Klassenerhalt, doch er ist sich bewusst, dass es weiterhin an Torgefahr mangelt und zu viel von der Treffsicherheit Hofmanns abhängt. Für ihn liegen die Probleme im zentralen Bereich in Richtung Offensive. Lukas Fröde arbeitet als Abräumer im Dreier-Mittelfeld gut, und auch das Defensivverhalten der beiden Achter Marvin Wanitzek und Jerome Gondorf stimmt, doch die Offensive wird noch zu wenig eingesetzt.
Gegen Sandhausen droht jetzt auch noch der beste Vorbereiter der letzten Saison, Wanitzek, wegen Sprunggelenksproblemen auszufallen. Etwas Selbstvertrauen fürs Derby holten sich die Karlsruher beim 4:2-Testspielsieg in der Länderspielpause gegen Bundesligist FSV Mainz 05. Was dieser letztendlich wert ist, wird sich am Samstag zeigen.
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