SC Freiburg vs.SV Sandhausen 2015 - Nr. 8 Andrew Wooten SVS. Bild: AS Sportfotos

SC Freiburg vs.SV Sandhausen 2015 - Nr. 8 Andrew Wooten SVS. Bild: AS Sportfotos

Hinrunden-Fazit beim Zweitligisten SV Sandhausen – Aus wenig wird Großes geleistet ++ Sogar ein Bundesligaaufstieg machbar?

Archiv 2. Bundesliga (Fußball) | erstellt am Di. 08.12.2015

Wird vor Rundenbeginn nach den Abstiegskandidaten in der zweiten Liga gefragt, taucht in der Regel auch immer der SV Sandhausen mit in der Verlosung auf.

Gründe dafür gibt es mehrere. In erster Linie aber der geringe Etat. Doch dieser Grund zieht mittlerweile eigentlich nun wirklich nicht mehr. Insbesondere nicht im Zusammenhang mit dem SV Sandhausen. Denn wenn man rings um den Hardtwald eines bewiesen hat, dann dass man dort mit Geld umgehen kann. Aus wenig wird dort Großes geleistet. Manager Otmar Schork und Trainer Alois Schwartz bilden ein kongeniales Tandem.

In der Spielzeit 2015/2016 durften die Sandhausener bislang besonders häufig jubeln. AS Sportfotos.

Ohne die drei Punktabzüge wäre man auf einem Relegationsplatz zur 1. Bundesliga

So genial, dass die Mannschaft in dieser Saison bislang neue Maßstäbe setzt, denn was dem SVS in den ersten 17 Spielen gelang, ist die beste Zweitliga-Vorrunde in der Geschichte der Kurpfälzer. Satte 26 Punkte holte die Schwartz-Elf. Damit wurden sämtliche Erwartungen übertroffen. Unter dem Strich steht nach der Vorrunde der fünfte Platz, was jedoch nur die halbe Wahrheit ist.

Schließlich haben die Sandhäuser eigentlich bereits 29 Zähler auf dem Konto — drei wurden ihnen bekanntlich abgezogen, wegen eines Verstoßes gegen die Lizenzierungsauflagen in der Vorsaison. Ohne diese Strafe wäre es aktuell demnach sogar Platz drei, der Relegationsplatz. Beeindruckend!

SC Freiburg vs.SV Sandhausen 2015 – Nr. 11 Moritz Kuhn (SVS) nimmt Fahrt auf. AS Sportfotos.

Egal, auch Platz fünf ist eine Wucht. Auffällig dabei: Aus den Maurermeistern von einst wurden Offensivkünstler. In der Hinrunde schoss Sandhausen 27 Tore, damit zählt man zu den Top Vier im Unterhaus. Satte sechs „Kisten“ davon schenkte man dem SC Paderborn ein. Der Bundesliga-Absteiger wurde im heimischen Stadion mit 0:6 abgewatscht, was der höchste Saisonsieg bis dato war.

Auffällig ist auch, dass es beim SVS nicht den einen Überknipser gibt

Dort können es viele. Bouhaddouz führt die interne Torjägerliste mit sieben Toren an, Wooten, der in dieser Saison auch den Sprung in die amerikanische Nationalmannschaft geschafft hat, folgt dahinter mit fünf Toren. Jovanovic brachte es auf drei Treffer. Und wie schießt der SVS seine Tore? Machen sie es wie die Tiki-Taka-Bayern und lösen es spielerisch? Nein, anders, ganz anders: Der Ball wird in der Regel erobert und dann geht es pfeilschnell nach vorne. So zügig, dass die Gegner oft nur staunend hinterher schauen können.

SV Sandhausen vs.TSV 1860 München 2015 Nr. 26 Ranisav Jovanovic erzielt das 1-0 gegen TW Vitus Eicher 1860. AS Sportfotos.

Doch auch ganz hinten drin steht einer, der für den Erfolg mindestens genauso wichtig ist: Marco Knaller, der Österreicher mit den großen Reflexen. Vor der Saison trauten es dem Torhüter viele nicht zu in die riesigen Fußstapfen von Manuel Riemann zu treten. Riemann kehrte dem SVS nach zwei Jahren den Rücken und wechselte zum Zweitliga-Konkurrent nach Bochum. In Sandhausen hatte man ihn jedenfalls schnell vergessen.

Knallers Knalleffekte ließen nämlich nicht lange auf sich warten. Es gibt aktuell wohl nur wenige Torsteher in der zweiten Liga, die auf einem ähnlich guten Level spielen. Seine Konstanz ist enorm.

Zuschauerinteresse könnte besser sein

Aber bei all dem Jubel über die glorreiche Elf vom Hardtwald, eines kann man nicht schön reden: das Zuschauerinteresse. Denn trotz der tollen Leistungen ist im Hardtwaldstadion kaum was los. Der Schnitt liegt bei 6413 Zuschauern. Der Rekord von 10515 Anhängern wurde im Derby gegen den Karlsruher SC erreicht. Zufrieden stellen kann das niemanden.

Häufig hieß es in der Vergangenheit, dass Bundesligist Hoffenheim für den mauen Zuspruch verantwortlich wäre. Also, dass die Fans eben lieber Erstliga-Fußball sehen, als die Spiele in der zweiten Liga. Doch dieses Argument zieht nicht wirklich, was der SV Waldhof Mannheim beweist. Er bringt es in der Regionalliga nämlich auf einen ähnlichen Schnitt wie der SV Sandhausen – und das gegen weitaus unattraktivere Gegner.

Trainer Alois Schwartz verlängerte bis 2018 beim SV Sandhausen 2015 v.l. Jürgen Machmeier-Alois Schwartz-Otmar Schork. AS Sportfotos.

Zu klären wäre noch, was in der Rückrunde vom SVS zu erwarten ist

Die beginnt übrigens bereits vor Weihnachten. Am Freitag geht es gegen Braunschweig und eine Woche später noch zu Union Berlin. Gelingt Sandhausen am Ende vielleicht sogar der ganz große Wurf? Der Aufstieg in die Beletage? Möglich ist es. Rein rechnerisch zumindest. Aber trotzdem eher unwahrscheinlich. Denn zuletzt tat man sich doch zunehmend schwer. Die Konkurrenz stellt sich nach und nach auf die veränderte Spielweise ein und tut dem SVS auch nicht mehr den Gefallen ihn zu unterschätzen.

Wichtig ist vor allem eins: Alois Schwartz muss bleiben. Bis 2018 hat er kürzlich verlängert, doch was sind Verträge heutzutage noch wert, im Zeitalter der Ausstiegsklauseln nicht viel. Und so ist zu hören, dass Schwartz mal wieder wo anders gehandelt wird. Diesmal beim VfB Stuttgart. Und das könnte theoretisch passen, denn Stuttgart ist nicht aus der Welt. Und Schwartz will hier in der Ecke bleiben. Die Familie fühlt sich in Mannheim pudelwohl.

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