Olaf Janßen (Cheftrainer, SVS). Bild: IMAGO/foto2press

Olaf Janßen (Cheftrainer, SVS). Bild: IMAGO/foto2press

Warum sich Sandhausens Olaf Janßen schämt Cheftrainer dieser Mannschaft zu sein

Regionalliga | erstellt am Di. 10.03.2026

sport-kurier. Dass ein Trainer wie Olaf Janßen, der im Profi-Fußball auch als Spieler schon einiges erlebt hat, nach einem am Ende sogar noch glücklichen 1:1-Remis gegen das Schlusslicht der Regionalliga Südwest, den Bahlinger SC, nicht einfach zur Tagesordnung übergeht, war klar. Insbesondere dann nicht, wenn man den bisherigen Saisonverlauf des SV Sandhausen mit einbezieht. Als Absteiger aus der 3.Liga hat man den direkten Wiederaufstieg zwar nie als klares Ziel ausgegeben, aber hinter vorgehaltener Hand rechnete man sich definitiv Chancen aus und wollte nach der Winterpause auch nochmals oben angreifen.

3 Spiele später ist Ernüchterung eingekehrt. Einem 1:2 gegen den Nachbarn FC-Astoria Walldorf, folgte ein 2:2 beim SC Freiburg II und nun dieses 1:1 gegen Bahlingen, dass man durchaus als Blamage bezeichnen kann.

Janßen, um nochmals auf den Anfang dieses Artikels zurückzukommen, platzte jedenfalls der Kragen. Auf der anschließenden Pressekonferenz, die im Internet bei Youtube nachgehört werden kann, sagte er knallharte Sätze: „Ich schäme mich Cheftrainer dieser Mannschaft zu sein, die heute auf dem Platz stand. Ich finde, dass uns Bahlingen fast über 90 Minuten kämpferisch überlegen war.“ Und weiter: „In der ersten Halbzeit hat man uns in fast jedem Zweikampf abgekocht. Wir hatten gefühlt keinen Schuss aufs Tor. Das war unterirdisch.“

Und Janßen legte immer weiter nach. Jemand, der am Samstag das erste Mal ein Spiel des SVS gesehen habe, müsse ja „denken, dass ich 8 Monate im Urlaub war und diese Mannschaft nicht trainiert habe“. Hinterher im Mannschaftskreis sprach Janßen dann nach eigener Aussage auch Klartext. „Mit dem kann ich mich nicht identifizieren. Ich entschuldige mich bei allen Fans. Wir hatten uns vorher eingeschworen, dass dann so wenig dabei herauskam, ist verrückt. Mich lässt das mit ganz dicken Fragezeichen zurück.“ Er hoffe, dass sich diese Fragezeichen bis Sonntagmorgen, wenn alle wieder zusammenkommen, auflösen: „Aber das wird schwer.“

Alles in allem war es eine Pressekonferenz, die einen vernichtenden Charakter hatte. Janßen, der von Viktoria Köln aus der 3.Liga nach Sandhausen gekommen ist, um die Hardtwälder wieder zurück in den Profifußball zu führen, wirkte schwer angeschlagen. Auf Außenstehende fast schon wie jemand, der mit seiner Aufgabe bei den Schwarz-Weißen abgeschlossen hat. Denn von der Anfangseuphorie, die Präsident Jürgen Machmeier ausgelöst hatte, als er ihn als Trainer präsentierte, ist nichts mehr übrig.

Und alles auf die Spieler abzuwälzen, die nun nicht funktionieren, ist für Janßen nicht möglich. Er hat die Truppe federführend zusammengestellt. Und auch wenn das Ziel in dieser Saison wirklich nicht der Aufstieg war, ist logisch, dass man im nächsten Jahr voll angreifen will. Mit einer Mannschaft, die sich in der aktuellen Saison finden sollte und nur noch auf ein paar Positionen punktuell ergänzt werden sollte. Offenbar reicht das aber nicht aus, vielmehr muss wohl erneut ein kompletter Neuanfang her. Der Rückstand auf Spitzenreiter Freiberg beträgt momentan gigantische 18 Punkte. Und am Ende steigt nur einer auf. Bei solch einem Rückstand muss man die Qualität der Mannschaft in Frage stellen. Am Geld soll es nicht liegen, finanziell soll der SVS ganz oben in der Regionalliga mitmischen.

Mittlerweile wirkt es fast so, als würde ein Fluch über den Hardtwald hängen. Denn der Absturz der Sandhäuser ist fast schon filmreif und würde ein gutes Drehbuch für ein Fußballdrama hergeben. Egal, wie die Trainer zuletzt auch hießen und egal, welche Spieler man auch unter Vertrag hatte, es ging nur in eine Richtung, nämlich bergab.

Leichter wird der Aufstieg auch im nächsten Jahr nicht, denn es sieht schwer danach aus, dass mit dem SSV Ulm ein weiteres Schwergewicht runterkommt.

Doch das liegt alles noch sehr weit in der Zukunft. Momentan ist eher die Frage, wie lange es noch mit Janßen weitergeht. Auf der Pressekonferenz hatte man zwischendurch gar das Gefühl, dass er von sich aus hinschmeißt. Das wäre aber nicht seine Art. Doch auch die Vereinsführung könnte sich irgendwann einschalten.

Schon am Mittwoch (Anpfiff ist um 19 Uhr), wenn man den VfR Mannheim im Halbfinale des Badischen Pokals empfängt, ist verlieren quasi verboten. Der Sieg im Pokal wäre wichtig, weil man so sein Ticket für den DFB Pokal lösen könnte, was mit einem warmen Geldregen verbunden ist. Fallobst ist der VfR aber schon lange nicht mehr. Die Rasenspieler mischen in der Oberliga ganz vorne mit und haben sehr gute Chancen, nächste Runde ebenfalls in der Regionalliga zu spielen.

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