„Herzschlagfinale im Kraichgau“

„Herzschlagfinale im Kraichgau“

„Herzschlagfinale im Kraichgau“

Archiv Volleyball | erstellt am So 08.01.2012

Die Ausgangssituation eine knappe Stunde zuvor; es stand bereits 0:2 und 17:21 bzw. 20:23, Potsdam fehlten lediglich zwei Punkte bis zum 3:0 Spielgewinn. Bis auf Wenige in der Halle, ausgenommen einer nie resignierenden Mannschaft der envacom volleys sinsheim und natürlich des Fanclubs hätten daran geglaubt, dass diese Partie nochmals gedreht werden könnte. „Es ist immer alles möglich, du darfst nur nicht aufhören daran zu glauben“ so ein freudestrahlender Trainer Stefan Bräuer. Mit ihrem Glauben und einer unbändigen Moral hatten die envacom volleys sinsheim Berge versetzt, sich raus gekämpft zum Befreiungsschlag ausgeholt und ein verloren geglaubtes Spiel zum 3:2 (20:25, 17:25, 25:23, 25:21, 16:14) Satzsieg gedreht.

Die Protagonisten dieses Spiels haben größtmögliche Werbung für den Volleyballsport gemacht, diese Spannung und Dramatik gibt es nur hier. Freudenstrahlende, erlöste und erleichterte Gesichter überall in der Messehalle 6 nach diesem nahezu 2,5 Stunden dauernden Krimi und Fans, die auch Stunden nach dem Spiel noch mit gefühltem Herzkammerflimmern in facebook von atemberaubend bis überragend sprachen. „Wir waren weg vom Fenster und sind noch einmal zurück gekommen, diese Signalwirkung haben wir gebraucht, ich bin stolz auf mein Team, endlich haben wir den verdienten Lohn für die letzten Wochen erhalten“ Stefan Bräuer hat in seiner Karriere als Trainer schon Vieles erlebt und bis zum Ende an seine Spielerinnen, sein Team geglaubt.

Dabei verlief der Start in die Partie alles andere als verheißungsvoll für die envacom volleys sinsheim. „Wir haben alles um dieses Spiel zu gewinnen“ hatte Potsdams Trainer Alberto Salomoni vor der Partie verkündet und entsprechend druckvoll startete sein Team. 3:1 und 4:2 Führung im Satz 1, die Kraichgauer waren stets 1-2 Punkte zurück, keine gute Ausgangsposition, wenn man ein Spiel gewinnen „muss“.

Beide Teams schlugen geschickt auf, die jeweiligen Liberos konnten ihren Part nicht entsprechend wahr nehmen und Potsdam hatte mit der Argentinierin Lucia Daniela Fresco eine überragende Diagonale, die zusammen mit Patricia Grohmann und Laura Weihenmaier im ersten Satz eine Angriffsquote von beeindruckenden 64 Prozent erreichten. Genug um den ersten Satz mit 25:20 zu gewinnen.

„Es hat eine Weile gedauert bis wir unsere Nerven im Griff hatten“. Der Start in Satz 2 verlief ausgeglichener; Luise Mauersberger mit einem Warnschuss zum Start, eine Tammy Mahon, die mit „Auge“ spielte, Ana Jakšic, die sich auf der Mitte durchsetzte und auch der eigene Block stand. Nach einem Aufschlagass von Ann-Christin Quade zum 12:11 war die Konzentration für ein paar Minuten weg, dies nutzte Potsdam mit einem Zwischenspurt zum 18:14. Marie Frick kam für Katharina Stauß und machte das Spiel schneller, Libero Diana Castaño kratzte einen Ball vom Boden weg und Luise Mauersberger donnerte ihn rein. Es sollte nicht mehr reichen, Potsdam vollendete mit 25:17 zur 2:0 Satzführung.

In den dritten Satz starteten die envacom volleys sinsheim in veränderter Aufstellung mit Marisa Field, Rebecca Schäperklaus und Marie Frick. „Ich musste etwas verändern, wir standen mit dem Rücken zur Wand“. Stefan Bräuer nutzte alle Wechselmöglichkeiten und jede Spielerin fügte auf ihre Art die nötigen Mosaiksteinchen zum Erfolg bei. Das verdiente Quäntchen Glück sollte sich aber erst am Satzende einstellen. 20:23, quasi in allerletzter Sekunde packte Martina Jakubšová den Hammer aus, die Feldabwehr fightete um jeden Ball, der Block war präsent und die Zuschauer standen, die Halle tobte beim 25:23 Satzgewinn zum ersten Mal.

War das nun der gelöste gordische Knoten oder sollte es nur ein Strohfeuer bleiben? Die envacom volleys sinsheim fighteten weiter, entschieden nahezu alle langen Ballwechsel zu ihren Gunsten, ein offener Schlagabtausch, Nora Götz trumpfte über die Mitte, der Block ein unüberwindbares Bollwerk, aber auch Potsdam nutzte seine Chancen. 18:18 und es war wieder Zeit für Martina Jakubšová, die am Ende zu Recht als wertvollste Spielerin geehrt wurde. 25:21 der Satzausgleich war geschafft, der Hexenkessel brodelte weiter.

Katharina Stauß Aufschlagass leitete den fünften Durchgang ein. Die Kraichgauer kämpften weiter, flogen bei der Feldabwehr in die Werbebanden, nichts sollte mehr dem Zufall überlassen werden. Bei der 6:2 Führung sollte doch die „Messe gelesen“ sein, nicht jedoch im gestrigen Krimi. 2 – 3 unglückliche Bälle und ein SC Potsdam der seinerseits alles in die Waagschale warf, sieben Punkte in Folge machte und auf 9:6 davon zog. 8:12 gar der Rückstand.

Das Blatt sollte sich noch mal wenden, ein Riesenblock gegen Lucia Daniela Fresco, ein weiterer von Luise Mauersberger, immer noch Rückstand und beim 12:14 gar zwei Matchbälle für Potsdam. Nachdem der erste abgewehrt war wurde Kathrin Neumaier zum Aufschlag eingewechselt, servierte bestens, und Ann-Christin Quade zimmerte mit ihrer jugendlichen Unbekümmertheit die nötigen Bälle ins Potsdamer Feld.

Grenzenloser Jubel nach dem 16:14 in der Messehalle. „Es freut mich für die Mädels, in der Summe ein Sieg mit allen Mannschaftsteilen, jeder einzelnen Spielerin, wir waren couragiert und mutig und dieses gemeinsame Erfolgserlebnis war so wichtig“ nicht nur Stefan Bräuer fiel nach der Partie ein großer Stein vom Herzen, der Start der Rückrunde ein Aufbruch in eine neue Zeitrechnung für die envacom volleys sinsheim.
 

Quelle: SV Sinsheim / Kahl – Bildrechte: Bildrechte Tobias Johmann, envacom volleys sinsheim
 

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