TSG-Coach Julian Nagelsmann bläst so langsam der Wind ins Gesicht. Der Shooting-Star unter den Trainern erlebt gerade mit seinem Team einen Negativlauf. Foto: Siegfried Lörz
Zwei böse Schlappen innerhalb drei Tagen ++ Hoffenheim kassiert in Hamburg verdiente 0:3-Pleite
TSG Hoffenheim | erstellt am Mo. 27.11.2017
Mit 0:3 kassieren die Kraichgauer beim abstiegsbedrohten Hamburger SV eine vernichtende Auswärtspleite.
Erneut sollte sich eine Schlüsselszene zu einem sehr frühen Zeitpunkt rächen. Während das Team von Trainer Nagelsmann in Braga bereits nach 45 Sekunden in Rückstand geriet, versäumte es in Hamburg nach zwei Spielminuten durch eine 100-prozentige Torchance selbst in Führung zu gehen. Gnabry vergibt eine Zuber-Vorlage leichtfertig aus sieben Metern frei vor dem HSV-Tor. Dies rächte sich umgehend.
Nur vier Minuten später geht der HSV mit seiner ersten Tormöglichkeit durch ein Eigentor in Führung
Eine scharfe Hereingabe von Arp lenkt Akpoguma unglücklich aus kurzer Distanz unhaltbar für Torhüter Baumann ins eigene Netz. Dies war gleichzeitig das 1.000 Eigentor der Bundesligageschichte.
Dem HSV spielt dies voll in die Karten, während völlig verunsicherte Hoffenheimer große Mühen haben, den Ball in den eigenen Reihen zu halten und ein vernünftiges Passspiel aufzuziehen. Die kämpferisch überlegenen und willensstarken Hanseaten machen schon sehr früh geschickt die Räume eng und zwingen den Gegner immer wieder mit langen, hohen Bällen zu agieren.
Gegen das frühe Pressing finden die Gäste kein geeignetes Mittel und verlieren folglich schon sehr früh den Ball im Aufbauspiel. Das Offensivspiel der TSG ist trotz eines Wagner, Uth und Gnabry wie ein laues Lüftchen im stürmischen Norden. Erst in den letzten fünf Minuten vor der Pause können sie sich etwas befreien und ansatzweise Tormöglichkeiten erspielen.
Nach der Pause sind es erneut die Norddeutschen, die den besseren Start erwischen. Der aufgerückte Wood scheitert mit einem Flachschuss am linken Pfosten (49.). Hoffenheim hat weiter Mühe ins Spiel zu kommen, nur selten gelingt es den Ball über vier bis fünf Stationen laufen zu lassen. Die individuelle Klasse ist gegenüber den ersten Saisonspielen völlig abhandengekommen – Verunsicherung macht sich breit. Nachdem Wood völlig freistehend vor dem TSG-Gehäuse vergibt (63.) reagiert Nagelsmann und bringt mit Szalai und Kramaric für Demirbay und Steven Zuber neue Offensivkräfte.
Mit einem offensiveren 4-3-3 System solle der Ausgleich erzwungen werden
Doch die besseren Möglichkeiten haben nach wie vor die Gastgeber. In der 69. Minute pariert Baumann einen Distanzschuss von Arp reflexartig. Zwei Minuten später kommt Schulz auf der anderen Seite frei zum Schuss, doch jetzt ist HSV-Keeper Mathenia zur Stelle.
Ein folgenschwerer Fehler führt zur Vorentscheidung in der 75. Minute. Nach einem Hamburger Spielerwechsel befinden sich die Kraichgauer im kollektiven Tiefschlaf. Dies nützt Kostic gnadenlos aus, indem er einen Freistoß aus 35 Meter durch die noch nicht positionierte Abwehrmauer zum 2:0 ins Tor hämmert. Baumann sieht dabei sehr schlecht aus, indem ihm der Ball im Fallen unter der linken Hand hindurchrutscht.
Schläfrigkeit und Konzentrationsschwächen werden von den hellwachen Hamburgern gnadenlos ausgenutzt. Die endgültige Entscheidung in der 88. Minute. Erst scheitert der eingewechselte ehemalige Hoffenheimer Schipplock mit einem Kopfball an der Querlatte, und Sekunden später vollendet Jung mit seinem ersten Bundesligator unmittelbar vom Elfmeterpunkt zum 3:0.
Wer glaubte, dass das Spiel in Braga der sportliche Negativpunkt war, musste sich im Volksparkstadion nun eines Schlimmeren belehren lassen. Es schien, als ob die TSG die schwache Form aus Portugal mit in die Hansestadt übertragen hat. Unterm Strich war es eine, auch in dieser Höhe, verdiente Niederlage. HSV-Coach Gisdol triumphiert erneut, und dieses Mal eindeutig, über seinen früheren jungen Co-Trainer Nagelsmann. In drei Spielen gegen Nagelsmann holte der HSV-Trainer sieben Punkte.
Die Baustellen tun sich in allen Mannschaftsteilen auf
Die Fehlerquoten sind auffällig hoch, das Selbstvertrauen ist gewaltig angeknackst. Die Gegner bekommen es dadurch sehr leicht gemacht und nutzen dies gnadenlos aus. Die Mehrfachbelastung durch die internationalen Spiele hat das Team an ihre körperlichen Grenzen stoßen lassen. Die nächste schwierige Aufgabe wartet bereits am Samstag, wenn Rangnicks RB Leipzig in Sinsheim gastiert.
Zu alledem fehlt gegen den Tabellenzweiten mit Vogt Hoffenheims Abwehrchef, der aufgrund seiner 5. Gelbe Karte gesperrt ist. Nach zuletzt nur einem Sieg aus sieben Spielen sind die Nordbadener nun aus den internationalen Rängen auf Platz 7 gerutscht. Während sich der Abstand nach oben deutlich vergrößert, hat er sich nach hinten spürbar verringert. Nach Leipzig heißen die Gegner in den restlichen Hinrunden-Partien Hannover, Stuttgart und Dortmund.
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