Luke Esposito (Adler Mannheim, #19), Jonas Neffin (Eisbaeren Berlin, #75), Tor zum 1:0. Eisbaeren Berlin vs. Adler Mannheim. Deutsche Eishockey Liga, DEL, Saison 2026-27-14. Spieltag. Foto: IMAGO/Eibner
Adler Mannheim: Der Titelanwärter gewinnt an Kontur
Eishockey | erstellt am Mi. 04.11.2026
sport-kurier. Die Adler Mannheim gehen mit Rückenwind in die Deutschland-Cup-Pause. Vier Siege hintereinander, Tabellenplatz zwei und zuletzt ein 3:1 beim Spitzenreiter Eisbären Berlin: Der Vizemeister hat seine Position im Vorderfeld gefestigt. Nach 15 Begegnungen stehen 30 Punkte und ein Torverhältnis von 53:38 zu Buche.
Berlin liegt zwei Zähler voraus, hat allerdings eine Partie weniger absolviert. Mannheim ist damit auf Kurs – ohne bereits in allen Bereichen das Leistungsniveau erreicht zu haben, das der hochkarätige Kader verspricht.
Aus einem wechselhaften Start wird eine starke Serie
In den ersten Wochen fehlte den Adlern noch die Beständigkeit. Auf überzeugende Auftritte folgten Rückschläge, darunter das 1:4 in Wolfsburg. Inzwischen fällt die Formkurve deutlich positiver aus: Sieben der vergangenen acht Ligaspiele wurden gewonnen. Die einzige Niederlage in diesem Zeitraum war das überraschende 1:2 gegen Schwenningen. Besonders verlässlich punkten die Mannheimer vor eigenem Publikum. Sechs Siege aus sieben Heimspielen brachten 17 von 21 möglichen Punkten. Die Auswärtsbilanz ist weniger dominant, wurde durch die jüngsten Erfolge in Augsburg, Köln und Berlin aber erheblich aufgewertet. Der Aufschwung beschränkt sich somit nicht auf die SAP Arena.
Zwei Siege gegen Berlin sind ein Ausrufezeichen
Der Erfolg beim Meister besitzt besonderen Stellenwert. Bereits das erste Saisonduell hatten die Adler mit 4:3 gewonnen. Nun folgte ein Auswärtssieg in einer Begegnung, die von engen Räumen, körperlicher Intensität und konzentrierter Defensivarbeit geprägt war. John Gilmour erzielte im Schlussdrittel die entscheidende Führung, Kristian Reichel machte mit einem Treffer ins leere Tor alles klar. Mannheim bewies dabei, dass es den Tabellenführer nicht nur in einem offenen Schlagabtausch, sondern auch in einer taktisch anspruchsvollen Partie bezwingen kann.
Allerdings wäre es überzogen, daraus bereits eine Überlegenheit gegenüber Berlin abzuleiten. Die Eisbären hatten ihre Möglichkeiten, trafen in der Schlussphase die Latte und scheiterten wiederholt an Maximilian Franzreb. Der Adler-Torhüter wehrte 34 von 35 Schüssen ab. Der Sieg war deshalb sowohl Ausdruck einer starken Mannschaftsleistung als auch eines herausragenden Abends zwischen den Pfosten.
Die Verteidiger prägen auch den Angriff
Eine der auffälligsten Stärken liegt in der offensiven Beteiligung der Abwehrspieler. Nicolas Mattinen führt die interne Scorerliste mit sieben Toren und sieben Vorlagen an. Dahinter folgt mit Leon Gawanke ein weiterer Verteidiger, der auf 13 Punkte kommt. Bei Mattinen fällt zudem die große Verantwortung auf: Seine gesamte Eiszeit entspricht im Schnitt knapp 24 Minuten pro Begegnung. Schon vor den letzten beiden Spielen hatten die Mannheimer Verteidiger 14 DEL-Tore erzielt – zu diesem Zeitpunkt Ligabestwert. Mattinens Siegtreffer in Köln und Gilmours entscheidendes Solo in Berlin verdeutlichen, wie unterschiedlich diese Torgefahr entstehen kann. Die Adler sind offensiv nicht allein von ihren Sturmreihen abhängig.
„Wir werden viel in unser Offensivspiel einbezogen“, erklärte Gawanke Ende Oktober. Das Zusammenspiel mit Lukas Kälble steht beispielhaft für die gewünschte Balance zwischen Angriff und Absicherung. Kälble war zu Saisonbeginn verletzt ausgefallen und beschrieb die jüngste Entwicklung als Ergebnis einer insgesamt strukturierteren Mannschaftsleistung.
Starkes Torhüterduo – mit unterschiedlichen Aufgaben
Mit Franzreb und dem aus Berlin gekommenen Jake Hildebrand verfügen die Adler über zwei etablierte Torhüter. Die bisherigen Einsätze verteilen sich nahezu gleichmäßig: Franzreb kam siebenmal zum Zug, Hildebrand achtmal. Hildebrand verbuchte dabei sechs Siege und einen Shutout. Die jüngsten Begegnungen zeigen den Wert dieser Besetzung. Franzreb war in Berlin der entscheidende Rückhalt. Zwei Tage zuvor bewahrte Hildebrand die Adler gegen Bremerhaven insbesondere in der Verlängerung vor einer Niederlage, ehe Justin Schütz den Siegtreffer erzielte. Das Torhüterduo ermöglicht es, die Belastung zu verteilen, ohne jede Partie auf einen einzigen Schlussmann zuschneiden zu müssen.
Die Neuzugänge erhöhen die Möglichkeiten – nicht alle schöpfen sie schon aus
Nach dem Finaleinzug wurde der Kader gezielt ergänzt. Neben Hildebrand kamen unter anderem Brooks Macek, Patrick Brown und Jérémie Poirier. Macek bringt umfangreiche DEL- und KHL-Erfahrung mit, Brown wurde als erfahrener Mittelstürmer mit Qualitäten in beide Spielrichtungen verpflichtet. Poirier erweitert die spielerischen Möglichkeiten in der Verteidigung. Die Personalentscheidungen passen zum Anspruch, erneut um die Meisterschaft mitzuspielen.
Bei der bisherigen Ausbeute gibt es jedoch Unterschiede. Macek steht nach 14 Ligaspielen bei zwei Toren und sieben Vorlagen, Brown bei zwei Treffern und einer Vorlage. Gerade im Angriff ist somit noch Steigerungspotenzial erkennbar. Browns Wert lässt sich zwar nicht allein an Scorerpunkten messen; eine wesentlich größere offensive Wirkung wäre angesichts seiner Rolle dennoch eine zusätzliche Verstärkung innerhalb des bestehenden Kaders. Statistiken
Ein erfreulicher Gegenpol zu den prominenten Verpflichtungen ist Max Calce. Der 17-Jährige wurde von den Fans zum Spieler des Monats September gewählt und anschließend für den Deutschland Cup nominiert. Seine Entwicklung gehört zu den Geschichten dieser Saison, die über Tabellenplätze hinausreichen: Ein eigenes Talent erhält auf hohem Niveau nicht nur Einsatzzeit, sondern setzt bereits sichtbare Akzente.
Siege verdecken noch nicht alle Schwächen
Die Erfolgsserie ist überzeugend, aber nicht jede Vorstellung war souverän. Beim 6:5 nach Verlängerung in Köln gerieten die Adler zunächst mit 1:3 in Rückstand. Sie reagierten stark, ließen den Gegner jedoch auch nach der eigenen Wende wieder ausgleichen. Gegen Bremerhaven wechselten sich gute Abschnitte mit Phasen ab, in denen die Gäste die besseren Chancen besaßen. Darin steckt eine doppelte Aussage: Mannheim besitzt die Qualität und Widerstandskraft, schwierige Spiele noch zu gewinnen. Gleichzeitig bleibt die Kontrolle über komplette Begegnungen ausbaufähig. Ein verlorener Spielabschnitt kann bisher durch individuelle Klasse ausgeglichen werden – darauf lässt sich gegen die stärksten Gegner aber nicht dauerhaft vertrauen. Auch bei den Sondersituationen fällt die Bilanz unterschiedlich aus. Die aktuelle statistische Übersicht weist eine Überzahlquote von rund 20,8 Prozent und eine Unterzahlquote von 87,8 Prozent aus. Das Unterzahlspiel ist damit ein klarer Pluspunkt. Im Powerplay besteht angesichts der vorhandenen Schuss- und Spielmacherqualität noch Luft nach oben.
Eakins hat eine gute Grundlage geschaffen
Für Cheftrainer und Sportmanager Dallas Eakins spricht derzeit vor allem die Entwicklung der Ergebnisse. Die Mannschaft punktet inzwischen regelmäßig, kann Rückstände aufholen und hat gegen Berlin auch ihre Fähigkeit zu einem disziplinierten, defensiv geprägten Auftritt gezeigt. Die Zwischenbilanz rechtfertigt dennoch weder uneingeschränktes Lob noch grundsätzliche Zweifel. Die Adler sind ein ernsthafter Titelanwärter, aber noch keine Mannschaft ohne erkennbare Schwankungen. Entscheidend für die weitere Bewertung wird sein, ob sich die zuletzt gezeigte Stabilität über längere Zeit bestätigt und die offensive Verantwortung noch breiter verteilt.
Europa und ein dichter November als nächster Prüfstein
Auch international wurde ein wichtiges Etappenziel erreicht. Die Adler beendeten die Ligaphase der Champions Hockey League auf Rang acht und treffen im Achtelfinale auf Tappara Tampere. Das Hinspiel findet am 10. November in Mannheim, das Rückspiel am 17. November in Finnland statt. Dazwischen liegen die DEL-Partien in Iserlohn und gegen Ingolstadt. Anschließend folgen unter anderem Bremerhaven, Köln, Straubing und Frankfurt. Die Belastung bleibt damit hoch. Der breite Kader und die Möglichkeit, auf zwei erfahrene Torhüter zurückzugreifen, gewinnen in dieser Phase zusätzlich an Bedeutung.
Das Zwischenfazit: Die Adler liegen im Plan und haben ihren Anspruch auf eine Spitzenrolle zuletzt untermauert. Heimstärke, torgefährliche Verteidiger und ein leistungsfähiges Torhüterduo bilden eine gute Grundlage. Die größten Reserven liegen in der Konstanz über 60 Minuten und in einer noch höheren Ausbeute einzelner offensiver Leistungsträger. Der Sieg in Berlin ist deshalb ein starkes Signal – aber noch kein Beweis dafür, dass Mannheim bereits am Ende seiner Entwicklung angekommen ist.
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