Uwe Neuhaus, Trainer Arminia Bielefeld. Bild: Marc Schüler Sportpics
Kellerduell zwischen Bielefeld und Hoffenheim
TSG Hoffenheim | erstellt am Fr. 15.01.2021
… der nächsten Bundesligapartie am Samstag (15.30 Uhr) gegen Arminia Bielefeld womöglich zwei sehr unterschiedliche Wahrnehmungen zum Vorschein. Da ist zum einen der Blick in die Vergangenheit: Das Duell TSG gegen Arminia gab es bislang nur in der ersten Hoffenheimer Bundesligasaison 2008/09. Einem 3:0-Heimerfolg in Mannheim folgte ein 2:0-Auswärtssieg auf der Bielefelder Alm.
Die Blau-Weißen machten damals unter Trainer Ralf Rangnick mit ihrem herzerfrischenden Offensivfußball bundesweit Schlagzeilen. Jetzt im tristen Corona-Winter steht dieses erneute Aufeinandertreffen ganz im Zeichen des Abstiegskampfes: Der Tabellenvierzehnte empfängt bei zwei Punkten Vorsprung den Fünfzehnten. Nach dem 0:4-Debakel beim FC Schalke 04 droht den Kraichgauern bei einer weiteren Niederlage der harte Abstiegskampf. Der Abstand zur ersten Tabellenhälfte ist bei acht Zählern bereits beachtlich.
Die Hoffenheimer müssen jetzt liefen, nur bei einem Erfolg über den Bundesligaaufsteiger aus Ostwestfalen kehrt wieder (vorübergehend) etwas Ruhe ein. Besonders im Fokus stand zuletzt Trainer Sebastian Hoeneß. Bei den Fans hat er derzeit kein großes Standing. In den unterschiedlichen Fanforen und Gruppen kommt der gebürtige Münchner nicht sonderlich gut weg. Anstatt des erhofften Offensivfußballs gab es für den Europa League-Teilnehmer erst vier Saisonsiege zu verzeichnen.
Dass dabei auch das außergewöhnlich hohe Verletzungspech sowie überdurchschnittlich viele Coronaerkrankungen mit verantwortlich sind, wird zwar zur Kenntnis genommen, aber dass trotz des breit ausgestellten, ausgeglichenen und eingespielten Spielerkaders keine sportliche Weiterentwicklung erkennbar ist, wird stark kritisiert. Hoeneß hat es (noch) nicht geschafft, die dauerhaften Probleme wie konstante Leistungen in beiden Halbzeiten, mangelhafte Chancenverwertung und Gegentore nach Ballverlusten abzuschaffen.
Auch was Einsatz, Kampf und Laufbereitschaft betrifft, ist noch viel Luft nach oben. Von den Verantwortlichen hat der 38-Jährige in der aktuell prekären Situation Rückendeckung erhalten. Doch auch dieses Vertrauen ist zeitlich begrenzt. Hoeneß und seine Profis müssen jetzt liefern, in den drei bevorstehenden wichtigen Kellerduellen gegen Bielefeld, nächsten Dienstag gegen Hertha BSC Berlin und am Sonntag (24.1.) gegen Köln den Kopf aus der Schlinge ziehen und sich aus dem Abstiegssumpf befreien.
Um Bielefeld, das zuletzt mit einem 1:0-Erfolg gegen die Berliner Hertha die Abstiegsränge verließ, Paroli zu bieten, ist eine deutlich höhere Laufbereitschaft vonnöten. Während die Arminen das laufstärkste Bundesligateam stellen, rangieren die Nordbadener hier an vorletzter Stelle. Als einziges Bundesligateam blieb die TSG noch nie ohne Gegentreffer und kassierte mit 30 Gegentoren die Zweitmeisten der laufenden Saison. Bezeichnend die Aussage von Hoeneß nach dem letzten Spiel: „Wir haben verteidigt, wie man nicht verteidigen darf.“
Bielefeld konnte bisher vor allem gegen die direkten Konkurrenten seine vier Saisonsiege einfahren. Big-Points landete das Team von Trainer Uwe Neuhaus gegen Hertha BSC, Schalke 04, Mainz 05 und den 1. FC Köln. Dabei ging es meist knapp zur Sache: Sechs der 15 Saisonspiele endeten 1:0 (drei Siege, drei Niederlagen). Bemerkenswert ist zudem, dass drei der letzten sechs Partien gewonnen wurden. Zum Vergleich: Die TSG hat vier der letzten fünf Bundesliga-Spiele verloren und ist in 2021 in drei Pflichtspielen noch sieglos.
Was die Trefferquote anbelangt, rangieren die Gäste mit erst zehn Treffern an letzter Stelle. Zum Vergleich hat die TSG mit 22 Torerfolgen mehr als das Doppelte aufzuweisen. Trainer Neuhaus schöpft aus dem letzten Erfolg viel Positives: „Ich glaube schon, dass der Sieg uns Mut und Perspektiven gibt. Wir haben jetzt eine gute Ausgangsposition, sind aber noch lange nicht über den Berg und werden immer wieder ans Limit gehen müssen, um drei Punkte zu holen.“
Ans Limit gehen, diese Devise gilt auch für die Hoffenheimer, denn ohne deutliche Leistungssteigerung, vor allem über die gesamte Spielzeit, wird es nicht aufwärtsgehen. Allen Beteiligten sollte dies bewusst sein, und es gilt jetzt vor allem, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Personell haben die Hoffenheimer weiterhin einige Verletzungssorgen zu beklagen. Zudem fehlt Mittelfeldspieler Christoph Baumgartner aufgrund einer Gelbsperre.
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