"Ich versuche einfach alles mitzunehmen, was geht"
„Ich versuche einfach alles mitzunehmen, was geht“
Archiv | erstellt am Mo. 20.01.2014
Foto oben: Herdling im Zweikampf mit Bayerns Mario Götze.
Der große Durchbruch gelang dem 29-Jährigen erst in dieser Saison unter Trainer Markus Gisdol. Im Gespräch mit dem Sportkurier blickt der gebürtige Heidelberger zuversichtlich und entspannt auf die bevorstehende Rückrunde.
Sportkurier: Sie können auf eine erfolgreiche Vorrunde zurückblicken. Hatte die zweiwöchige Winterpause ausgereicht, um den Akku neu aufzuladen?
Kai Herdling: Ja, natürlich. Ich war zwischen Weihnachten und Neujahr mit Frau und Kind in London. Habe mir dort das Premier-League-Spiel Chelsea London gegen Liverpool im Stadion angeschaut. Eugen Polanski hat mir über seinen Freund André Schürrle Tickets besorgt. Danach ging es in die einwöchige, intensive Rückrundenvorbereitung nach Spanien.
Sportkurier: Wie lautet Ihre Vorrundenbilanz?
Herdling: Für mich haben wir definitiv zu wenig Punkte geholt. Zum einen waren viele Entscheidungen nicht zu unseren Gunsten und zum anderen haben wir in den Partien gegen Augsburg, Berlin und Braunschweig nicht die Leistung abgerufen, zu der wir in der Lage sind.
Sportkurier: Ein Auswärtssieg am letzten Spieltag in Braunschweig hätte für eine positivere Hinrunden-Bilanz gesorgt.
Herdling: Wir hatten zum Jahresende einen guten Lauf und wollten diesen mit drei Punkten am letzten Spieltag
gerne abschließen. Doch einige unverständliche Entscheidungen und unsere mäßige Leistung an diesem Tag verhinderten dies. Wir müssen mit unserer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft ganz geduldig und ruhig weiterarbeiten und unser Spiel weiter stabilisieren.
Sportkurier: Hoffenheim tut sich besonders gegen kampfstarke Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen schwer.
Herdling: Das war auch in früheren Spielzeiten schon ein Hoffenheimer Problem, das stimmt. Daran müssen wir kontinuierlich arbeiten, damit wir da hinkommen, um solche wichtigen Spiele zu gewinnen.
Sportkurier: Dies ist schon seit langem ein Wunschgedanke, geändert hat sich wenig.
Kai Herdling: Wir müssen über die Fehler untereinander reden, mehr miteinander kommunizieren und enger zusammenrücken. Das alles ist ein Reifeprozess einer jungen Mannschaft, mit der wir auf einem guten Weg sind.
Sportkurier: Wie sieht Ihr persönlicher Ausblick auf die Rückrunde aus?
Herdling: Wenn wir weiter so mit dem Trainerteam arbeiten, werden wir eine stabile Rückrunde spielen und die Punkte, die wir zuletzt liegen ließen, auch holen. Ich persönlich mache mir überhaupt keine Illusionen, nehme alles so wie es kommt. Damit bin ich immer sehr gut gefahren.
Sportkurier: Blickt man als Ältester im aktuellen Kader schon mit einem Auge auf das Karriereende?
Herdling: Ich kann mich im Alter selbst gut einschätzen, selbst reflektieren und weiß wo meine Stärken und Schwächen liegen. Man nimmt sich nicht mehr so wichtig, achtet mehr auf den Teamsport und versucht sich anzupassen. Den jungen Spielern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, das zähle ich ebenso dazu. Mit 29 Jahren weiß ich, dass ich nicht mehr so viele Chancen bekomme, deshalb versuche ich alles mitzunehmen was möglich ist. Ich lasse alles auf mich zukommen und gehe entspannt damit um.
Foto: Dortmunds Nuri Sahin (Nr.18) gegen Hoffenheims Kai Herdling (Nr.38) beim Spiel in der 1. Fußball Bundesliga, TSG 1899 Hoffenheim – Borussia Dortmund.
Sportkurier: Sie waren einer derer, die vom Trainerwechsel zu Markus Gisdol am meisten profitierten.
Herdling: Unser Trainer stellt nicht nach Alter sondern nach Leistung auf. Er hat die Gabe, nicht nur junge, sondern auch ältere Spieler noch besser zu machen – wie man in meinem Fall sieht.
Sportkurier: Die Verantwortlichen haben in der Winterpause keine großen personellen Veränderungen vorgenommen.
Herdling: Das ist richtig und finde ich positiv. Es spricht für die Qualität des Kaders und den vorhandenen Teamgeist. Wir haben einen richtig guten Spirit in der Mannschaft, alle fühlen sich sehr wohl im Verein. Unser Trainer legt auf die Kameradschaft, sowie das Miteinander sehr großen Wert und geht gezielt seinen vorgegebenen Weg.
Sportkurier: Die Vorbereitung verlief bislang sehr positiv.
Herdling: Das ist richtig. Wir konnten alle unsere vier Testspiele gewinnen und er Konkurrenzkampf zum Rückrundenstart am Samstag in Nürnberg ist sehr groß. Ich wünsche mir einen guten Rückrundenstart – den Rest lassen wir auf uns zukommen.
Fotos: Rhein-Neckar Picture
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