Der Sportkurier im Interview mit Hoffenheims Keeper Koen Casteels
Der Sportkurier im Interview mit Hoffenheims Keeper Koen Casteels
Archiv | erstellt am Di. 22.10.2013
Der ruhige und sympathische Schlussmann hat in den zurückliegenden zwei Jahren eine tolle Entwicklung genommen und sich nicht nur in der Bundesliga (25 Einsätze) etabliert sondern auch für den Nationalmannschaftskader empfohlen.
Casteels wechselte im Sommer 2011 von der belgischen Talentschmiede KRC Genk in den Kraichgau und unterschrieb einen Vierjahresvertrag. Nach guten Leistungen in der U23 empfahl er sich für das Bundesligateam und wurde hinter Tim Wiese und später Heurelho Gomes die Nummer zwei. Als sich Gomes am 5. April, beim Debüt von Markus Gisdol als 1899-Coach, die Hand brach nutzte Casteels seine Chance zur neuen Nummer eins.
Foto: Szene aus dem Bundesligaspiel TSG 1899 Hoffenheim gegen den 1.FC Nürnberg.
Internationale Erfahrungen sammelte der Musikliebhaber, der sich zusätzlich mit Kickboxen fit hält, bei 20 Einsätzen für die U19 und neun Spielen für die U21 Belgiens. Im Gespräch mit dem Sportkurier spricht er über den belgischen Höhenflug und seine WM-Chancen.
Sportkurier: Herzlichen Glückwunsch zum Erreichen der WM-Teilnahme. Belgien steht seit 2002 erstmals wieder im internationalen Fokus.
Koen Casteels: Es war schon beeindruckend, wie wir beispielsweise zu unserem letzten Qualifikationsspiel in Brüssel empfangen wurden. Die Fans haben ein tolles Spektakel geboten und uns richtig gefeiert. Aber wir haben auch eine richtig gute Mannschaft und wussten, dass wir gute Chancen haben in Brasilien dabei zu sein, wenn wir unsere beste Leistung bringen.
Sportkurier: Die junge, ehrgeizige und hochtalentierte belgische Nationalmannschaft gilt als dynamisch und physisch stark. Welches sind für Sie weitere Erfolgsgaranten der „Roten Teufel“?
Koen Casteels: Es stimmt schon, dass wir viele gute Einzelspieler haben. Aber es funktioniert auch bestens als Team. Jeder einzelne bringt sich für die Mannschaft voll ein. Das ist auch ein Verdienst unseres Trainers Marc Wilmots.
Sportkurier: Für viele Fußballexperten ist Belgien, das innerhalb eines Jahres in der FIFA-Weltrangliste von 53 auf vier vorsprang, sogar ein WM-Geheimfavorit.
Koen Casteels: Soweit wollen wir nicht blicken. Wir freuen uns jetzt erst mal, dass die Qualifikation gelungen ist. Was im nächsten Jahr möglich ist, wird man dann im Laufe des Turniers sehen. Das hängt von vielen Faktoren ab.
Sportkurier: Die belgische Torwartlegende Jean-Marie Pfaff stand bei den bisher größten Erfolgen (EM-Zweiter 1980 in Italien) und WM-Vierter 1986 in Mexiko) zwischen den Pfosten. Ist er für Sie ein Vorbild?
Koen Casteels: Jean-Marie Pfaff war sehr erfolgreich und ist in Belgien immer noch sehr beliebt. Ich habe ihn aber selbst nicht mehr spielen sehen. Da sich das Torwartspiel aber doch stark verändert hat und die Anforderungen deutlich zugenommen haben, orientiere ich mich eher an anderen Torleuten.
Sportkurier: Die meisten Nationalspieler stehen bei ausländischen Vereinen, gleich elf davon in der englischen Premier League, unter Vertrag. Mit dem Münchner van Buyten zählen Sie als zweiter Bundesliga-Legionär zum erweiterten Kader.
Koen Casteels: Das ist richtig. Wir haben viele Spieler in den Topligen. Das sehe ich als großen Vorteil, wenn man sich regelmäßig mit den besten misst.
Foto: Szene aus dem Bundesligaspiel TSG 1899 Hoffenheim gegen Hannover 96.
Sportkurier: Mit Simon Mignolet (25) und Thibaut Courtois (21) haben Sie zwei große Talente als Mitkonkurrenten im Kampf um die Nummer eins. Welche Chancen rechnen Sie sich aus, noch auf den WM-Zug nach Südamerika aufzuspringen?
Koen Casteels: Es sind noch acht Monate bis zur WM und in der Zwischenzeit kann einiges passieren. Ich versuche mich weiter mit guten Leistungen hier bei der TSG und auch bei der Nationalmannschaft zu empfehlen und hoffe natürlich, dass ich dabei sein kann.
Sportkurier: Die spektakuläre Hoffenheimer Spielweise mit durchschnittlich fünf Treffern pro Partie ist zwar für den Zuschauer unterhaltsam, für einen Torhüter eher weniger. Nerven Sie die vielen Gegentreffer?
Koen Casteels: Nerven würde ich nicht sagen. Natürlich hätten es gerne ein paar weniger sein können, aber ich sehe mich als Teil der Mannschaft. Wir gewinnen und verlieren gemeinsam und das trifft auch auf jedes Tor zu. Durch unseren offensiven Fußballstil stehen wir sehr hoch und versuchen den Gegner noch in der eigenen Hälfte unter Druck zu setzen. Dadurch stimmt noch nicht immer die Abstimmung in der Rückwärtsbewegung, aber wir arbeiten intensiv daran, dass es besser wird.
Fotos: Rhein-Neckar Picture
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