VfR Mannheim - VfR Aalen, Oberliga Baden-Württemberg, v.l. Mannheims Luca Stellwagen gegen Aalens Luigi Campagna 28.03.2026 / Foto: Berno Nix
Ein offener Schlagabtausch auf Topniveau ++ VfR mit 1:1(0:0) im Oberliga-Gipfeltreffen
Oberliga BW | erstellt am So. 29.03.2026
(mk) Bereits vor dem Anpfiff manifestierte sich vor dem Spitzenspiel zwischen dem VfR Mannheim und dem VfR Aalen eine ganz besondere Atmosphäre im Rhein-Neckar-Stadion. Auf der überdachten Tribüne waren kaum noch freie Plätze zu verzeichnen, während auf den ebenfalls gut gefüllten Stehrängen die Aalener Gästefans mit einer aufwendigen Choreografie für ein erstes optisches Highlight sorgten. Die Zuschauer spürten förmlich, dass dieses Duell keine einfache Oberligapartie werden würde. Zu viel stand auf dem Spiel.
Auf dem Feld offenbarte sich früh ein intensiver Schlagabtausch zweier Spitzenmannschaften mit Regionalligaperspektive. In den ersten Minuten prägten vor allem packende Zweikampfduelle die Partie. Aalen erfüllte in dieser Phase viele Kriterien eines mustergültigen Spitzenreiters. Sie gewannen nicht nur etliche Zweikämpfe im Mittelfeld, sondern schalteten nach Mannheimer Ballverlusten auch sehr schnell um. Die daraus resultierenden Kontergelegenheiten konnten die Blau-Weiß-Roten dank guten Rückzugsverhaltens jedoch meistens unterbinden.
Die erste Großchance der Gäste entstand nach einem Freistoß von der halbrechten Seite: Aalens Stürmer Niklas Antlitz bekam am langen Pfosten aus aussichtsreicher Position den Ball zu fassen, allerdings fehlte im Abschluss die Präzision (10.). Wenige Zeigerumdrehungen später verbuchte Jannik Marx den ersten nennenswerten Mannheimer Abschluss (12.). Dieser segelte über das Tor. „Man hat von der ersten Minute an gemerkt, weshalb Aalen ganz oben steht. Das ist einfach eine Topmannschaft“, lobte Mannheims Cheftrainer Marcel Abele den Auftritt des Kontrahenten.

Sein Team hatte sich jedoch einen klaren Matchplan zurechtgelegt, um diesen anspruchsvollen Gegner zu knacken. Die ebenfalls stark agierenden Quadratestädter ließen Aalen im Spielaufbau zunächst gewähren und fokussierten sich auf Umschaltmomente. „Wir haben schon einige von diesen gehabt“, merkte Abele an. „Leider kam der letzte Pass nicht immer an.“ Mit fortschreitender Zeit stieg das Selbstvertrauen bei seiner Mannschaft. Nach einer guten halben Stunde hätten die Blau-Weiß-Roten in Führung gehen können: Der im Rückraum positionierte Teamkapitän Alexander Esswein bekam von Alexandru Paraschiv den Ball serviert. Esswein ging volles Risiko und zog volley auf das Tor ab. Da ihm der Abschluss auf dem glitschigen Untergrund jedoch über den Spann rutschte, landete der Ball neben dem Gehäuse der Gäste (35.). Wenige Minuten später scheiterte Pasqual Pander aus Nahdistanz an der kompakt stehenden Aalener Defensive (40.).
Kurz vor dem Pausenpfiff ging es nochmals etwas ruppiger zur Sache. Schiedsrichter Martin Wilke hatte alle Hände voll zu tun, um die Emotionen zu zügeln und die entstehende Rudelbildung aufzulösen. Einen unfairen oder gar grob unsportlichen Charakter nahm die Partie jedoch zu keinem Zeitpunkt an. Mit dem torlosen Remis bat Wilke schließlich zum Pausentee.
In der zweiten Halbzeit setzte sich der offene Schlagabtausch aus den ersten 45 Minuten nahtlos fort. Die Mannheimer Rasenspieler wirkten allerdings von Minute zu Minute selbstsicherer. Die Abele-Elf agierte nochmals griffiger im Zweikampfverhalten und eroberte sich nun auch mehr zweite Bälle. „In meinen Augen haben wir zu diesem Zeitpunkt die Kontrolle übernommen“, unterstrich Mannheims Cheftrainer. Aufgrund der äußerst stabilen Aalener Defensive blieben die ganz großen Torchancen jedoch weitestgehend aus. Ein verheißungsvoller Abschluss Paraschivs landete neben dem Kasten (61.). Auf der anderen Seite rettete Keeper David Nreca-Bisinger die Blau-Weiß-Roten vor einem möglichen Rückstand. Jascha Döringers Kopfball aus kurzer Distanz entschärfte Mannheims reaktionsschneller Schlussmann mit einer starken Parade (65.).
Die Partie neigte sich nun der entscheidenden Phase entgegen. Speziell um die 70. Minute wurde es turbulent. Zunächst ließ Paraschiv mit einem ansehnlichen Solo mehrere Gegenspieler stehen. Er tankte sich in den Strafraum und wurde regelwidrig zu Fall gebracht. Wilke zeigte sofort auf den Punkt und sprach den Mannheimern einen Elfmeter zu. Teamkapitän Esswein verwandelte den Strafstoß mit einem präzisen Abschluss in das linke untere Eck. Aalens Keeper Otto hatte zwar den richtigen Riecher, doch Essweins Schuss war zu wuchtig und akkurat (72.).
Die Freude der Quadratestädter währte jedoch nicht lange. Praktisch im direkten Gegenzug entschied Schiedsrichter Wilke erneut auf Elfmeter. Dieses Mal allerdings für Aalen. Analog zu Esswein vollendete Maksimovic mit einem wuchtigen und flachen Abschluss zum Ausgleich. Ähnlich wie Otto hatte auch Nreca-Bisinger klug antizipiert, doch der Maksimovic-Elfmeter war einfach zu präzise (74.). „Natürlich kassieren wir das Gegentor viel zu schnell“, monierte Abele. „Das hat die Jungs und mich total genervt.“

In den verbleibenden Minuten setzten beide Mannschaften nochmals einzelne Nadelstiche und hätten eine von zahlreichen Umschalt- und Gegenstoßmomenten geprägte Partie für sich entscheiden können. Gleichzeitig wollte weder der Tabellenzweite noch der Spitzenreiter in das offene Messer laufen und am Ende als Verlierer den Platz verlassen. Folgerichtig mussten sich beide Mannschaften nach Abpfiff mit einer Punkteteilung begnügen. „Alles in allem war das ein gerechtes Unentschieden“, resümierte Abele. „Man hat gesehen, dass die zwei besten Mannschaften der Oberliga aufeinandertrafen.“ Seiner Mannschaft sprach er ein Kompliment für die Leistung aus. Der rasche Ausgleich störte zwar nicht nur ihn, die Gesamtleistung der Quadratestädter lässt die Blau-Weiß-Roten jedoch zuversichtlich in die Zukunft blicken.
VfR Mannheim: Nreca-Bisinger – Akoto, Kuhn, Mißbach, Stellwagen (90. C. Becker) – Marx, Krüger, Esswein, Seifert (87. Thum) – Paraschiv (79. Tubluk), Pander
VfR Aalen: Otto – Hannam, Odabas, Geyer, Kahriman – Döringer, Campagna (67. L. Groß), Maksimovic, Melo (90.+2 Ohurtsov) – Kindsvater (85. Prodanovic), Antlitz (76. Wächter)
Tore: 1:0 Alexander Esswein (72., Foulelfmeter), 1:1 Sasa Maksimovic (74., Foulelfmeter)
Schiedsrichter: Martin Wilke (Assistenten: Luigi Satriano, Tim Walter)
Zuschauer: 1.530
Pressemitteilung VfR Mannheim
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