Der VfR Mannheim 2013
Der VfR Mannheim 2013
Archiv | erstellt am Di. 10.12.2013
Nur 19 Habenpunkte stehen zu Buche. Die logische Konsequenz nach 20 Spieltagen: Abstiegsplatz.
Abstiegsgefahr und Fluktuation
Vor der Saison hätten die kühnsten Pessimisten nicht mit einem solchen Abstiegskampf gerechnet. Zwar gab es nach dem Wechsel von Kenan Kocak zum SV Waldhof Mannheim 07 eine größere Fluktuation im Kader der Rasenspieler, aber das war ja eigentlich nichts Neues beim Oberligisten. Auch der heutige Waldhof-Trainer musste in der Saison 2012/2013 insgesamt 16, 17 Spielerabgänge durch Neuzugänge kompensieren. Am Ende stand durch eine gelungene Einkaufspolitik der3. Platz in der Endabrechung – ein großer Erfolg für die Mannheimer, die im Jahr zuvor sogar die Vizemeisterschaft in der Oberliga errungen hatten.
Foto: Stephan Groß bei seiner Vorstellung als neuer Coach des VfR Mannheim. Links Friedrich Lutterkort – rechts im Bild Geschäftsführer Sven Wolf.
Stephan Groß bekam große Vorschusslorbeeren
Für den abgewanderten Kenan Kocak kam der allseits bekannte Ex-Bundesligaprofi Stephan Groß als neuer Trainer. Die Tätigkeit als Coach beim VfR Mannheim ist eine Herzensangelegenheit für mich“, sagte „Stepse“ Groß bei seiner Vorstellung. Und Friedrich Lutterkort kam auf der Pressekonferenz sogar mit einem Seitenhieb auf Kenan Kocak daher. „Stephan Groß ist ein noch engagierterer Trainer, als es Kenan Kocak war. Er ist der Jupp Heynkes der Oberliga“, so der Sportvorstand vollmundig. Nicht nur den anwesenden Journalisten rang diese aus den Fingern gezogene Aussage ein müdes Lächeln ab, war doch noch lange nicht der Nachweis erbracht, in die Fußstapfen eines zuvor sehr erfolgreich arbeitenden Kenan Kocak getreten zu sein. Stephan Groß hatte in seiner Trainerlaufbahn vornehmlich Jugendmannschaften erfolgreich trainiert und war über Jahre hinweg Leiter des Jugend-Förderstützpunktes beim SV Waldhof gewesen.
Foto: Szene aus dem Testspiel vor der Saison 13/14 gegen das Perspektivteam des SV Waldhof (1:1).
Kader zusammengestellt
In Windeseile schmiedete Trainer Stephan Groß einen neuen Kader für die bevorstehende Saison 13/14. Viele namhafte Spieler wurden verpflichtet. Die meisten Neuzugänge hatten Regionalligaerfahrung, spielten aber bei näherer Betrachtung bei ihren vorherigen Vereinen zumeist keine besondere Rolle mehr. So titelte auch der Sportkurier vor Saisonbeginn in einer größeren Analyse: „Dieser VfR Mannheim wird trotz namhafter Neuzugänge bei weitem nicht das Niveau der Vorjahre erreichen.“
Test- und Pokalspiele noch zufriedenstellend
Die Vorbereitung verlief noch durchschnittlich und im Badischen Krombacher Pokal fertigte man den Landesligisten VfB Gartenstadt und den Kreisligisten SG Wiesenbach deutlich ab. Die Erwartungshaltung war groß im Umfeld der Mannheimer, aber die Verantwortlichen und die Fans wurden bitter enttäuscht. Woche für Woche blieb die Groß-Elf in der Liga ohne dreifachen Punktgewinn. Viele Remis und einige Niederlagen ließen das Team in der Tabelle immer weiter abrutschen. Auch nach 17 Spieltagen hatte der VfR Mannheim noch immer keinen einzigen Saisonsieg errungen und stand auf dem vorletzten Tabellenplatz.
Foto: Fehleinkauf: Patrick Marschlich kam in der gesamten Hinrunde nur auf zwei Einsätze. Wie schon bei seinen Stationen zuvor, bremste ihn erwartungsgemäß eine Verletzung aus.
Rücktritt von Stephan Groß
Stephan Groß kam wohl den Verantwortlichen des Clubs mit seinem Rücktritt im November 2013 zuvor. „Ich übernehme die sportliche Verantwortung und stelle mein Amt zur Verfügung“, sagte Stephan Groß nach der 4:2 Niederlage beim 1.FC Heidenheim II, der bei diesem Spiel mit acht Spielern aus dem Drittligakader angetreten war. Hinter vorgehaltener Hand wurde jedoch schon längere Zeit gemunkelt, nicht alle Spieler seien mit dem Training und der Taktik von Stephan Groß zufrieden gewesen.
Foto: Zum Schluss wurde es um Stephan Groß herum einsam. Keinen Sieg, enttäuschte Anhänger – Abstiegsgefahr.
Christian Klein wird neuer Trainer
Der Verein führte nach dem Rücktritt von Stephan Groß sehr viele Gespräche mit Bewerbern, darunter auch einigen namhaften und bekannten Übungsleitern. Die Entscheidung fiel auf einen weniger bekannten Trainer, auf Christian Klein. Der 35- jährige überzeugte in zwei Gesprächen mit den Vereinsverantwortlichen. Vor seinem Engagement bei den Rasenspielern trainierte Christian Klein den Verbandsligisten FC Germania Friedrichstal, war
danach Co-Trainer von Rainer Scharinger beim österreichischen Zweitligisten SC Rheindorf Altach, bei dem er auch nach der Entlassung von Scharinger, hätte weiterarbeiten können. „Wir sind von Christian Klein absolut überzeugt und haben ein sehr gutes Gefühl bei der Entscheidung“, sagte VfR-Geschäftsführer Sven Wolf auf der
Pressekonferenz.
Foto rechts: Christian Klein bei der Pressekonferenz, anlässilich seiner Vorstellung als Nachfolger von Stephan Groß.
Die offene und sympathische Art des neuen Coaches kam im näheren Umfeld des VfR Mannheim sofort sehr gut an. „Ich bin von der Qualität der Mannschaft überzeugt. Wir brauchen Erfolgserlebnisse, damit die Spieler diese Blockade aus dem Kopf bekommen. In den nächsten Wochen hat jeder Spieler die Gelegenheit sich zu empfehlen. Klar ist auch, der Kader muss verkleinert und qualitativ verbessert werden. In der Offensive müssen wir nachlegen, denn da haben wir die größten Probleme“, traf Klein gleich die klaren Ansagen.
Im zweiten Spiel unter der Regie von Christian Klein den ersten Sieg der Saison eingefahren
Das erste Spiel gegen den FC Villingen endete 1:1 Unentschieden. Es war das 12. Remis der laufenden Saison. „Ich beschäftige mich nicht mit den vielen Remis vor meiner Zeit. Ich beginne hier bei Null und wir werden auch wieder Spiele gewinnen“, so Klein nach dem Auftakt gegen die Schwarzwälder. Insbesondere mit dem Spiel in der 2. Halbzeit war Klein sehr zufrieden. „Da haben wir das Spiel klar bestimmt, vergaben einen Strafstoß und hatten in der Schlussphase einen Lattentreffer. Die Leistung stimmt mich zuversichtlich.“ Die Woche darauf ging es zum Tabellenletzten nach Oberachern. In einem überlegen geführten Spiel erzielte Piero Adragna in der 2. Halbzeit die 0:1 Führung. Hans Kyei stellte mit dem Treffer zum 0:2 in der Nachspielzeit den ersten Saisonsieg sicher.
„Uns ist natürlich allen ein Stein vom Herzen gefallen. Der Sieg war ungemein wichtig für die Spieler und vor allem für deren Selbstvertrauen“, zeigte sich der 35- Jährige zufrieden. „Wir müssen jetzt gegen den unmittelbaren Konkurrenten im Abstiegskampf, den Bahlinger SC nachlegen“, so die Kampfansage von Klein vor dem letzten Spiel vor der Winterpause.
„Ich glaube an den Klassenerhalt.“
Bis zur 80. Minute führten die Mannheimer am Samstag mit 1:0 Toren – dann erzielten die Bahlinger per Strafstoß den 1:1 Ausgleich. Es war das 13. Remis im 20. Spiel. Nun geht es in eine lange Winterpause und beim VfR Mannheim wird man sicherlich nicht untätig bleiben, denn das Offensivproblem ist mehr als augenscheinlich. In der Winterpause einen Stürmer zu verpflichten, der auch gleichzeitig die entsprechende Klasse hat, das wird ein schwieriges Unterfangen sein.
„Ich glaube an den Klassenerhalt, ansonsten wäre ich hier nicht angetreten, so Christian Klein. Eines scheint indes klar, beim VfR Mannheim wird man wohl bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt in der Oberliga Baden-Württemberg zittern müssen.
Fotos: Rhein-Neckar Picture Bild 2 und 6 VfR