Die besondere Gefühlswelt des 1899-Coachs am Samstag
Die besondere Gefühlswelt des 1899-Coachs am Samstag
Archiv | erstellt am Fr. 27.09.2013
„Schon als Kind war ich FC-Anhänger und versuchte möglichst viele Spiele zu verfolgen. Schalke war immer mehr als eine Mannschaft, Idole gab es viele.“ Ein ganz besonderes Idol oder Vorbild hatte der gebürtige Geislinger zwar keines, aber dafür versuchte er auf dem Fußballplatz die Fallrückzieher von Stürmerlegende Klaus Fischer nachzumachen.
Foto; TSG-Chefcoach Markus Gisdol outet sich als Schalke-Fan.
Gisdol weiter: „Trikots, wie es heute der Fall ist, gab es damals nicht überall zu kaufen. Daher habe ich ein weißes T-Shirt genommen, wo meine Mutter dann das Schalke-Logo aufgenäht hat.“
Für den Sportlehrer muss es etwas ganz besonderes gewesen sein, dass er in der Zeit von 2011-2012 als Co-Trainer unter Ralf Rangnick und anschließend Huub Stevens den Traditionsverein trainieren durfte: „Ich hatte zwei tolle und erfolgreiche Jahre in Gelsenkirchen, die ich nie vergessen werde.“ Nach der Entlassung von Stevens war der Schwabe selbst als Nachfolger im Gespräch. Am Ende fiel die Entscheidung aber zugunsten des jetzigen Trainers Jens Keller.
Foto: Sinsheim 03.11.12, 1.Fußball Bundesliga, TSG 1899 Hoffenheim – FC Schalke 04, Schalkes Ibrahim Afellay und Schalkes Jefferson Farfan freuen sich ueber den Treffer von Schalkes Atsuto Uchida.
Eine Konfliktsituation gibt es für den 43-jährigen Fußballlehrer am Samstag dennoch nicht: „Ich liebe meinen Job hier bei der TSG und bin froh hier arbeiten zu dürfen. Deshalb gehen meine Gefühle dahin, zwei Mal in der Saison Spiele auszublenden.“
Man spürte ihm an, dass er besonders ehrgeizig und erfolgsorientiert auf die nächste Partie wirkt. „Dieses Spiel ist für uns Gelegenheit unser Gesicht zu zeigen, deutlich zu machen, was wir zu leisten in der Lage sind.“ Auf Nachfrage des Sport-Kuriers, ob er das Schalke-Spiel als Schlüsselspiel für den weiteren Saisonverlauf sehe, wollte er nicht eingehen.
Auch 1899-Kapitän Andy Beck ist heiß auf die Samstagspartie, was er im Gespräch mit dem Sport-Kurier nochmals deutlich machte: „Schalke gehört zu den Topp-Mannschaften der Liga, was sie immer wieder unter Beweis stellen. In unseren Heimspielen haben wir schon des öfteren gegen sie gepunktet und ihnen das Leben schwer gemacht. Ich erwarte ein ähnlich knappes Spiel wie zuletzt beim 2:1 Heimerfolg gegen Mönchengladbach.“ Beck sieht die Königsblauen „als besonders schwere Nuss“, gegen die es schwierig wird die eigene, dominante Spielweise aufzuziehen und dem Gegner damit Probleme zu bereiten.
Auf das Wiedersehen mit dem Schalker zehn Millionen Star-Neuzugang Kevin-Prince Boateng freut sich der Rechtsverteidiger ganz besonders: „Ich kenne Kevin schon unfassbar lange – seit gemeinsamen Jugendzeiten. Mit der B- und A-Jugend des VfB Stuttgart habe ich mich öfters gegen ihn, als er noch bei Hertha BSC Berlin spielte, duelliert.“
Foto: Hoffenheims Tarik Elyounoussi (Nr.14) scheitert an Cottbus Robert Almer (Nr.1) beim Spiel im DFB Pokal, TSG 1899 Hoffenheim – FC Energie Cottbus.
Letztmals spielten beide gemeinsam für die deutsche U21-Nationalmannschaften, ehe der eine Woche ältere Boateng sich 2010 für die ghanaische Nationalmannschaft entschied, wo er bislang neun Mal zum Einsatz kam. Seitdem der gebürtige Berliner ins Ausland wechselte, kreuzten sich ihre Wege nicht mehr.
Beck sieht den Schalker Mittelfeldantreiber als herausragenden Fußballer mit außergewöhnlichen Qualitäten: „Persönlich hat sich Kevin enorm entwickelt und in jeder Mannschaft, wo er zuletzt gespielt hat, zu einer Führungspersönlichkeit entwickelt. Er passt zu Schalke.“
Auch Boateng ist heiß auf das Spiel: „Wir möchten die Heimniederlage gegen die Bayern wieder wettmachen und aus Hoffenheim nicht mit leeren Händen nach Hause fahren.“ Man darf gespannt sein, wie das Duell der beiden ehemaligen Weggefährten enden wird. Die Bilanz von vier Siegen, drei Unentschieden und drei Niederlagen spricht knapp für die Kraichgauer. Die TSG hat aktuell die beste Trefferquote der Liga (nicht einmal sechs Schüsse pro Tor). Zudem fielen bei Spielen mit Hoffenheimer Beteiligung die meisten Tore (30). Das jüngste Bundesligateam (Schnitt 24,5 Jahre) kassierte zu Hause im Schnitt gegen keinen aktuellen Bundesligisten weniger Gegentore als gegen Schalke (0,8 pro Partie), das bislang, wie Mönchengladbach, noch nie bei 1899 gewinnen konnte.
Der 28. September ist für die Hoffenheimer ein ganz besonderes Datum. Es ist der Jahrestag vom Unfall des 1899-Profis Boris Vukcevic. Gisdol: „Wir werden am Samstag ganz besonders an Boris denken und dies in positive Energie umsetzen. Er wird uns ganz besonders die Daumen drücken und wir wollen ihn nicht enttäuschen.“
Gisdol besuchte kürzlich Vukcevic in der Heidelberger Reha, wollte aber auf Wunsch der Eltern nichts in der Öffentlichkeit preis geben. Wie zu vernehmen war, werden sich die Eltern jetzt über die Medien sich erstmals zum Gesundheitszustand ihres Sohnes äußern.
Fotos: Rhein-Neckar Picture