Kenan Karaman (Türkei) erzielt das Tor zum 3:3 Ausgleich gegen Torwart Bernd Leno und Robin Koch (Deutschland) Bild: Marc Schüler

Kenan Karaman (Türkei) erzielt das Tor zum 3:3 Ausgleich gegen Torwart Bernd Leno und Robin Koch (Deutschland) Bild: Marc Schüler

Ernüchterndes 3:3 ++ Deutschland kassiert gegen die Türkei späten Ausgleich

Fussball | erstellt am Do. 08.10.2020

Auch wenn Freundschaftsspiele sicher nicht einen großen Stellenwert bei Bundestrainer Jogi Löw besitzen, fühlt sich das Ergebnis dennoch wie eine Niederlage an. Denn wie schon in den Spielen der Nations League ging Deutschland auch gegen die Türkei in Führung, schaffte es aber wieder nicht diese über die Zeit zu bringen.

„Deutschland ist jetzt insgesamt fünfmal in Führung gegangen und hat diese zum fünften Mal verspielt“, schimpfte DFB-Ehrenspielführer Lothar Matthäus öffentlich und sprach damit das aus, was viele Fans denken. Zwar war die DFB-Elf ohne die Akteure von Bayern München, RB Leipzig, sowie Timo Werner und Toni Kroos angetreten, doch nutzten die aufgebotenen Spieler ihre Chance sich zu präsentieren kaum.

Vollkommen deplatziert wirkten die beiden Dortmunder Nico Schulz und Julian Brandt, die gefühlt den Ball mehr dem Gegner als dem Mitspieler zuspielten. „Not-Kapitän“ Julian Draxler machte zwar eine ordentliche Partie und schoss ein Tor, schaffte es aber nicht seine Mitspieler regelmäßig anzutreiben und mitzureißen.

„Der Mannschaft einen Vorwurf zu machen ist schwierig, denn sie hat so noch nie zusammengespielt“, sagte der Bundestrainer im Anschluss an die Partie, ärgerte sich aber sichtlich über die erneut verspielte Führung und kündigte an dies intern thematisieren zu wollen.

Bild: Marc Schüler

Deutlich sichtbar war in Köln das Führungsvakuum in der Mannschaft, das seit der Weltmeisterschaft 2018 ein immer wiederkehrendes Problem ist. Spieler wie Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng – nach der WM von Bundestrainer Joachim Löw aussortiert – mögen zwar beim gewünschten Neuaufbau mit jungen Talenten hinderlich gewesen sein, schafften es aber immer wieder, die Mitspieler mitzureißen und zu einem Team zu formen.

Sie sparten – wenn angebracht – auch nicht mit Kritik, was leider selten geworden ist seitdem. Mit Toni Kroos hat das Team zwar eine Persönlichkeit, die großen Respekt in der Mannschaft genießt, doch ist der eher introvertierte Kroos kein echter Leader.

Diese Rolle könnte eher Manuel Neuer und Joshua Kimmich zufallen, die in Köln jedoch beide genau wie Kroos nur zuschauen durften und für die Spiele der UEFA Nations League in der Ukraine (10.) und gegen die Schweiz (13.) geschont wurden. Dass die jungen Spieler wie die Debütanten Florian Neuhaus, Jonas Hofmann und Mahmoud Dahoud noch keine Verantwortung übernehmen, ist verständlich.

Und auch Luca Waldschmidt, Robin Koch, Bernd Leno, Kai Havertz, Benjamin Henrichs und Robin Goosens können ihre Einsätze in der Löw-Elf noch mit beiden Händen abzählen. Doch müsste dann von gestandenen Nationalspielern wie Antonio Rüdiger, Julian Draxler, Emre Can oder Julian Brandt mehr kommen als sie am Mittwochabend in der Rolle des Veteranen zeigten.

Ein gutes Debüt feierte Florian Neuhaus (Borussia Mönchengladbach), der im Mittelfeld einer der Aktivposten des Teams war. Er krönte seine Leistung mit seinem ersten Länderspieltor zum 2:1. Ein Rempler gegen ihn, den der überfordert wirkende Schiedsrichter Benoit Bastien (Frankreich) nicht ahndete führte zum zwischenzeitlichen 2:2 durch Karaca.

Als in der 81. Minute Luca Waldschmidt zum 3:2 traf, hofften die 300 Fans auf der Tribüne des Kölner RheinEnergie Stadions auf den ersten deutschen Sieg im Jahr 2020. Doch ausgerechnet der Düsseldorfer Kenan Karaman traf in der vierten Minute der Nachspielzeit und sorgte so für das ernüchternde 3:3 Unentschieden, das von den vier türkischen Fans im Stadion lautstark gefeiert wurde.

 

 

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