Timo Zahnleiter coacht den MFC 02 Phönix Mannheim seit Beginn der Rückrunde. Bild: Berno Nix
„In Griechenland wurdest du an der Eckfahne auch mal mit Backsteinen beworfen.“ ++ Phönix-Coach Zahnleiter im Gespräch mit dem sport-kurier
Kreisklassen | erstellt am Do. 29.03.2018
Timo Zahnleiter (69) hat in der Kreisliga Mannheim angeheuert. Der so erfahrene Trainer, der bei unzähligen Klubs als Trainer gearbeitet hat, coacht derzeit Phönix Mannheim. Schaut man in seine Vita, ist das ein krasser Schritt. Schließlich war er unter anderem auch schon in der Bundesliga auf der Trainerbank.
1984/1985 als Co-Trainer beim 1. FC Köln und von 1985 bis 1989 als Co-Trainer bei Eintracht Frankfurt, wo er in der Saison 1986/1987 in der Rückrunde auch als Cheftrainer gearbeitet hat. Weitere Stationen als Cheftrainer waren zudem auch PAS Iannina, Ethnikos Piräus, Ethnikos Asteras und Anagennisi Karditsa in Griechenland.
Der sport-kurier sprach mit ihm über sein Engagement bei Phönix Mannheim.
Hallo Herr Zahnleiter, wie kam es denn dazu, dass Sie jetzt in der Kreisliga Mannheim als Trainer arbeiten?
Zahnleiter: Der Kontakt kam über Kosta Cafaltzis, der ja auch als Mannschaftsarzt beim SV Waldhof arbeitet, zustande. Er ist ein guter Freund von mir und hatte ich mich schon mehrmals angesprochen und diesmal war die Not eben besonders groß. Ich habe mich mit den Verantwortlichen dann getroffen und sie haben einen guten Eindruck auf mich gemacht. Genau wie ich offenbar auch auf sie.
Sie haben im Profibereich als Coach gearbeitet. Das muss ein großer Unterschied sein …
Zahnleiter: Das ist es auch. In den unteren Klassen ist es viel schwieriger für einen Trainer als oben. Ich sage meinen Spielern auch immer wieder, dass ich gerade mit Nationalspielern immer die wenigsten Probleme hatte. Die sind einfach in jeder Trainingseinheit mit großem Ehrgeiz dabei. Bei Eintracht Frankfurt hatte ich ja unter anderem Thoma Berthold und Ralf Falkenmayer unter mir. In den unteren Ligen gibt es hingegen Spieler, die meinen, sie wären Weltmeister und können nichts. Gerade die Trainingsplangestaltung ist ja auch sehr schwierig. Man muss sich immer mit den Herrschaften abstimmen, wann sie denn mal Zeit haben, ins Training zu kommen. Ich weiß natürlich auch, dass es nicht immer leicht ist für sie. Entweder arbeiten sie oder sie studieren. Das ist ein Zeitproblem. Andererseits kann man eben auch nicht so viel erwarten, wenn man nur einmal die Woche trainiert. Den kompletten Kader habe ich im Training nie zur Verfügung. Momentan sind es maximal zehn Mann. Aus taktischer Sicht kann man da nicht viel machen. Als ich angefangen habe bei Phönix, waren es noch jeweils 17 bis 19 Spieler pro Trainingseinheit.
Zuletzt setzte es zweimal ein 0:3. Mit dieser Entwicklung können Sie nicht zufrieden sein.
Zahnleiter: Das stimmt. Diese Ergebnisse spiegeln aber auch die derzeit schlechte Trainingsbeteiligung wider. Trotzdem muss man sich die Spielverläufe auch genau anschauen. Gegen Srbija, das in der Kreisliga eine sehr starke Mannschaft ist, haben wir sehr gut mitgehalten. Das war teilweise ein Spiel nur auf deren Tor und ich bin mir sicher, dass wir sogar hätten gewinnen können, wenn wir eine unserer Chancen genutzt hätten und das erste Tor gemacht hätten. Auch gegen Weinheim II haben wir eine Halbzeit lang sehr gut mitgehalten. Aber anscheinend haben dann ein paar unserer Spieler gemeint, sie müssten nicht mehr nach hinten arbeiten.

MFC Phoenix Mannheim – SC Reilingen, Kreisliga, Phoenix´ Omar Mohammed zwischen den Reilingern Michael Strnard (li.) und Patrick Rittmaier (re.). Bild: Berno Nix
Aktuell belegt Ihre Mannschaft den elften Platz. Der Klassenerhalt ist das oberste Ziel, oder?
Zahnleiter: So ist es, das war auch von Anfang an unser Ziel. Das wollen wir schaffen. Unser Hauptproblem ist das Tore schießen. Im Winter haben uns zwei wichtige Stürmer verlassen. Ich frage mich wirklich, wer bei uns treffen soll. Es kristallisiert sich kein Topstürmer heraus. Deshalb müssen wir es wohl über das Kollektiv lösen. Wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben sollten, muss dann ein Neuaufbau her. Was aber schwer wird, denn Spieler laufen dir ja nicht einfach so zu. Aber ich bin der Meinung, dass man schon einiges erreichen kann, wenn die Qualität des Trainings stimmt.
Wie läuft es denn bei Ihnen nach der Saison weiter?
Zahnleiter: Ich habe hier keinen Vertrag unterschrieben. Aber ich stehe zu meinem Wort und es kann schon sein, dass ich hier auch noch länger als Trainer arbeite. Es juckt einfach noch. Und mit Volker Zimmermann gibt es in der Landesliga ja auch noch einen Trainer, der ähnlich alt ist wie ich (lacht).
Gab es denn in Ihrer langen Karriere eine Station, die Ihnen am besten gefallen hat?
Zahnleiter: Das ist schwierig zu sagen, weil es da einige schöne Epochen gab. Als Spieler hatte ich meine schönste Zeit von 1974 bis 1977 bei AEK Athen. Insgesamt waren die Jahre in Griechenland sehr interessant. Dort bekommst du Dinge mit, da fällst du in Ohnmacht. Man versucht unter anderem auch Schiedsrichter zu bestechen. Teilweise wurdest du beim Eckball an der Eckfahne mit Backsteinen beworfen. Der Schiedsrichter hat dann unter anderem vorgeschlagen, dass die Ecke anstatt von links eben von rechts ausgeführt werden soll, weil da keine Steine fliegen. Als Trainer bleiben mir die Zeiten in Köln und Frankfurt natürlich besonders in Erinnerung. Weniger schöne Erfahrungen musste ich auch mit meinem Heimatverein, dem VfR Mannheim, machen da war ich schon mehrmals so gut wie Trainer, wurde dann aber doch nicht berücksichtigt und das aus Gründen, die ich hier nicht anführen möchte.
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