Der Sportkurier im Interview mit 1899 - Jungprofi Niklas Süle
Der Sportkurier im Interview mit 1899 – Jungprofi Niklas Süle
Archiv | erstellt am Sa. 09.11.2013
Foto oben: Niklas Süle ist wie viele andere 1899-Profis begeisterter Leser des Sportkurier-Magazins.
Von hier ging wechselte er über Eintracht Frankfurt und SV Darmstadt 98 im Winter 2009/10 zur U15 von 1899 Hoffenheim. Schon als 16-Jähriger absolvierte er Trainingseinheiten mit dem Profi-Kader. Der gebürtige Frankfurter, der mit der U17-Vize-Europameister wurde, zählt aktuell zur Stammformation der U18-Nationalmannschaft.
Als kopfballstarker Abwehrhüne verfügt er trotz seiner kräftigen Statur über eine feine Technik und eine exzellente Spieleröffnung. Im Gespräch mit dem Sportkurier blickt Hoffenheims Youngster auf seine Gefühle nach dem ersten Bundesligatreffer zurück, was er von seinem Trainer hält, wie er die Ratschläge eines Vize-Weltmeisters annimmt und wie er in der Schule gefördert wurde.
Foto: Hamburgs Petr Jiracek (Nr. 19) gegen Hoffenheims Niklas Suele (Nr. 45) beim Spiel in der 1. Liga zwischen 1899 Hoffenheim und dem Hamburger SV.
Sportkurier: Hand aufs Herz, wie oft haben Sie die Szene, die zu ihrem ersten Bundesligatreffer gegen die Bayern führte, nach dem Spiel noch vor Augen gehabt?
Sportkurier: Den Moment, wo ich das 1:0 mache, habe ich zunächst nicht so richtig wahrgenommen. Ich rannte in die Kurve der Gästefans und habe dort gejubelt – Das sagt schon alles. Ich wusste im ersten Moment nicht, wie ich damit umgehen soll. Erst nach dem Spiel ist mir richtig klar geworden, dass ich gegen die beste Mannschaft Europas ein Tor gemacht habe – ein tolles Gefühl. Lieber hätte ich jedoch Punkte mitgenommen, als diesen Treffer zu erzielen.
Sportkurier: Nach dem Bayern-Spiel gab es viel Lob für Sie. Unter anderem wurden Sie von einer Boulevard-Zeitung als „Hoffenheims größtes Talent“ bezeichnet.
Süle: Es ist schön, wenn meine Leistungen gut bewertet werden. Ich habe versucht das Vertrauen vom Trainer zurück zu geben und genieße jede Spielminute, die er mir ermöglicht. Gegen einen Gegner wie Bayern München geht man mit einer ganz besonderen Anspannung in die Partie und möchte sein Bestes geben.
Sportkurier: Während die Trainer Holger Stanislawski und Markus Gisdol große Stücke auf Sie halten, verkannte Markus Babbel Ihr Talent und sprach Ihnen Bundesligareife ab.
Süle: Damals war ich noch ziemlich jung und von der sportlichen Qualität nicht ganz so weit, um stabil auf hohem Niveau spielen zu können. Als Spieler bist du immer ehrgeizig, willst immer spielen. Deshalb gab es auch Phasen, in denen ich enttäuscht war. Aber das spielt jetzt keine Rolle mehr. Ich habe in Markus Gisdol nun einen Trainer, der mir vertraut und hilft, mich ständig weiter zu verbessern.
Foto: Jungprofi Niklas Süle (rechts) im Zweikampf mit dem erfahrenen Nationalspieler Philipp Lahm vom FC Bayern.
Sportkurier: Hoffenheim hat im ersten Saisondrittel positiv überzeugen können. Die Mannschaft hat die große Chance in den nächsten Spielen gegen Augsburg, Bremen und Frankfurt sich tabellarisch zu verbessern.
Süle: Wir müssen das Positive der letzten Spiele, die wir alle sehr gut bestritten haben, mitnehmen. Wichtig dabei, dass wir in unseren Leistungen noch stabiler werden, nicht auf die Tabelle schauen und nur unsere sportliche Entwicklung im Auge behalten.
Sportkurier: Ihr Trainer Markus Gisdol hält große Stücke auf Sie.
Süle: Ich genieße das Vertrauen des Trainers. Er hat mich vier Mal von Beginn an gebracht und durchspielen lassen. Auch in der Endphase der letzten Saison schenkte er mir in den wichtigen Spielen in Hamburg, Dortmund und Kaiserslautern sein Vertrauen. Ich schätze ihn sehr als Mensch und Trainer. Er sagt mir, was ich besser machen kann und lobt mich für gute Leistungen. Jeder unserer Spieler kommt gut mit ihm zurecht und weiß wo er seinen Platz hat bei ihm.
Sportkurier: Sicherlich ist es für einen jungen Spieler wie Sie von Vorteil, dass er die 1899-Philosophie schon in der Jugend verinnerlicht bekam.
Süle: Die Arbeit in unserem Nachwuchsleistungszentrum ist eng auf die Spielphilosophie und taktische Ausrichtung der Profimannschaft abgestimmt. Die Jugendtrainer vermitteln schon sehr früh diese Tugenden. Natürlich ist es deshalb für mich ein Vorteil, dass ich schon seit der C-Jugend in Hoffenheim bin, ich konnte schon vieles verinnerlichen. Bei Robin Szarka, Kenan Karaman, Jeremy Toljan und Patrick Schorr ist es ja ähnlich.
Foto: Der erste Bundesligatreffer von Niklas Süle im Spiel gegen den FC Bayern. Nach einem Fehler von FCB-Keeper Manuel Neuer netzte Süle zur Hoffenheimer 1:0 Führung ein.
Sportkurier: Sie werden vom ehemaligen Nationalspieler und Weltklasse-Vorstopper Karlheinz Förster beraten. Inwieweit können Sie von seinen fußballerischen Ratschlägen profitieren?
Süle: Karlheinz Förster ist neben seinem fachlichen Wissen und großen sportlichen Erfahrung für mich ein super Mensch. Er hat in seiner Karriere sehr viel erreicht, was mich zusätzlich anspornt und als Vorbild dient. Er lobt, tadelt und sagt, was ich verbessern kann.
Sportkurier: Die Spiele für die U-Nationalmannschaften gehören auch zur sportlichen Weiterentwicklung. Inwiefern haben Sie davon profitiert?
Süle: Die Spiele in den Jugend-Nationalmannschaften waren ein wichtiger Bestandteil in meiner Entwicklung. Vor allen die Spiele mit der U17 bei Turnieren auf internationalem Niveau waren sehr lehrreich und haben mir sehr viel Erfahrung gebracht. Für mich war es immer eine besondere Anerkennung, zu den Besten eines Jahrgangs zu zählen.
Sportkurier: Es fehlten nur Sekunden, zum U17-Europameistertitel. Für Sie die bislang größte sportliche Enttäuschung?
Süle: Direkt nach der unglücklichen Finalniederlage in Ljubljana gegen die Niederlande war es eine sehr große Enttäuschung, die mir auch länger nachging. Im ganzen Turnier hatten wir kein Gegentor bekommen und mein erster großer Titel war zum Greifen nah. Im Nachhinein ist es eine große Erfahrung für mich, die mich lehrte auch mit negativen Dingen besser umzugehen. Mein Blick zielt nun auf die U19- Europameisterschaft nächstes Jahr in Ungarn.
Sportkurier: Sie haben im Sommer in Sinsheim die Mittlere Reife in der Kraichgau-Realschule, die seit 2008 zur „Eliteschule des Fußballs“ zählt, absolviert. Beschreiben Sie die Vorzüge dieser Kooperation zwischen Schule und Verein.
Süle: Für mich war die Kooperation sehr von Vorteil. Die Schule hat mir den Lehrstoff, den ich aufgrund meines Fehlens durch Training und Nationalmannschaftslehrgänge versäumte, nachgereicht und so konnte ich das mit Hilfe eines Nachhilfelehrers aufholen. Hätte ich diese Möglichkeiten nicht gehabt, wäre es für mich sehr schwer geworden. Die Kooperation mit der Realschule ist super gelaufen.
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