RNL vs. THW Kiel 2015 Pokal 18 Bjarte Myrhol Bild: AS Sportfotos
Rhein-Neckar Löwen – „Die Titel gewannen andere“
Handball | erstellt am Mo. 08.06.2015
Kurzum: Die Badener haben erneut begeisternden Handball geboten. Und trotzdem bleibt irgendwie ein fader Beigeschmack. Denn auch diesmal hat es wieder nicht mit einer Belohnung geklappt.
Die Titel gewannen die anderen. Der THW Kiel zum Beispiel: Die Riesen von der Ostsee schnappten den Gelben die Meisterschaft weg. Mit zwei Punkten Rückstand mussten sich Uwe Gensheimer und Co. geschlagen geben. In der Champions League reichte es diesmal „nur“ bis zum Achtelfinale, wo es gegen Pick Szeged das überraschende Aus gab. Und im DHB-Pokal? Da war es eigentlich wie jedes Jahr: Beim Final Four in Hamburg scheiterten die Badener im Halbfinale an Flensburg. Eine unnötige Pleite war das.
Der Sportkurier sprach mit Löwen-Geschäftsführer Lars Lamadé über die letzte Saison und blickt voraus.

Geschäftsführer Lars Lamade. Bild AS Sportfotos
Herr Lars Lamadé, die Löwen beenden die Bundesliga-Saison als Zweiter. Hatten Sie sich nach dem Vizetitel in der letzten Runde mehr erhofft?
Nein, sicherlich nicht. Wenn uns vor der Saison jemand gefragt hätte, ob wir damit zufrieden wären, bis zum letzten Spieltag die theoretische Chance auf die Meisterschaft zu haben, dann hätten wir es wohl alle genommen. Mit einem neuen Trainer und einigen jungen Spielern, die zum ersten Mal in Deutschland spielen, konnte man sicherlich nicht davon ausgehen, dass wir so lange so nah an Kiel dran bleiben können.
Auch im Pokal war der Titelgewinn möglich. War das Scheitern im Halbfinale beim Final Four in Hamburg vielleicht die größte Enttäuschung?
Das war sicherlich die größte Enttäuschung und steckt auch immer noch in den Knochen. Mit der Ausgangslage Kiel im Viertelfinale geschlagen zu haben, wollten wir diesen Titel natürlich endlich mal in die Rhein-Neckar Region holen, was bekanntermaßen ja wieder nicht geklappt hat. Mitte der zweiten Halbzeit und einem Vorsprung von vier Toren, Chancen diesen noch auszubauen und dann in der letzten Sekunde zu verlieren, das war schon eine herbe Enttäuschung.
Niklas Landin und Bjarte Myrhol verlassen den Verein. Sind diese Abgänge überhaupt zu kompensieren?
Zwei solche Weltklasseleute einfach so zu ersetzen, ist fast nicht möglich. Wir sind aber überzeugt sehr gute Spieler auf diesen Positionen verpflichtet zu haben. Wie schnell sie sich bei uns eingewöhnen werden, wird man dann sehen. Sie kommen aber in eine intakte Mannschaft und werden vom Rest des Teams sicherlich mit offenen Armen empfangen.

Sie wurden verabschiedet: Bjarte MYRHOL, Rokko Peribonio, Bastian RUTSCHMANN, David Schmidt und Niklas LANDIN. Bild AS Sportfotos
Mit Darko Stanic wurde ein neuer Keeper verpflichtet, der nicht den besten Ruf hat. Das hängt mit seiner Vergangenheit zusammen. Was erwarten Sie sich von ihm und Mikael Appelgren, die zusammen das neue Torwart-Duo bilden werden?
Torhüter müssen doch alle ein wenig verrückt sein, wenn man sich aus so kurzer Distanz permanent beschießen lässt, oder? Im Ernst, wir haben mit Darko Stanic einen sehr erfahrenen Torwart verpflichtet, der den Ehrgeiz hat, nochmal um Titel zu spielen. Wir sind überzeugt, dass unser Torhütergespann zu den besten in der Liga zählen wird.
Sind die Planungen für die neue Saison schon abgeschlossen? Oder könnte personell noch nachgebessert werden?
Im Prinzip steht der Kader. Wir halten aber natürlich immer die Augen und Ohren offen. Sollten sich noch Möglichkeiten für Verstärkungen ergeben, die sowohl sportlich als auch finanziell in den Rahmen passen, werden wir es uns sicher gut überlegen.
Glauben Sie, dass die Löwen weiterhin um den Titel mitspielen können?
Der THW Kiel wird natürlich mit Niklas Landin nochmal an Stärke gewinnen, so dass sie in der Bundesliga für mich nach wie vor der klare Favorit sind. Unschlagbar sind sie aber sicherlich nicht, was die Ergebnisse der letzten Wochen auch wieder gezeigt haben. Kaum einer hätte gedacht, dass sie sich gegen Minden oder Hannover so schwer tun. Daher gehe ich davon aus, dass es zum Beispiel gerade im Pokal nach wie vor die Chance auf einen Titel gibt. Aber diese Chance rechnen sich sicherlich auch noch andere Mannschaften, wie beispielsweise Flensburg, aus.
Bei Uwe Gensheimer hieß es, dass der Verein bis zum Ende des Sommers Klarheit über seine Zukunftspläne haben möchte. Wie sieht es nun aus, wird er über 2016 hinaus bleiben?
Uwe hat ein sehr gutes Angebot von uns auf dem Tisch liegen. Wir wollen ihn natürlich auf jeden Fall behalten, da er unser Kapitän und unsere Identifikationsfigur für die gesamte Region und darüber hinaus ist. Leider haben wir noch keine Entscheidung bisher bekommen. Ich gehe daher davon aus, dass wir uns nach dem Urlaub nochmal zusammen hinsetzen werden.
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