Pfefferle-614
In der Fairnesstabelle regelmässig ganz hinten – der FV 1922 Leutershausen
Archiv | erstellt am Di. 29.10.2013
Wer hat die meisten Treffer erzielt? Wer hat das heim- oder auswärtsstärkste Team? Wer stellt die beste Defensive bzw. Offensive?
Es gibt auch eine Statistik – die bezieht sich auf die Fairness, auch Fairness-Tabelle genannt. Hier werden im Verlaufe einer Saison alle gelben, gelbroten oder rote Karten erfasst. Am Ende der Saison weiß jeder Club, wo er mit seiner entsprechenden Mannschaft steht.
Der Sportkurier hat sich die Mühe gemacht und mal nachgeforscht, wer in den letzten Jahren aus dem Fußballkreis Mannheim meist ganz hinten in der Tabelle war. Und da kommt man bei der Recherche um den Kreisligaabsteiger FV 1922 Leutershausen nicht herum.
Foto: Sie können es manchmal selbst nicht glauben, die Leutershausener Akteure. Die Kartenflut gegen die Bergsträßer reißt nicht ab.
Fairnesstabelle Platzierung FV Leutershausen:
2010/2011 Kreisklasse A Drittletzter Platz 85 x Gelb – 8 x Gelbrot – 1 x Rot
2011/2012 Kreisklasse A Vorletzter Platz 79 x Gelb – 8 x Gelbrot – 3 x Rot
2012/2013 Kreisliga MA Letzter Platz 75 x Gelb – 7 x Gelbrot – 6 x Rot
2013/2014 Kreisklasse A Letzter Platz 36 x Gelb – 2 x Gelbrot – 3 x Rot (10 Spieltagen)
Bereits nach 10 Spielen gab es gegen den FVL eine regelrechte Kartenflut. Würde sich das statistisch gesehen so fortsetzen, dann hätte man am Ende der Saison 108 Gelbe Karten – 6 Gelbrote – und 9 Rote Karten. Wohlgemerkt, das ist nur eine statsitische Hochrechnung.
Foto: Auch Trainer Gürhan Yöndemli nerven die vielen Karten. „Wir müssen da noch verstärkter gegensteuern“, weiß auch der FVL-Coach.
Wir haben uns mit dem Spielausschussvorsitzenden Marcel Fischer über dieses, aus Vereinssicht unangenehme Thema unterhalten.
Sportkurier: Herr Fischer, wir möchten Sie mit einem sicherlich auch für Sie unangenehmen Thema konfrontieren. Der FVL ist regelmässig auf den hintersten Plätzen der Fairnesstabelle geführt. Wie ist das zu erklären? Eine Tretertruppe ist der FV ja mit Sicherheit nicht.
MARCEL FISCHER: Ja, natürlich ist das für unseren Verein ein unangenehmes Thema. Man kann ganz schnell in ein schlechtes Licht gerückt werden. Von daher nutze ich natürlich hier die Möglichkeit, das alles etwas zu relativieren. Eine Tretertruppe sind wir ganz bestimmt nicht, das sehen Sie absolut richtig.
Sportkurier: Wie ist es mit der Disziplin in der Mannschaft bestellt?
MARCEL FISCHER (Foto rechts): Die meisten gelben und gelb-roten Karten haben ja einen Ursprung und der
liegt in 75 Prozent aller gezeigten Karten darin, dass viele unserer Spieler immer wieder Entscheidungen der Schiedsrichter meinen kommentieren zu müssen. Das zieht doch in den meisten Fällen eine gelbe Karte nach sich. Diskutierst du ein zweites Mal, oder begehst dann im Verlaufe des Spiels ein gelbwürdiges Foulspiel – dann hast du gelbrot und bist draussen. Das ist uns in den letzten drei Spielzeiten einfach zu häufig passiert.
Sportkurier: Hat es auch damit zu tun, dass der FV Leutershausen in den letzten Jahren immer um den Aufstieg in die Kreisliga oder so wie letztes Jahr um den Klassenerhalt spielte?
MARCEL FISCHER: Auch das spielt sicherlich eine Rolle. Wenn du Woche für Woche solche Spiele hast, dann bewegst du dich auch in einem anderen Spannungsfeld, als wenn es zwischen dem 12. und 13. der Tabelle geht. Aber all das ist keine Entschuldigung. Uns nerven diese vielen Karten selbst und es ist auch unbegreiflich, weil gerade der Trainer Gürhan Yöndemli und meine Person eher besonnen sind. Von aussen wird da nicht eingewirkt auf das Spiel oder Schiedsrichterentscheidungen.
Sportkurier: In ihrem Team sind sehr viele ausländische Spieler. Zu emotional ihre Spieler?
MARCEL FISCHER: Das machen wir nicht an der Nationalität fest. Es sind einfach dämliche Karten, die wir uns unnötigerweise abholen und uns damit selbst schwächen. Wir dachten das wäre nach dem Abstieg aus der Kreisliga besser, aber die ersten 10 Spieltage sprechen da eine andere Sprache. Erschwerend kommt im Moment
hinzu, dass wir einige verletzte Akteure haben und auch auf wichtige Spieler verzichten müssen, die studieren und nicht immer mitwirken können. So müssen die Spieler in den letzten Wochen Spiel für Spiel durchspielen, auch das ist sicherlich mitentscheidend für die eine und andere Karte.
Sportkurier: Wie gedenkt der Verein hier auf seine Spieler einzuwirken?
MARCEL FISCHER: Wir haben das auch in der Vergangenheit immer wieder getan. Da gibt es auch interne Strafen, weil wir eben diese oft unnötigen Karten bekommen, die nichts mit Tätlichkeit oder rohem Spiel zu tun haben. Sie können versichert sein, wir werden da auch weiterhin und das noch verstärkter darauf einwirken.
Sportkurier: Wo landet der aktuell Tabellenletzte der Fairnesstabelle am Ende der Runde?
MARCEL FISCHER: Nicht auf dem letzten Platz, das verspreche ich Ihnen.
Sportkurier: Vielen Dank, dass Sie sich diesem unangenehmen Thema gestellt haben.
MARCEL FISCHER: Bitteschön, keine Ursache.
Fotos: FVL