Machtspiele
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Archiv Verbände (Fußball) | erstellt am Di. 22.01.2013
Doch was sich im Vorfeld des Mannheimer Hallenmasters Finale abspielte, fällt unter die Rubrik: Darauf können wir gerne verzichten. Was war passiert?
Der Kreisschiedsrichterausschuss Mannheim entschied sich, keine Schiedsrichter für das Finalturnier abzustellen
Nachdem schon zuvor von Seiten der Schiedsrichter beim 19. MorgenMasters einige unangenehme Vorkommnisse beklagt wurden, eskalierte die Situation beim letzten Qualifikationsturnier. Ein Oberliga-Referee wurde nach einem Platzverweis gegen einen Spieler des LSV Ladenburg in und außerhalb der Halle massiv beleidigt. Es soll sogar eine Morddrohung gegeben haben. Der Schiedsrichter zog es vor, den Hinterausgang zu wählen und lehnte weitere Einsätze beim Hallenturnier ab. 
Die Schiedsrichtergilde des Fußballkreises solidarisierte sich und teilte 24 Stunden vor Beginn des Endturnieres mit, aufgrund der Vielzahl von Vorkommnissen keine Unparteiischen abstellen zu wollen. Die Veranstaltung drohte zu scheitern.
Verband akzeptierte die Mannheimer Entscheidung, entschied sich jedoch für eine Einteilung von Schiedsrichtern aus anderen Fußballkreisen
Der Ausrichter des Turniers (Mannheimer Morgen) und die veranstaltenden Vereine setzten sich im Kampf gegen die Zeit mit dem Badischen Fußballverband in Karlsruhe in Verbindung. Präsident Ronny Zimmermann und Geschäftsführer Uwe Ziegenhagen akzeptierten und tolerierten die Entscheidung der Mannheimer Schiedsrichter – entschieden sich dann jedoch mit Verbandsschiedsrichterobmann Jürgen Groh für eine Einteilung von Schiedsrichtern aus anderen Fußballkreisen, was danach nicht auf ungeteilte Zustimmung der Mannheimer Referees stieß.
Kollektives Abstrafen von Zuschauern, Turnierveranstaltern, Sportlern und Sponsoren wäre nicht verhältnismäßig gewesen
Im Fokus der Kritik steht beim Fußballkreis Mannheim nun auch der Präsident des Badischen Fußballverbandes, dem es in erster Linie mit zu verdanken war, dass das MorgenMasters doch noch ordnungsgemäß durchgeführt und beendet werden konnte. Durch diese Entscheidung des Verbandes wurde nicht nur das 19. MorgenMasters in letzter Sekunde gerettet, sondern was noch viel wichtiger ist, auch zukünftige MorgenMasters Veranstaltungen. Ein Abbruch wegen Nichtabstellung von Schiedsrichtern hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das zukünftige Turnier-Aus für dieses in der Region überaus beliebte Hallenturnier bedeutet.
Unter Abwägung aller Gesichtspunkte, war es die richtige Entscheidung, dieses Turnier mit Schiedsrichtern aus anderen Fußballkreisen fortzuführen. Kollektives Abstrafen von Zuschauern, Turnierveranstaltern, Sportlern und Sponsoren?
Nein, das wäre nicht verhältnismäßig gewesen.
Vorfälle sind bedauerlich und müssen aufgearbeitet werden
Die Vorfälle gegenüber den Mannheimer Schiedsrichtern sind sehr bedauerlich und durch nichts zu entschuldigen. Auch das wohl bei den Qualifikationsturnieren nicht ausreichend für Sicherheit und Ordnung, seitens der Veranstalter gesorgt wurde. Dies alles gehört aufgearbeitet und danach die richtigen Maßnahmen und Konsequenzen ergriffen. Aber dürfen dann auch nicht betroffene Schiedsrichter so weit gehen, ein ganzes Turnier kippen zu wollen?
Klare Antwort: Nein.
Foto: Das MorgenMasters ist für die Zuschauer und Sportler das größte und beliebteste Hallenturnier im Fußballkreis, dies beweisen auch die Zuschauerzahlen.
Wer denkt dabei an den Ausrichter des Turniers, an die Veranstalter – die tausende von Arbeitsstunden für die Ausrichtung einer solch großen Turnierserie inkl. Finale investierten. Wer denkt an die interessierten Zuschauer, die sich auf diese Veranstaltung gefreut haben. Wer denkt an die Teams, die sich vorbereitet hatten und von den Vorfällen nicht betroffen waren. Und wer denkt an den immensen, finanziellen Schaden – den die veranstaltenden Vereine erlitten hätten?
Der Sinn der Aktion, ein Zeichen setzen zu wollen, ist durchaus verständlich. Mit Sicherheit hat die Reaktion des Kreisschiedsrichterausschusses Mannheim und die Haltung des Fußballkreises Mannheim, keine Schiedsrichter für das MorgenMasters Finale abzustellen – eine Wirkung gezeigt. Es dürfte bei sehr vielen Fußballern, Trainern und Funktionären angekommen sein, dass ein solches Verhalten gegenüber den Schiedsrichtern so nicht mehr geduldet wird.
Aber es gilt auch zu bedenken, dass es ohne Ausrichter und Veranstalter von solch großen Hallenturnieren keinen Fußballsport mehr gäbe. Und sie sind auch nicht dafür verantwortlich, wenn einzelne Sportler ihre „gute Kinderstube“ vergessen haben.
Szene: Halbfinale zwischen dem SV Waldhof Mannheim und VfR Mannheim
Sei Fair zum 23. Mann, dieser Leitsatz muss wieder verstärkt in die Praxis umgesetzt werden
Die Konsequenzen aus diesen Vorkommnissen: Die Beteiligten der Vorfälle, die für diese hochexplosive Stimmung sorgten und dadurch auch zu einer internen Krise des Verbandes beigetragen haben, gehören mit aller Konsequenz bestraft. Diejenigen, die sich gegenüber den Schiedsrichtern auf dem Niveau eines „Unterteppichbodenfliegers“ benehmen, denen muss man die „Rote Karte“ zeigen – aber nicht Unbeteiligten.
Die Vorkommnisse gehören aufgearbeitet und alle Beteiligten müssen hier an einen runden Tisch, damit man bei der nächsten großen Veranstaltung als Einheit auftritt – Schiedsrichter, Ausrichter und Veranstalter. Dies ist möglich, denn durch erste Maßnahmen seitens der Veranstalter an den Finaltagen – hat man gesehen, wie fair eine solche Veranstaltung über die Bühne gehen kann, wenn man Präventivmaßnahmen ergreift und nicht nur „leere Versprechen“ abgibt. Und dazu hat auch die Reaktion der Mannheimer Schiedsrichter (KSA/Fuba-Kreis) beigetragen.
Sei Fair zum 23. Mann, dieser Leitsatz muss wieder verstärkt in die Praxis umgesetzt werden.
Foto 1: Marco Bschirrer Foto 2+3 Berno Nix
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