Wenn der Vater mit dem Sohne...
Wenn der Vater mit dem Sohne…
Archiv | erstellt am Mo. 23.09.2013
Foto oben: Der Landesligist FV Brühl. Mittlere Reihe ganz rechts Jürgen Wasow. Untere Reihe dritter von links Pascal Wasow.
…von Hans Quest mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle gemeint – sondern eine Konstellation, die es in Fußball-Deutschland wohl nur ganz selten gibt. Vater und Sohn in einer Mannschaft, das ist beim Landesligisten FV Brühl seit Saisonbeginn der Fall.
Vater Jürgen Wasow und Sohn Pascal in einem Team
Der im Fußballkreis Mannheim sehr bekannte Jürgen Wasow trainiert die Torhüter des Landesligisten FV Brühl und ist darüber hinaus noch der 3. Torwart des Clubs. Wenn „Not am Manne“ ist, dann steht auch noch der mittlerweile 48-jährige zwischen den Pfosten.
„Ich war ein Spätstarter als Torhüter, jetzt muss ich das eben alles noch nachholen“, schmunzelt der dreifache Familienvater selbst über diese Aussage. Sein ganz großer Traum: Mit seinem Sohn Pascal (17) in einer Mannschaft für den FV Brühl aufzulaufen.
Pascal kam vom VfL Kurpfalz Neckarau zum Landesligisten
Der talentierte Sohn, der in der letzten Saison noch Mittelfeldspieler beim B-Jugend Oberligisten VfL Kurpfalz Neckarau war, wechselte vor der Saison zum FV Brühl, trotz einiger anderer Angebote. „Man hatte Interesse signalisiert und sich um mich bemüht, daher habe ich das Angebot angenommen, in Brühl zu spielen. Sicher spielte dabei auch eine große Rolle, dass mein Vater im Verein aktiv ist“, so Pascal (rechts im Bild).
Erst ab 2/2014 spielberechtigt
Auflaufen darf er erst ab Februar 2014 für den FV Brühl, denn mit 17 Jahren ist ein Einsatz im Landesligateam von den Verbandsstatuten her nicht möglich. „Das ist jetzt kein Problem für mich. Ich trainiere zwei Mal die Woche bei Bernd Oßwald in der ersten Mannschaft und das Abschlusstraining mache ich in der A-Jugend, für die ich dann auch spiele.“ Dennoch ist die Vorfreude bei Pascal groß, endlich offiziell auch in der 1. Mannschaft spielen zu dürfen.
Jürgen Wasow: „Damit schließt sich ein Kreis.“
„Damit schließt sich für mich persönlich ein Kreis, sagt sein Vater Jürgen Wasow. Und weiter: „Es wird ein großartiges Gefühl sein, wenn ich bei einem Ligaspiel zusammen mit meinem Sohn auflaufe und spiele. Ich glaube nicht, dass so etwas häufig vorkommt.“ Ermöglichen wird das natürlich auch der Verein, denn die Brühler haben mit Stefan Knebel und Steven Stattmüller zwei Stamm-Torhüter. „Einen Jürgen Wasow kannst du immer zwischen die Pfosten stellen, er wird seine Aufgabe gewohnt sicher erledigen“, sagt sein Trainer Bernd Oßwald, der große Stücke auf seinen Torwarttrainer hält.
Wie stark ein Jürgen Wasow auch noch mit seinen 48 Jahren ist, das bewies er bei der letzten MorgenMasters-Serie, als er beim Qualifikations-Turnier zwischen den Pfosten stand und mit der Mannschaft den Titel holte. „Das war genial und hat einen Riesenspaß gemacht“, sagt Jürgen Wasow dazu und bleibt bescheiden. Tatsache ist aber: Die Jungspunde in der Halle scheiterten immer wieder an dem reaktionsschnellen Torhüter, der großen Anteil an der Qualifikation zum Endturnier hatte.
Foto: Siegerfoto FV Brühl beim Qualifikationsturnier des MorgenMasters. Im orangenen Trikot Jürgen Wasow, der bei diesem Turnier überragend hielt.
Beim MorgenMasters hielt der 48-jährige überragend
Dort meisterte er im Achtelfinale einen Siebenmeter von VfR-Torjäger Giuseppe Burgio und erreichte mit einem 1:0 Sieg über den Oberligisten das Viertelfinale gegen den Regionalligisten SV Waldhof. Dieses Spiel ging 4:1 verloren. Kurios dabei: Wasow lief gegen seinen Lieblingsverein Waldhof Mannheim mit einem alten Waldhof-Trikot auf. „Es sollte ein Gag sein. Nach dem Spiel hat mir Waldhofs Dennis Franzin ein neues Waldhof-Trikot geschenkt, was mich natürlich sehr freute“, so Jürgen Wasow.
Seine Laufbahn begann beim SV Waldhof in der D-Jugend. Bis zu den A-Junioren stand Jürgen Wasow im Tor der Blauschwarzen. „Meist in den 2ern-Mannschaften, die dennoch in hohen Ligen spielten. Unter anderem waren Karlheinz Druck und Sigmund Olscha meine Trainer“, blickt der leidenschaftliche Motorradfahrer, der Gründungsmitglied der 27 Jahre alten Mannheimer Motorradfahrer-Vereinigung ist, zurück.
„Ich war Spätstarter.“
Wasow: „Ich habe dann meine Lehre gemacht und deshalb drei Jahre lang eine Auszeit vom Fußball genommen. Sieben Jahre lang spielte ich danach in der Privatmannschaft der SpVgg. 03 Ilvesheim, bevor ich zum FV Fortuna Heddesheim wechselte.“ Mit der Fortuna schaffte Jürgen Wasow (rechts im Bild) den Aufstieg in die Kreisklasse A Mannheim und war sieben Jahre lang sogar 2. Vorsitzender des Vereins. „Eine sehr intensive und lehrreiche Zeit“, so Jürgen. „Ich habe nie für Geld gespielt, da war mir die Vereinstreue am wichtigsten. Natürlich hat man sich auch über eine kleine Siegprämie gefreut – aber das war nie vordergründig für mich“, hatte der Spaß am Fußball Vorrang. 2003 folgte der Torhüter dem Ruf seines ehemaligen Trainers Uwe Ulpins nach Neckarhausen. Dort hatte Wasow bei der Viktoria sehr gute eineinhalb Jahre“, wie er rückblickend zu berichten weiß.
Nach einer Rücken-OP „kitzelte“ es wieder
Es folgte eine Auszeit, wegen einer Operation an der Wirbelsäule. Aber als Wasow wieder fit war, fing es erneut an zu kribbeln. Mit der Privatmannschaft des MFC Lindenhof wurde er Meister, da war er schon 42 Jahre alt. Und 2008/2009 übernahm er bei den Landesligisten FV Brühl, als auch damals der SG Oftersheim, die Position des Torwarttrainers. „Ich habe mich darüber hinaus dann entschieden, für die Brühler zu spielen. Da ich dort auch ein Haus habe und dort lebe, hatte sich das angeboten.
Fast 40 Jahre auf Mannheims Fußballplätzen unterwegs
Nun ist Jürgen Wasow schon die sechste Spielzeit beim FV Brühl und es soll auch seine letzte sein, was die
Einsätze im Notfall betrifft. „Jetzt noch einmal dieses große Erlebnis mitnehmen, mit meinem Sohn unter Trainer Bernd Oßwald (Foto unten) in einem Team zu spielen, dann ist es auch gut“, sagt jemand, der sich weit über die Grenzen Mannheims hinaus einen Namen gemacht hat und der in der Fußballszene auch überaus beliebt ist. Und das, obwohl er jetzt nie in hohen Ligen unterwegs war. „Immerhin bin ich seit knapp 40 Jahren auf Mannheims Fußballplätzen unterwegs. Da lernt man natürlich viele Leute kennen, und schließt Freundschaften“, kann Jürgen auf eine sehr lange und ereignisreiche Laufbahn blicken.
Sohn Pascal hat seine Laufbahn noch vor sich / „Ich möchte so hoch wie möglich spielen.“
Und eine lange Laufbahn könnte nun auch sein Sohn Pascal vor sich haben, denn der begann schon im Alter von 3 Jahren mit dem „kicken“. Auch damals beim FV Brühl, wo er bis zur D-Jugend spielte. Es folgten die Stationen SV 98 Schwetzingen und der VfL Kurpfalz Neckarau, mit denen er in der B-Jugend in die Oberliga Baden-Württemberg aufstieg und im Folgejahr Kapitän des Teams wurde. „Ich war ein Spätstarter und habe mich erst beim VfL Kurpfalz Neckarau so richtig entwickelt“, sagt Pascal, der zurzeit sein freiwilliges soziales Jahr im Seniorenzentrum Brühl absolviert. Seine sportlichen Zielsetzungen? „Ich möchte natürlich einen Stammplatz im Landesligakader erkämpfen und wenn alles optimal verläuft, auch später gerne höherklassig spielen“, blickt Pascal auch schon etwas weiter.
„Gemeinsam aufzulaufen, das wird gigantisch.“
Und was es für ihn bedeutet, mit seinem Vater gemeinsam bei einem Ligaspiel aufzulaufen? „Das ist natürlich etwas großartiges und bleibendes. Mein Vater spielt seit vier Jahrzehnten Fußball und das hat auch großen Respekt verdient. Er hat mich immer gefördert, aber nie zu etwas gedrängt. Mir war da seine sachliche Kritik immer sehr wichtig und wird es in der Zukunft auch sein“, ist der Stolz des Sohnes auf seinen Vater deutlich herauszuhören.
Man darf gespannt sein, wann der Vater mit dem Sohne in der Rückrunde der Saison 13/14 gemeinsam für den FV Brühl aufläuft. Der Sportkurier wird mit dabei sein und berichten.
Fotos: lofi