VfR Mannheim II - Trainer Wolfgang Stamm muss nach dem Abstieg ein neues Team formen Bild: Berno Nix
Sportkurier-Serie (4) – VfR II- Trainer Wolfgang Stamm: „Ich bin mir sicher, dass zwei Drittel der Vereine in Mannheim froh waren, dass gerade wir abgestiegen sind.“
Kreisligen | erstellt am Di. 30.06.2015
Die Spielzeit 2014/2015 war für die Rasenspieler wie verhext: Die erste Mannschaft stieg aus der Oberliga ab, und die zweite rutschte in der Kreisliga Mannheim unter den Strich.
„Das Team zeigte zu wenig Kampfbereitschaft“
Bei der Reserve, auch U23 genannt, war es ein ärgerlicher und wohl sogar unnötiger Abstieg. Denn schlechter als die Konkurrenz war man nicht. Im Gegenteil. Ausschlaggebend war letztlich etwas anders. Trainer Wolfgang Stamm bringt es auf den Punkt: „Wir haben sicher zu den fünf spielstärksten Mannschaften der Kreisliga gezählt, aber wenn es ums Kämpfen ging, hat sich das Team leider häufig hängen gelassen. Das ist dann eben auch immer eine Charakterfrage.“
Ein Fazit, das Stamm sicher nicht leicht fällt, bei einem Blick auf die Statistik der letzten Kreisliga-Saison aber nachvollziehbar wird. Denn gerade wenn es gegen die Konkurrenz im Keller
ging, also dann, wenn eher die Grätsche als der Absatzkick gefragt war, ließ die U23 des VfR Mannheim Federn. Gegen die Topteams wurde hingegen regelmäßig gepunktet. Verkehrte Welt.
Neuanfang erforderlich / Zukünftig auf die eigene Jugend setzen
Schwamm drüber. Der Blick geht nach vorne. In diesem Sommer steht nun ein kompletter Neuanfang an. Laut Stamm sind nur noch vier, fünf Spieler aus dem letztjährigen Kader übrig. 13 Neue befinden sich im Anflug. Namen nennt er aber noch keine: „Wir werden das in Kürze alles offiziell machen“, bittet Stamm um Verständnis.
Aus der Zielsetzung wird hingegen kein Geheimnis gemacht. Der direkte Wiederaufstieg ist kein Thema. Stamm: „Wir werden künftig verstärkt auf die eigene Jugend setzen und das ist kein leeres Versprechen, wir machen das wirklich und deshalb werden wir der Mannschaft Zeit geben. Die A-Klasse ist eine sehr gute Liga für einen Neuanfang.“
Die A2, in der sein Personal künftig auf Torejagd gehen wird, schätzt er übrigens stärker ein als die A1. Was mit den Vereinen an sich und vor allem auch mit den vielen „prominenten“ Neuzugängen der Konkurrenz zusammenhängt. Zu den Titelfavoriten zählt für ihn unter anderem der FV Ladenburg, SG Hohensachsen und SC Käfertal.
Spieler an die erste Mannschaft heranführen
Alles Mannschaften, die zudem eine andere Philosophie verfolgen: „Für mich geht es in der U23 ja in erster Linie darum, Spieler an die erste Mannschaft heranzuführen“, erklärt Stamm. Oder anders: Sobald er einen Spieler aufgebaut hat, der das Potenzial für höhere Aufgaben mitbringt, muss er ihn ziehen lassen. Freude und Frust liegen da oft eng beisammen. Stamm nimmt es aber professionell: „Eine U23 ist und bleibt nun mal eine Ausbildungsmannschaft.“
Gelingt es denn ab und an, Spieler an die Erste heranzuführen? „Ja, das klappt häufiger. Aber es ist eben nicht immer für langfristig. Viele denken nämlich, wenn sie den Schritt nach oben erstmal gepackt haben, wäre alles gut und sie sind zufrieden. Dabei geht es dann erst los…“
Positive Außendarstellung erforderlich
Zu etwas erfreulicherem: Hinter den Kulissen tut sich beim VfR derzeit bekanntlich viel. Ein neues Jugendzentrum und neue Kunstrasenplätze sollen gebaut werden. Man stellt die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft. Und die Aufbruchsstimmung ist bis in die U23 spürbar.
„Da werden Synergien geschaffen, denn von einem neuen Jugendzentrum profitiert ja auch der Seniorenbereich“, berichtet Stamm. Alles wird professioneller. Auch der Stab um die U23 wird künftig besser aufgestellt sein: Das Betreuerteam wird erweitert und selbst für den Internetauftritt wird man in Kürze einen eigenen Mann haben.
Fehlt nur noch eine positive Außendarstellung der U23. An der hapert es aus Sicht von Stamm noch etwas. Der Trainer: „Ich bin mir sicher, dass zwei Drittel der Vereine in Mannheim froh waren, dass gerade wir abgestiegen sind.“ Außerdem sei es häufig schwer neue talentierte Spieler zu finden. „Sie wollen nicht für die U23 des VfR spielen, sie gehen dann lieber zu einem Verein, der eine Liga tiefer spielt. Warum das so ist, kann ich nicht genau sagen, aber genau daran wollen wir ansetzen und es ändern.“
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