Harald Schäfer ist der Fußballkreisvorsitzende Mannheims. Redaktion/RUFF.

Harald Schäfer ist der Fußballkreisvorsitzende Mannheims. Redaktion/RUFF.

Mannheims Fußball-Kreisvorsitzender Harald Schäfer im Gespräch mit dem sport-kurier

Kreisklassen | erstellt am Mo. 12.02.2018

Bis zur Kreisliga Mannheim fällt alles in seinen Aufgabenbereich. Und der ist sehr umfangreich. Das zeigte sich im Interview mit dem sport-kurier.

Hallo Herr Schäfer, seit dieser Saison wurden die C-Klassen im Fußball-Kreis Mannheim abgeschafft. Nun gibt es drei B-Klassen. Wie kam es denn dazu und hat sich die Änderung bewährt?

HARALD SCHÄFER: Das Problem ist, dass wir immer weniger Teams im Kreis haben. Darunter haben die C-Klassen besonders gelitten. In der letzten Saison war es so, dass es in einer C-Klasse nur noch zu 18 Spielen kam. Das war natürlich deutlich zu wenig. Wir haben dann drei Vorschläge ausgearbeitet. Auf dem Kreistag konnten die Vereine dann abstimmen. Letztlich haben sie sich für die Variante mit den drei B-Klassen entschieden. Bislang bin ich mit der Neustrukturierung zufrieden. Natürlich haben gerade die Teams, die von unten hoch kamen, teilweise ihre Probleme. Aber aus meiner Sicht gibt es keine Überteams und auch keine Mannschaften, die Woche für Woche chancenlos sind. Ein genaues Urteil über die neue Ausrichtung kann aber erst nach vier, fünf Jahren gefällt werden.

Man gewinnt im Fußball ein wenig den Eindruck, dass es gerade im Jugendbereich immer mehr Spielgemeinschaften gibt. Kommen keine Spieler mehr nach?

HARALD SCHÄFER: Das ist in vielen Kreisen wirklich so. Bei uns aber nicht. Im Kreis Mannheim haben wir im Erwachsenenbereich nur eine Spielgemeinschaft. Und im
Jugendbereich sind es ca. 16. Das ist ein super Wert. In anderen Kreisen ist das natürlich anders. Dort ist es aber eben aus strukturellen Gründen schwerer. Wenn in einer Schulklasse beispielsweise nur zehn Kinder sind, ist es eben schwer eine eigene Mannschaft zu stellen. Ich persönlich rate aber immer eher von Spielgemeinschaften ab. Es heißt dann ja meistens, es wäre nur für den Übergang. Aber die Erfahrung zeigt eben, dass am Ende kein Verein aus einer Spielgemeinschaft Nutzen ziehen kann. Trotzdem werden wir weiterhin Spielgemeinschaften im Jugendbereich genehmigen.

Und wie sieht es mit dem Nachwuchs im Schiedsrichterbereich aus?

HARALD SCHÄFER: Da bilden wir jährlich eine ausreichende Anzahl an Jugendlichen aus. Das Problem ist hier aber, dass sie nicht lange dabei bleiben. Manche hören nach kurzer Zeit wieder auf. Andere sind eine Saison dabei und lassen es dann wieder. Das ist ein ganz schweres Thema. Wir überlegen uns hier auch einiges. Müssen wir mehr an die Schulen gehen? Oder an die Vereine? Wir haben ein Patensystem installiert. Da werden Anfänger von erfahrenen Schiedsrichtern zu den Spielen begleitet und unterstützt. Das Einstiegsalter ist 15 oder 16. Da ist es schon hart, wenn du da verbal angegangen wirst. Insgesamt fehlen uns Schiedsrichter in den unteren Klassen und manchmal ist es schwierig, alle Spiele am Sonntag zu besetzen.

Es gibt auch immer wieder mal Spielabbrüche. Mit welchen Konsequenzen muss ein Verein hier denn rechnen? Hängt das immer auch mit der Art des Abbruchs zusammen?

HARALD SCHÄFER: Spielabbrüche sind Gott sei Dank eher selten. Kürzlich hatten wir in Rheinau einen Vorfall, da ist ein Spieler auf den Schiedsrichter los gegangen. In solchen Fällen wird sofort abgebrochen. Das geht gar nicht. Da ist es auch egal, ob der Schiedsrichter nur leicht gestoßen oder gar geschlagen wurde. Es geht hier einfach um den Eigenschutz. Der Umgang mit den Schiedsrichtern ist mittlerweile respektloser geworden. Auch unter den Spielern selbst. Da fliegen schon mal die Fäuste. In Schönau gab es kürzlich nach dem Spiel eine Schlägerei. Früher war das ein Nogo. Deshalb plädieren wir auch nach dem Spiel für den Handshake um zu dokumentieren, dass Fairplay auch nach dem Spiel an erster Stelle steht. In ganz schweren Fällen werden wir künftig auf Unterstützung von erfahrenen Psychologen zurückgreifen können, um gezielt Gewaltvorfälle aufzuarbeiten.

Die TSG Weinheim spielt (noch) in der Oberliga. FV Fortuna Heddesheim und der VfR Mannheim klopfen ans Tor zur Oberliga an. Wie zufrieden sind Sie denn mit der Entwicklung der höherklassigen Vereine aus dem Kreis Mannheim?

HARALD SCHÄFER: Da freut man sich natürlich. Es steht ja auch immer eine Entwicklung dahinter. Dass dann nach dem Aufstieg in die Oberliga eine ganze Mannschaft zerfällt wie in Weinheim, ist natürlich ungewöhnlich. Aber in einem Mehrspartenverein ist Fußball nur eine Abteilung von vielen. Da gelten andere Regeln. Beim VfR und Heddesheim ist das anders. Ich denke, dass sich beide in der Oberliga etablieren könnten. Auch der VfB Gartenstadt hat eine erstaunliche Entwicklung sowohl im Herren als auch im Jugendbereich genommen. Ich würde mich freuen, wenn wir noch mehr höherklassige Vereine hätten…

Wie sieht es denn im Bereich Flüchtlinge im Fußball-Kreis Mannheim aus?

HARALD SCHÄFER: Da haben unsere Vereine in den letzten Jahren viel getan. Fast die Hälfte unserer Kreisvereine wurden aufgrund der Integration von der Sepp Herberger Stiftung unterstützt. Mittlerweile werden es im Stadtbezirk aber immer weniger, da Mannheim nur eine Aufnahmestelle hat und kaum Flüchtlinge auf Dauer untergebracht werden. Wenn Vereine, wie z.B. Vogelstang, sich im Herrenbereich dann auf Spieler aus diesem Umfeld verlassen, kann das auch mal nach hinten losgehen. In unserem Umland, wo dauerhafte Unterkünfte zur Verfügung stehen, sind weiterhin viele Flüchtlinge aktiv und gut integriert.

Wie kam es denn eigentlich, dass Sie zum Vorsitzenden des Fußball-Kreises Mannheim geworden sind?

HARALD SCHÄFER: 2013 wollte mein Vorgänger nicht mehr weitermachen. Und da ich schon seit 1997 dabei bin, kannte ich die Strukturen sehr gut. Aber so etwas kann man natürlich nicht alleine machen. Ich habe ein sehr gutes Team um mich herum und teile mir die Arbeit mit Michael Mattern, meinem Stellvertreter. Trotzdem vergeht natürlich kein Tag, an dem ich nichts mit dem Fußball zu tun habe. Aber mir macht es ja auch Spaß.

 

Dieser Artikel erschien auch in unserer PRINT-Ausgabe / Erscheinungsdatum 9.02.18

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