Noch steht die SGL an der Tabellenspitze der Dritten Liga Ost. Gegen Grosswallstadt setzte es am Samstag eine 26:22 Niederlage. AS Sportfotos

Noch steht die SGL an der Tabellenspitze der Dritten Liga Ost. Gegen Grosswallstadt setzte es am Samstag eine 26:22 Niederlage. AS Sportfotos

Zwei Ex-Meister in der Versenkung – Am Samstag musste die SG Leutershausen in Großwallstadt ran

Handball | erstellt am Mo. 23.10.2017

Sie stand für einen Spitzen-Handball. Es war ein Derby auf höchstem deutschen Niveau. Beide spielten in der Bundesliga.

Am Samstag trafen beide nun wieder einmal aufeinander. Allerdings zwei Etagen tiefer. Großwallstadt empfing Leutershausen in der dritten Liga Ost. Also in einer Spielklasse, die nicht sonderlich attraktiv ist, in der viele Reserveteams auflaufen und somit kein Publikumsmagnet sind. Diesmal war das anders. Beide Seiten waren heiß auf das Duell und auch in Sachen Ziel dürften sich beide auf Augenhöhe bewegen. Es soll zurück gehen in die zweite Liga und im Fall des TVG irgendwann vielleicht auch mal wieder ins Oberhaus, wo man viele spektakuläre Schlachten geschlagen hat. Träumen will ja erlaubt sein…

Grund zum Jubeln hatte diesmal der TVG, der sich mit 26:22 (14:11) durchsetzte – und as auch völlig verdient. SGL-Trainer Marc Nagel suchte danach auch gar nicht erst nach Ausreden: „Wir haben gleich am Anfang zu viele technische Fehler gemacht und sind dadurch in Rückstand geraten. Bis zur Halbzeit konnten wir uns dann noch herankämpfen. In der zweiten Spielhälfte haben wir aber keine Möglichkeiten gefunden, wir hatten heute keine Chance.“

Trotz der Niederlage führt die SGL die Tabelle noch an, aber spätestens nach der dritten Saisonniederlage dürfte jedem klar sein, dass die direkte Rückkehr ins Unterhaus kein Selbstläufer werden wird.
Interessant ist aber auch die Frage, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass sich zwei ehemalige deutsche Meister in der dritten Liga wieder finden. Der Absturz begann für beide gewissermaßen mit der Insolvenz. Die SGL erwischte es im Sommer 2006, Großwallstadt 2015.

Leutershausens Coach Marc Nagel. Bild: AS Sportfotos

Etwas überspitzt könnte man im Fall der „Roten Teufel von der Bergstraße“ sagen, dass der steile Aufstieg der Rhein-Neckar Löwen, die in ihren ersten Jahren bekanntlich noch als SG Kronau/Östringen von Halle zu Halle gereist sind, der Absturz der SG Leutershausen war. Die „Kröstis“ wurden als zweites Hometeam neben den Adlern Mannheim für die neu gebaute SAP Arena auserkoren. Denn damals dachten die Macher der High-Tech-Arena noch, dass zwei Sportteams benötigt werden, um sie auch wirklich regelmäßig zu füllen.

Nach der Insolvenz gab eigentlich kaum mehr jemand etwas auf die SG Leutershausen. Sie lag hilflos auf dem Boden und drohte komplett unterzugehen. Krisengespräche wurden geführt. Und dann konnte doch noch der Rettungsanker geworfen werden. Ehemalige Spieler taten sich zusammen. Uli Roth und Jörg Büßecker mischten im Hintergrund mit und Holger Löhr übernahm das Traineramt. Gemeinsam schafften sie es, aus der SGL wieder eine Marke zu machen.

Junge Spieler, möglichst mit deutschem Pass, sollten es fortan nur noch sein. Ein Konzept das aufging. Die Halle füllte sich wieder. Die Zuschauer identifizierten sich mit den „Jungen Wilden“. Zwischenzeitlich wurde sogar wieder von der 1. Bundesliga geträumt. Doch mittlerweile ist klar, dass es dafür nicht mehr reichen wird.

Die Sponsoren fehlen. Die Konkurrenz im Sportsektor ist in der Metropolregion Rhein-Neckar groß. Aber vor allem die Löwen stehen im Weg. Denn wer den Handball als Werbefläche nutzen will, der wirbt lieber in der SAP Arena als in der altehrwürdigen Heinrich-Beck-Halle. Und so wird die SGL wohl auch in den nächsten Jahren das bleiben, was sie momentan ist: Eine Mannschaft, die zu gut für die Dritte Liga ist, gleichzeitig aber auch zu schlecht für die Zweite.

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