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Der SPORTKURIER im Gespräch mit Shkodran Mustafi von Sampdoria Genua
Fussball | erstellt am Do. 29.05.2014
Aber auch für Mustafi selbst war die Überraschung über die Nominierung zum Spiel gegen Chile und wiederum für das Spiel gegen Polen und den 30er WM-Kader groß. So will der gebürtige Bad Hersfelder nun alles dafür tun, um sich gut zu präsentieren und noch auf den WM-Zug aufzuspringen, vergisst aber dabei nicht seine hessische Heimat.
Wie hast Du Dich hier bei der Nationalmannschaft hier im Trainingslager eingelebt?
Shkodran Mustafi: Mittlerweile habe ich mich gut eingelebt. Als Neuling da muss man erst einmal die ganzen Abläufe hier kennenlernen und die Mitspieler natürlich auch. Es geht mir jetzt sehr gut hier. Wir haben in den vergangenen Tagen viel gemacht, natürlich ist man da körperlich ein wenig erschöpfter als am Anfang. Insgesamt ist aber alles prima.
Wie sehr überrascht warst Du für das Trainingslager nominiert zu werden?
Shkodran Mustafi: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich schon sehr überrascht war bei dem ersten Länderspiel in Chile überhaupt dabei sein zu dürfen. Das habe ich damals schon gesagt, aber jetzt hier im Trainingslager und 30er Kader zu stehen, das überrascht mich noch mehr. Nach dem Länderspiel gegen Chile haben mich viele gefragt ‚Und meinst Du, dass Du eventuell ins Trainingslager reisen wirst?‘ Ich habe mir darüber aber noch nicht viele Gedanken gemacht. Ich hatte nicht erwartet im 30er-Kader dabei zu sein und schon gar nicht im 27er-Kader, den wir jetzt hier haben.
Du galtst ja auch als der Überraschungskandidat, der plötzlich von Bundestrainer Joachim Löw aus dem Hut gezogen wurde. Wie geht man damit um?
Shkodran Mustafi: Es wird da immer sehr viel geschrieben, aber man muss nicht alles lesen. Ich habe versucht mich da ein wenig abzuschirmen, mein Vater und Berater haben das auch getan. So konnte ich mich dann voll auf meine Aufgaben konzentrieren. Das ist natürlich nicht immer ganz einfach, man sieht und hört automatisch vieles über seine Person. Ich versuche da so professionell wie möglich damit umzugehen.
Dein Weg ist ja irgendwo ungewöhnlich. Viele A-Nationalspieler und U21-Nationalspieler zeigen sich regelmäßig in Deutschland, Du bist über Bebra, Hamburg und Everton nach Genua gegangen, wo Du jetzt spielst. War der Anruf von Bundestrainer Joachim Löw deswegen schon so sehr überraschen für Dich?
Shkodran Mustafi: Ich denke nicht, dass der DFB die Spieler im Ausland vernachlässigt. In Italien sind wir mittlerweile ein paar mit Miroslav Klose, Mario Gomez und mir selber, dann sind Lukas Podolski, Per Mertesacker, Mesut Özil und Andre Schürrle in England und Sami Khedira in Spanien. Ich denke nicht, dass man da vernachlässigt wird, wenn man nicht in Deutschland spielt, auch wenn es für den DFB natürlich schwieriger ist die Spiele dieser Spieler zu verfolgen als es in der Bundesliga der Fall ist. Ich habe mich sehr gefreut, dass auf mich geguckt wurde als einen Spieler, der im Ausland spielt, den man aber noch nicht kannte. Die anderen haben ja vorher schon einmal in der Bundesliga gespielt, ich selber aber noch nicht, daher habe ich mich sehr gefreut
Ist die Bundesliga für Dich eine Option?
Shkodran Mustafi: Wenn man sich die Entwicklung der Bundesliga anguckt, dann ist diese Liga eine der Top-Ligen überhaupt, von daher ist es natürlich eine Option. Aber ich habe noch zwei Jahre Vertrag in Genua und muss jetzt erstmal zusehen, dass ich meine Aufgaben in Italien erledige, dann mache ich mir Gedanken um meine Zukunft.
Gerüchten zufolge wurde Dein Name mit Eintracht Frankfurt in Verbindung gebracht. Ist da etwas dran gewesen und hattest Du Kontakt zu den Verantwortlichen?
Shkodran Mustafi: Nein, das war denke ich ein Missverständnis. Man hatte mich gefragt, ob Frankfurt eine Option für mich wäre. Ich habe gesagt, dass Eintracht Frankfurt für mich der nächste Verein zu meinem Zuhause ist und dass es natürlich schön wäre näher an meiner Heimatstadt Bebra zu spielen. Aber ich mache meine Entscheidungen jetzt nicht davon abhängig. Wer meinen Werdegang verfolgt hat, der weiß, dass ich auch immer sehr weit weg von Zuhause war, um mir meinen Traum zu erfüllen.
Wie oft bist Du denn noch in Hessen?
Shkodran Mustafi: Ich bin regelmäßig dort, es ist ja mein Zuhause, da wohnen meine Eltern und viele Freunde. Wann immer ich ein paar Tage frei bekomme, versuche ich nach Hause zu fahren, um meine Familie wiederzusehen. Für mich ist der Kontakt nach Hause das Wichtigste überhaupt. Ich bin ein absoluter Familienmensch, das hält mich auch ein Stück weit auf dem Boden immer wieder zu Hause vorbeizuschauen, daher ist mir das auch sehr wichtig.
Was sagen denn Deine Familie und Deine Freunde dazu, dass Du jetzt hier bist?
Shkodran Mustafi: Bei ein paar Freunden habe ich schon den Eindruck, dass jetzt ein wenig Berührungsangst da ist. Die wissen wohl nicht ‚Ist das noch der alte Shkodran? Oder ist er jetzt einer von den Stars, die man nicht ansprechen kann?‘ Aber meine Familie ist sehr stolz darüber, dass ich hier jetzt dabei sein kann. Für die kam es noch überraschender als für mich selber und mit dem einen oder anderen Freund habe ich auch schon gesprochen. Die finden es natürlich geil. Vor ein paar Jahren haben wir noch zusammen beim Public Viewing die WM-Spiele angeguckt, jetzt habe ich die Chance selber dort dabei zu sein. Von daher ist das natürlich eine große Sache, auch für mein Umfeld.
Wie hoch siehst Du denn Deine Chancen, dass Du den Sprung in den finalen 23er-Kader schaffst?
Shkodran Mustafi: Ich war bisher eigentlich schon immer ganz erfolgreich mir nichts auszurechnen und ich werde mir auch jetzt nichts ausrechnen. Ich versuche einfach mein Bestes zu geben und das umzusetzen, was der Bundestrainer von uns verlangt. Und natürlich versuche ich ihn mit meinen Leistungen zu überzeugen und dann schaun wir mal.
Was ist das Erste, was Du machen wirst, sollte Dein Name doch auf der 23er Liste stehen?
Shkodran Mustafi: Ich glaube das Erste wird sein den Moment zu genießen. Am besten mit meinen Eltern zusammen, wenn ich mich in den Garten setze und einfach die hessische Luft atmen. Es einfach genießen, dass ich das erleben darf. Für einen jungen Spieler ist es etwas Besonderes. Jeder Fußballer, auch die kleinen Kinder träumen davon irgendwann einmal eine Weltmeisterschaft zu spielen, von daher ist das Erste, was ich mache, mich mit meinen Eltern zusammenzusetzen und zu genießen, was wir erleben dürfen. Hessen ist meine Heimat und daher freue ich mich jedes mal, wenn ich zu Hause bin.
Unser Journalist vor Ort im Trainingslager in Südtirol ist Marc Schüler.
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