Nedim Özbek - als spielender Trainer hat Özbek auch diese Saison schon 10 Treffer erzielt. Sein Team steht an der Tabellenspitze der Kreisklasse A. Bild: N.Ö.

Nedim Özbek - als spielender Trainer hat Özbek auch diese Saison schon 10 Treffer erzielt. Sein Team steht an der Tabellenspitze der Kreisklasse A. Bild: N.Ö.

Vom Top-Torjäger zum Aufstiegstrainer? Nedim Özbek führte Anatolia Birkenau an die Tabellenspitze

Kreisklassen | erstellt am So. 10.04.2016

Bekam Nedim Özbek dort nämlich erstmal den Ball, war es häufig schon zu spät. Dann herrschte erhöhte „Klingelgefahr“. Das Tore schießen war seine große Stärke, egal, wo er auch spielte. Beim VfR Mannheim in der Oberliga, in Seckenheim, bei der SG Heidelberg-Kirchheim, oder später in den unteren Spielklassen. Überall begeisterte er mit seinem Killerinstinkt.

Und was nur die Wenigsten wissen: Auch mit fast 40 Jahren trifft Özbek noch nach Belieben. Mittlerweile hat er bei Anatolia Birkenau angeheuert. Ein hessischer A-Klassenverein, bei dem er im letzten Sommer offiziell eigentlich „nur“ als Trainer angefangen hat. Doch manchmal kommt es eben anders. „Als ich dort begonnen hatte, gab es am Anfang ein wenig Ärger“, berichtet Özbek, „ich musste ein paar Spieler suspendieren, weil sie zwar spielerisch sehr gut waren, aber keine Disziplin hatten.“

Folglich hat der Altmeister selbst nochmals die Fußballschuhe geschnürt. Und das mit Erfolg: In 14 Partien schoss er 10 Tore. „Es könnten sicher auch ein paar mehr sein, doch ich probiere schon eher die jungen Spieler einzusetzen“, verrät er und lacht: „Aber ich bin selbst auch noch sehr fit, fitter als viele junge Spieler.“

Sei’s drum. Das was Özbek bei Anatolia macht, hat Hand und Fuß

Momentan führt man die Tabelle mit sieben Punkten Vorsprung an, allerdings hat der Tabellen-Zweite noch ein Spiel in der Hinterhand. Die Zielsetzung ist jedenfalls klar: Bei noch acht ausstehenden Spielen will man den Aufstieg in die nächst höhere Kreisliga schaffen.

„Vor der Saison war das definitiv nie unser Ziel“, betont Özbek, „denn wir haben einen wirklich kleinen Kader mit aktuell gerade einmal 13 Spielern, aber nach anfänglichen Schwierigkeiten haben die Jungs meine Philosophie wirklich gut umgesetzt.“

Was bleibt, ist die Frage, warum es ihn überhaupt nach Birkenau verschlagen hat? Schließlich hat er sich doch im Raum Mannheim einen Namen gemacht! Auch zuletzt bei Turanspor Mannheim, die er in der Vorsaison noch mit in die Kreisliga Mannheim geführt hat. Mit 35 Toren!

„Eigentlich wollte ich dort ja auch weiter machen“, erzählt Özbek Foto rechts / im Vordergrund) dem Sportkurier. „Aber am letzten Tag der Wechselperiode habe ich mich dann für Anatolia entschieden, die mir ein interessantes Angebot gemacht hatten.“ Bereut hat er seinen Schritt bislang nicht. Im Gegenteil. Er sagt, ihm seien die Spieler längst ans Herz gewachsen.

Die Zusage für die neue Saison hat er deshalb auch schon längst gegeben

Allerdings mit einer Einschränkung: „Falls wir aufsteigen sollten, müssen vier, fünf neue Spieler her. Andernfalls können wir dort oben nicht bestehen. Das habe ich den Verantwortlichen auch gesagt und auch, dass ich aufhören würde, wenn die Verstärkungen nicht kommen sollten.“

Und was, wenn es mit dem Auftstieg nicht klappt? „Dann wären wir in der A-Klasse weiterhin konkurrenzfähig und ich mache dann so oder so weiter. Das ist bereits alles geklärt.“

Langweilig wird es ihm nämlich auch in der A-Klasse nicht. Überrascht ist er insbesondere von der großen Qualität der gegnerischen Mannschaften. Er gesteht: „Ehrlich gesagt dachte ich, dass diese A-Klasse viel schwächer wäre als in Mannheim, aber das Gegenteil ist der Fall. Wir müssen um jeden Sieg sehr kämpfen“, plaudert Özbek aus dem Nähkästchen. Und das scheint sein Personal sehr gut zu machen. Was ein Blick auf die letzten Begegnungen zeigt. Von den letzten 17 Spielen hat Anatolia Birkenau 15 gewonnen und 2 Unentschieden gespielt.

Hört sich nach einer tollen und perfekten Zeit an, doch das täuscht

Die Trainingsbedingungen sind nämlich alles andere als gut: Gespielt wir auf einem Hartplatz in einer Nachbargemeinde. Özbek enttäuscht das: „Leider bekommen wir von der Gemeinde Birkenau keinerlei Unterstützung. Im Vergleich zum VfL Birkenau fühlen wir uns schon benachteiligt“, berichtet Özbek. In der Kreisliga wäre ein Hartplatz sicher nicht optimal…

Dabei wird bei Anatolia viel getan. Selbst Flüchtlinge kommen regelmäßig aus Schwetzingen um am Trainingsbetrieb teilzunehmen. „Sie trainieren bei unserer zweiten Mannschaft mit, wir wollen ihnen helfen und sie von der Straße weg holen“, stellt Özbek klar.

Für den 1. FC Turanspor Mannheim markierte Nedim Özbek letzte Saison 35 Treffer. Nach dem Aufstieg ließ er sich freiwillig eine Glatze schneiden. Foto: Berno Nix.
    
Problematisch ist zudem manchmal auch das Verhältnis zu den Schiedsrichtern und zu den gegnerischen Fans

Wie Özbek berichtet, kommt es nämlich gerade bei Auswärtsspielen in ländlichen Gegenden, wo teilweise sehr viele Zuschauer auf den Sportplatz kommen, zu rassistischen Beleidigungen. Und auch die Schiedsrichter, für die es laut Özbek sehr schwer sei, wären bei solchen Menschmassen arg unter Druck. Sprich sie pfeifen eher für den Gegner als für Anatolia. Ist eine Rückkehr in den Mannheimer Raum als Trainer eigentlich künftig völlig ausgeschlossen? Eher nicht, bislang gab es einfach keine Angebote, die ihn gereizt hätten. Anfragen gab es aber.

Ausgelastet ist Özbek aber ohnehin. Denn mittlerweile ist er auch noch für Turkish Union of Clubs in Europa tätig. Das ist eine Zusammenschluss, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, talentierte türkische Fußballer zu finden und zu fördern. „Wir beobachten die Spieler und laden sie dann zu einem Probetraining ein, bei dem dann auch Scouts aus der Bundesliga und der Türkei dabei sind“, sagt Özbek.

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