Von Pleitegeiern, guten und schlechten Fans und sportlichem Neuaufbau

Von Pleitegeiern, guten und schlechten Fans und sportlichem Neuaufbau

Von Pleitegeiern, guten und schlechten Fans und sportlichem Neuaufbau

Archiv | erstellt am Do. 10.10.2013

Nach der 3:0 Niederlage beim SC Pfullendorf und genau einem Drittel der Saison ist im Umfeld erst einmal Ernüchterung bei den Fans eingekehrt. Für die Relegationsspiele um den Aufstieg bewerben und empfehlen sich derzeit ganz andere Vereine.

Gehen wir zurück auf Null. Erst kurz vor dem Trainingsauftakt wurde Kenan Kocak als neuer Trainer präsentiert. Ein noch laufender Kontrakt mit dem VfR Mannheim musste erst einmal aufgelöst werden, was sich in die Länge zog. Was folgte, war eine nicht ganz einfache Saisonplanung für den neuen Coach. Die Zeit drängte und vieles war liegengeblieben.

Foto: Kenan Kocak musste in „Windeseile“ ein Team für die Saison 2013/2014 formen. Dabei waren die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Vereins zu berücksichtigen.

Zitat Jürgen Kohler, damals noch Sportlicher Leiter: „Die Freundschaftsspiele etc. soll der neue Coach vereinbaren.“ Darüber hinaus war auch beim Spielerkader mehr als eine Baustelle abzuarbeiten. Martin Wagner, Jure Colak und Massih Wassey gehörten zu den Leistungsträgern der Vorsaison und eine Weiterverpflichtung hätte viele Fans erfreut. Aber sie waren nicht finanzierbar, denn Kocak musste mit einem um ein Viertel gekürzten Etat arbeiten. Dank seines Verhandlungsgeschickes und seinem Netzwerk gelang es jedoch, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen.

Oft wurden gute Spiele nicht entsprechend belohnt

Was das Saisonziel betrifft, hielt Kocak von Anfang an den Ball flach. Nur keine zu hohe Erwartungshaltung wecken, war die Devise. Obwohl sich das Team in spielerischer Hinsicht Woche für Woche weiter verbessert und die Handschrift des Trainers zu sehen ist, spiegeln sich die oft guten Leistungen auf dem Platz bislang nicht so ganz in der Tabelle wieder, was auch Kocak ärgert.

„Die Mannschaft muss sich noch mehr für ihren Einsatz belohnen“, ist der Trainer mit der Punkteausbeute unzufrieden. Eine neue Mannschaft einzuspielen, dauert eben erfahrungsgemäß seine Zeit. Nichtsdestotrotz waren die Zuschauer in vielen Spielen sehr angetan von der Leistung und gingen zufrieden auf den Heimweg. Stellvertretend sei das Spiel gegen Neckarelz genannt. Durch individuelle Fehler geriet das Team mit  0:2 in Rückstand und spielte den Gegner in der zweiten Halbzeit fast an die Wand. „Noch fünf Minuten länger und wir hätten noch das 3:2 geschossen“, meinte Kocak und keiner konnte ihm widersprechen.

Foto: Dennis Franzin mit seinem Treffer zum 2:2 Ausgleich gegen den Aufsteiger Neckarelz.
Ein klar formuliertes Ziel von Kocak war, das eigene Stadion wieder zu einer Festung zu machen. Dass der SVW in der Vorsaison vor dem heimischen Publikum zu oft gepatzt hatte, war ihm nicht entgangen. Gleich das zweite Spiel ging aber völlig in die Hose. Gegen Mainz II gab es ein 0:4. „Schon nach einer Viertelstunde hatte ich mit Dennis Franzin den Ausfall eines Schlüsselspielers zu beklagen“, blickte Kocak zurück. Hatten die Waldhöfer bis zu diesem Zeitpunkt zwei gute Chancen zur Führung vergeben, ging der Schuss in der Folge nach hinten los. Es blieb im ersten Saisondrittel jedoch die einzige Heimniederlage. Neben den drei Siegen über Ulm, Freiburg und Offenbach gesellten sich zwei Unentschieden, die man als eher unglücklich bezeichnen kann.

Foto: Die bisher einzige Heimniederlage gegen den FSV Mainz 05 fiel auch gleich deftig aus.
 
Die Disziplin

Mit zwei weiteren Ampelkarten und zwei Roten Karten für Shqipon Bektashi in Homburg und Pfullendorf schwächten sich die Blau-Schwarzen in vier Spielen unnötig selbst. Drei Viertel des Spiels hielten die Waldhöfer in Homburg mit. Eine komplette zweite Halbzeit in Unterzahl war dann für den Rest des Teams doch zu lange. Ähnlich in Pfullendorf. Nach dem 1:0 kurz nach der Pause, konnte die Kocak-Elf keine passende Antwort geben. Shqipon Bektashi sind für die beiden Niederlagen in Homburg und Pfullendorf ein Mitverschulden anzukreiden. Für seine Spuckattacke in Pfullendorf wurde Bektashi vereinsintern abgestraft und erhielt vom Verband eine fünwöchige Sperre.

Die beiden Ampelkarten gegen Bektashi und Szimayer in den Spielen zuvor hatten für den Spielausgang keine Bedeutung. Doch beide Spieler mussten halt in der kommenden Partie pausieren und schwächten den Kader. Für Sebastian Szimayer war dies besonders ärgerlich. Er fehlte gegen die Offenbacher Kickers vor fast 10 000 Zuschauern.

Foto: Waldhofs Shqipon Bektashi musste zwei Mal mit GLATT-ROT vom Platz. Sein undiszipiniertes Verhalten hat der Kocak-Elf definitiv Punkte gekostet.

Die Fernsehspiele

Gleich zweimal schaffte es der SVW in der noch jungen Saison bundesweit ins Fernsehen. Der Privatkanal Sport 1 übertrug am ersten Spieltag live aus dem Carl-Benz-Stadion gegen Ulm und im September aus dem Aue-Stadion in Kassel. Die Gästefanblöcke blieben jeweils fast leer. Das interessiert beim Fernsehen aber niemand. Gut, dass sich der SVW in diesen beiden Partien sehr ordentlich präsentierte. So etwas nennt man gute Eigenwerbung. In Kassel war nämlich quasi zur Probe der neue Trikotsponsor auf der Brust. Weil man als Regionalligaclub aber nicht mehr wie zweimal pro Jahr den Trikotsponsor wechseln darf, obwohl kein Eigenverschulden vorlag, gewann man die Odenwaldquelle gleich für die gesamte Restrunde.

Der bisherige Partner, die Parkplan AG, bei vielen Vereinsmitgliedern und Anhängern wegen verspäteter oder ausstehender Zahlungen sowieso nicht unumstritten, hatte nicht überraschend Antrag auf Insolvenz gestellt. 

Die brisanten Derbys

Zweimal hatte der SV Waldhof Heimrecht, als es in den Derbys gegen die Rivalen aus Offenbach und Kaiserslautern ging. Die Geschichte vom Offenbachspiel ist schnell erzählt. Ajdin Zeric schoss mit Vollspann aus 40 Metern auf das Tor und traf unter dem Jubel der Zuschauer zum 1:0-Sieg.

Gegen Kaiserslautern kam das böse Erwachen in der Nachspielzeit, als die U23 des FCK vor den Augen von „Ehrmann-Killer“ und früheren Waldhofprofi Atilla Birlik, der unter den Besuchern weilte, noch den Ausgleich erzielte. Gegen Offenbach nutzten einige wenige Unverbesserliche die Bühne wieder einmal für ihre Straftaten. Mit Wasserwerfern hielt die Polizei dagegen. Ein Faustschlag ins Gesicht waren die Aktionen der Randalierer für alle die, die im Vorfeld entgegensteuern wollten. Das Fanprojekt oder auch  „Pro Waldhof“ gaben Tipps für das richtige Verhalten am Spieltag.

Foto: Brisanz und Derbystimmung gegen die Offenbacher Kickers. Waldhof gewann, aber durch die Ausschreitungen nach dem Spiel geriet der Sieg in den Hintergrund.
Für die Begegnung gegen Kaiserslautern gründete sich aufgrund der Vorkommnisse dann eine neue Faninitiative namens „Waldhoffans gegen Gewalt“. Weil aus dem feindlichen Pfälzer Lager so gut wie niemand anwesend war, richtete sich die Aggression zur Abwechslung mal gegen die eigenen Spieler. Gleich mehrere wurden nach dem Spiel verbal attackiert und „dumm angemacht“.

Besonders heftig ging ein sogenannter Anhänger gegen Vllaznim Dautaj vor. Wenn ich ein Spieler des SV Waldhof wäre, dann hätte ich in diesem Moment gesagt: „Genau das habe ich heute noch gebraucht.“ Die Enttäuschung war den Spielern sowieso schon ins Gesicht geschrieben und dann auch noch eine solche Aktion von wenigen Zuschauern. Wer das Spiel zuvor gesehen hatte, vor allem mit welcher Aufstellung der FCK antrat, der musste erkennen, dass der SVW sich bis auf die letzten Minuten des Spiels teuer verkaufte. „Wir haben am Schluss ein bisschen um den Ausgleich gebettelt“, meinten sowohl Phil Weimer als auch Torschütze Shaban Ismaili. Vergessen war nachher bei den Zuschauern, dass Waldhof gegen ein mit mehreren zweitligaerfahrenen Akteuren verstärktes Team antreten musste. „Wir haben das intern besprochen. Das Team steht voll hinter Vllazi“, vermeldete Kocak zu diesem unerfreulichen Thema.

Bisheriges Zwischenfazit: Für den Abstieg scheint der SVW zu stark und für den Aufstieg noch nicht clever genug.

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