Der Sportkurier im Gespräch mit Harald Schäfer, dem Kreisvorsitzenden des Fußballkreises Mannheim
Der Sportkurier im Gespräch mit Harald Schäfer, dem Kreisvorsitzenden des Fußballkreises Mannheim
Archiv Verbände (Fußball) | erstellt am Mo. 20.01.2014
Der 53-jährige löste Ralph Kirchhoff ab, der eine Legislaturperiode dem Fußballkreis vorstand, danach auf eine weitere Kandidatur aus persönlichen Gründen verzichtete. Mit Schäfer trat kein „Newcomer“ in die Fußstapfen von Ralph Kirchhoff, sondern ein sehr erfahrener Verbandsfunktionär, der die Lücke nahtlos schloss, die sein Vorgänger hinterließ.
Vor etwas mehr als 18 Jahren widmete sich Schäfer schon dem Funktionärs-Dasein. 1995 war er bereits Staffelleiter für die B- und A-Jugend im Fußballkreis Mannheim. „Mein Vater war neben dem Jugendleiter beim SV Waldhof, auch Staffelleiter beim Fußballkreis. So bin ich eben damals zu diesem Funktionärsamt gekommen“, sagt der dreifache Familienvater, der in Hirschberg an der Bergstraße wohnhaft ist. 2004 wurde er Kreis-Jugendleiter und 2007 Verbands-Staffelleiter der C-B- und A-Junioren im Rhein-Neckar Kreis. Als 2006 der große Boom im Mädchenfußball einsetzte, da zeigte sich Schäfer auch noch als Staffelleiter für die C-und D-Jugend Mädchenfußball verantwortlich. 2011 holte ihn Ralph Kirchhoff in den Kreisvorstand mit den Aufgabengebieten Jugendfußball und Spielbetrieb zurück.
Wir haben uns in Weinheim mit dem Kreisvorsitzenden Harald Schäfer persönlich getroffen und dabei viele Fragen gestellt.
Sportkurier: Herr Schäfer, Sie sind seit Mai 2013 Chef beim Fußballkreis Mannheim. Haben Sie sich dieses Amt so schwer bzw. zeitintensiv vorgestellt?
HARALD SCHÄFER: Die Aufgaben, die dieses Amt mit sich bringen, die waren mir ja bekannt. Was den zeitlichen Aufwand betrifft, da lag ich etwas daneben in meiner Einschätzung, denn da muss ich schon so 20-25 Stunden pro Woche investieren. Man will ja immer das Beste herausholen und da lege ich auch großen Wert darauf, sehr präsent zu sein. Ich müsste jedoch häufiger delegieren, das ist noch so eine Schwäche von mir, die es abzulegen gilt.
Foto: Der Kreisvorsitzende beantwortete viele Fragen unserer Redaktion.
Sportkurier: Ihr Vorgänger Ralph Kirchhoff hatte am Ende seiner Legislaturperiode keinen besonders guten Draht mehr zum Präsidium des Badischen Fußballverbandes in Karlsruhe. Auslöser hierfür waren mitunter die Vorfälle beim MorgenMasters 2013 (wir berichteten). Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit dem Präsidium?
HARALD SCHÄFER: Es gilt viele Dinge auf den Weg zu bringen und wir müssen uns Tag für Tag den großen Herausforderungen stellen. Da ist eine gute Zusammenarbeit mit dem Präsidium des bfv eine grundsätzliche Voraussetzung. Es gibt da keinerlei Probleme und wir arbeiten sehr gut und konstruktiv mit dem Geschäftsführer Uwe Ziegenhagen und Präsident Ronny Zimmermann zusammen.
Sportkurier: Ein großes Problem war in der Vergangenheit die steigende Anzahl von Gewalt und Ausschreitungen auf den Fußballplätzen bzw. Sporthallen. Wie hat sich das entwickelt?
HARALD SCHÄFER: Die Vorfälle beim letztjährigen MorgenMasters waren so etwas wie ein Weckruf. Wir hatten bisher in 2013/2014 keine Spielabbrüche und auch keine Ausschreitungen. Das Thema wird jedoch nicht „ad acta“ gelegt. Der bfv hat z.B. im November 2013 beim SC Pfingstberg zu einer präventiven Veranstaltung „Gewaltprävention auf dem Sportplatz“ mit dem Referenten Rolf Karcher geladen. Leider haben an der Veranstaltung nicht sehr viele Vereinsvertreter teilgenommen. Wir werden hier weiterhin entsprechende Veranstaltungen anbieten, dabei die Ankündigung solcher Veranstaltungen mit einer längeren Vorlaufzeit ankündigen.
Sportkurier: Ein weiteres Problem ist in dem fehlenden Schiedsrichternachwuchs zu sehen. Woran liegt es?
HARALD SCHÄFER: Beispiel: Zu den Lehrgängen melden sich 15 Leute an und am Ende bleiben zwei, drei hängen. Einige hören schon während des Lehrganges auf, andere wenn Sie einige Spiele hinter sich haben, in denen Sie beleidigt und bepöbelt wurden. Das steckt nicht jeder neue und junge Schiedsrichter so einfach weg. Eine große Leidenschaft für die „Pfeiferei“ lässt sich so für viele nicht entwickeln.
Foto: Bei all dem Stress und den vielfältigen Aufgabenstellungen hat Harald Schäfer auch das „Lachen“ nicht verlernt.
Sportkurier: Was gedenkt man von Verbandsseite aus zu tun?
HARALD SCHÄFER: Im Fußballkreis Bruchsal läuft z.B. ein Pilotprojekt. Da bekommen neue Schiedsrichter einen „Paten“ an ihre Seite gestellt, der über einen längeren Zeitraum hinweg die Neulinge zu den Spielen begleitet und mit Rat und Tat zur Seite steht, damit diese sich sicherer fühlen und so auch nicht frühzeitig die „Flinte ins Korn“ werfen. Des Weiteren sensibilisieren wir natürlich weiterhin die Vereinsfunktionäre, Sorge dafür zu tragen, dass die Schiedsrichter auf den Fußballplätzen nicht ständig – nicht hinnehmbaren Einwirkungen von außen ausgesetzt sind. Ein weiterer Baustein ist eine installierte Strategiegruppe – um möglichst verstärkt junge Leute zu finden.
Sportkurier: Sollte sich in naher Zukunft kein entsprechender Nachwuchs finden, mit was müssen die Fußballer im Kreis Mannheim rechnen?
HARALD SCHÄFER: Wir haben an den Wochenenden 210 Schiedsrichter im Einsatz. Im Fußballkreis gibt es 105 Senioren-Mannschaften und 450 Jugendteams. Da gilt es die Spiele von oben nach unten zu besetzen und
natürlich auch nach Qualifikation. Das ist kein einfaches Unterfangen. Schon heute werden bis zur D-Jugend Kreisliga keine Schiedsrichter mehr gestellt, weil uns Personal fehlt. Diese Schraube könnte sich weiter drehen. Als nächstes könnte man die Kreisklasse C Mannheim nicht mehr mit Schiedsrichtern besetzen. Auch die Abstellung von Schiedsrichter-Assistenten in der Kreisliga könnte verstärkt diskutiert werden.
Sportkurier: Die Einführung des DFBnet-Moduls Spielbericht-Online in der Kreisliga und Kreisklasse A erfolgte problemlos. Seit dieser Saison wurde dies auch in den Kreisklassen B und C sowie im Jugendbereich eingeführt. Erfolgreich?
HARALD SCHÄFER: Natürlich gibt es hier und da einen Verbesserungsbedarf bei dem einen und anderen Verein. Auf die Clubs ist hier natürlich ein Mehraufwand zugekommen. Dazu kommt die Bereitstellung von Hardware. Aber grundsätzlich können wir von einer erfolgreichen Umsetzung sprechen. Wir sind hier auf einem guten Wege.
Sportkurier: Der Fußballkreis hat sich auch dem sozialen Engagement verschrieben. In der Vergangenheit fanden auch Benefizspiele statt. Der Erlös aus solchen Spielen wurde für soziale Zwecke verwendet. Hat sich das Engagement bewährt?
HARALD SCHÄFER: Das muss man differenziert sehen. Die Ressonance bei den Spielen war nicht gut bzw. auf keinen Fall zufrieden stellend. Der Aufwand dagegen, die Teams zusammenzustellen und alles unter einen Nenner zu bringen, sehr groß. Wir haben hier noch keine endgültige Entscheidung über eine Fortführung solcher Benefizspiele getroffen.
Foto: Harald Schäfer wird mit seinen Mitstreitern sehr viele – und auch neue Aufgaben angehen müssen.
Sportkurier: Die Webseite des Badischen Fußballverbandes soll neu gestaltet werden. Wird die des Fußballkreises dann entsprechend angepasst und auch häufiger mit News aus dem Fußballkreis bestückt?
HARALD SCHÄFER: IT und Internet sind heute natürlich ganz wichtige Module, ohne die es nicht geht. Auch die Homepage des Fußballkreises bekommt einen „neuen Anstrich“. Was die Bestückung von News betrifft, da haben wir sicherlich Luft nach oben. Aber auch das ist alles mit Zeitaufwand verbunden und somit auch eine Frage des Personals.
Sportkurier: Welche wichtigen Aufgaben stehen in der Zukunft an?
HARALD SCHÄFER: Sehr viele. Um nur einige davon zu nennen: Die Förderung des Kinder- und Jugend, als auch Frauen- und Mädchenfußballs, das Thema Integration, Schule und Verein, IT und Internet, Schiedsrichter-Nachwuchs, Änderungen im Spielbetrieb, hier z.B. Anzahl der Auswechslungen. Das Thema Spielgemeinschaften muss stärker aufgegriffen werden und Schulungs- Qualifizierungsmaßnahmen für Übungsleiter. Wir brauchen gut ausgebildete Trainer und Jugendleiter. All dies ist in der bfv-Strategie verankert und ist Teil gesamtheitlicher Prozesse.
Sportkurier: Ihr besonderer Wunsch an die Vereine?
HARALD SCHÄFER: Ja, das die Angebote des Badischen Fußballverbandes und des Fußballkreis Mannheim von den Vereinen noch besser angenommen werden. Ob es Veranstaltungen hinsichtlich Gewaltprävention, Schulungen DFB-Net, Fortbildungsmaßnahmen für Übungsleiter, allgemeine Infoveranstaltungen zu aktuellen Themen, mehr Motivation und eine größere Teilnahme an Kreistagen – oder aber auch verstärktem Engagement in der Gewinnung von neuen Schiedsrichtern ist. Es gibt sehr viel zu tun und nur gemeinsam kann man gute Lösungen erreichen.
Sportkurier: Wir bedanken uns für das doch längere Interview und wünschen Ihnen persönlich, als auch all ihren Mitstreitern gutes Gelingen und vor allem auch eine weiterhin positive Entwicklung ihrer vielen Aufgaben, die Sie im Sinne ihrer Mitglieder bewältigen.
HARALD SCHÄFER: Vielen Dank.
Fotos: Copyright Sportkurier
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