Siegerfoto nach dem Spiel in Altlußheim. Untere Reihe zweiter von rechts Jürgen Wasow, dritter von rechts Pascal Wasow (Nr.13). Privat
Vater Jürgen Wasow steht im Tor, Sohn Pascal dribbelt im Mittelfeld ++ „Solche Geschichten schreibt nur der Fußball“
Fussball | erstellt am Mo. 11.12.2017
Als der FV Brühl II am vergangenen Donnerstag mit 3:0 beim SV Altlußheim gewann, standen zwei Wasows in der Mannheimer Kreisklasse A1 auf dem Platz. Zwei Brüder? Eben nicht. Sondern Vater und Sohn, Jürgen und Pascal.

Papa Jürgen (Foto rechts) hütete mit seinen 52 Jahren das Tor und sein Sohnemann Pascal (21 Jahre) rackerte im Mittelfeld. Für beide ging damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir uns mitten in der Runde befinden und nicht am Rundenende, wenn es um nichts mehr geht. Es ist toll, dass das ganze Trainerteam dahinter stand“, sagt Jürgen Wasow, der Oldie zwischen den Pfosten.
Vater und Sohn gemeinsam in der Startaufstellung
Dass es überhaupt dazu gekommen ist, hat zudem etwas Märchenhaftes. Denn eigentlich hatte der Papa schon längst mit dem Fußball abgeschlossen. Was weniger mit den vielen Operationen am Rücken oder der Schulter zusammenhing, sondern vielmehr mit der wohl heimtückischsten Krankheit, die es gibt. Es ist noch gar nicht so lange her, da bekam er die niederschmetternde Diagnose Gehirntumor: Drei OPs standen im letzten Jahr an. Da rückt der Fußball ganz schnell in den Hintergrund.
Doch ohne Fußball geht es dann eben doch nicht. Und so kam es wie es kommen musste: Als sich der Torhüter der zweiten Mannschaft in Brühl im Sommer schwer verletzt hatte, fasste Wasow Senior einen kühnen Entschluss: „Die Jungs hatten im Training nie einen Torhüter, konnten so nicht richtig trainieren, also habe ich mich bereit erklärt. So hatten sie wenigstens wieder einen, den sie abschießen können“, lacht er.
Wobei Jürgen Wasow sein Trainings-Comeback zunächst schwer bereute: „Da war plötzlich nichts mehr, die ganzen Bewegungsabläufe haben nicht mehr gestimmt. Die ersten zwei Wochen waren richtig hart.“
Danach kam er dann aber immer besser ins Rollen. Ab und an saß er auch schon auf der Bank. Und dann kam dieser Donnerstag. „Plötzlich konnte kein anderer Torhüter, also hat mich unser Trainer dienstags gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich habe natürlich sofort zu gesagt. Aber je näher das Spiel rückte, desto nervöser bin ich geworden“, gesteht Jürgen Wasow.
Kaum auf dem Platz war die Nervosität dann aber wie weggeblasen. Denn es lief überragend. Egal, was er auch machte, es hatte Hand und Fuß. Einen Elfmeter parierte er, einen guckte er an den Pfosten. Zudem meisterte er noch mehrere 1:1-Duelle.
Oldie but Goldie also…
Das dachte sich auch sein Sohn Pascal. Der war danach einfach nur happy und stolz ohne Ende: „Vor Spielbeginn war ich wirklich richtig nervös. Ich war mit meinen Gedanken nur bei meinem Vater, habe für ihn so gehofft, dass er ein gutes Spiel macht und dann spielt er zu null und hält sogar noch einen Elfmeter“, lächelt der Junior. „Aber solche Geschichten schreibt eben nur der Fußball.“
Eigentlich schreit das förmlich nach einer Wiederholung. Mit Vater und Sohn im Doppelpack scheinen die Brühler unschlagbar zu sein. Andererseits gibt es da aber auch so ein Sprichwort, das besagt, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist.
Auch Pascal bringt das etwas ins Grübeln: „Es dürfte sicher schwer werden, das noch zu toppen, aber das ist mir egal, ich würde am liebsten noch drei oder vier weitere Male mit meinem Vater in einer Mannschaft auf dem Platz stehen.“
Er selbst stand früher übrigens auch im Tor. In der D-Jugend hat Pascal (Foto links, grünes Trikot / Szene aus Oftersheim-FV Brühl II) die Torwarthandschuhe dann aber in die Ecke geschmissen. „Ich wollte lieber Tore schießen als sie zu verhindern.“ Mit seinen 21 Jahren hat er schon für ein paar Vereine gespielt. Nachdem er mit drei Jahren in Brühl begonnen hatte, spielte er auch für Kurpfalz Neckarau, den SV Rohrhof und den TSV Amicitia Viernheim.
Dauerbrenner Jürgen Wasow
Der Papa hat natürlich noch mehr Erfahrung. Die komplette Jugend verbrachte Jürgen Wasow beim SV Waldhof, den er heute noch als treuer Dauerkarteninhaber begleitet („die Liga spielt da keine Rolle“).
Nach der Zeit am Alsenweg folgten neun Jahre bei der SpVgg Ilvesheim, acht Jahre bei Fortuna Heddesheim, zwei Jahre bei der Viktoria aus Neckarhausen, danach hängte er noch ein kurzes Engagement beim MFC Lindenhof hinten dran, ehe es ihn nach Brühl verschlug, wo er neun Jahre lang als Torwarttrainer der Landesliga-Mannschaft arbeitete.
Man kann also definitiv sagen, dass der Fußball sein Leben ist. Ob sein Sohn Pascal einen ähnlich langen Atem haben wird? „Ich würde es mir wünschen auch so lange zu spielen, wenn der Körper mitspielt natürlich nur“, betont Pascal. Bei seinem Vater tut er das nur bedingt. Aber Jürgen Wasow weiß sich zu helfen: „Gute Schmerztabletten sind ganz wichtig, denn der Tag danach ist schon heftig“, gesteht er lachend.
Von Vorteil ist sicher auch eine Ehefrau, die mitspielt! „Sie hält mich angesichts meiner Krankenakte mittlerweile für verrückt und völlig durchgeknallt“, lächelt der Papa augenzwinkernd.
Es bleibt also spannend im Hause Wasow. Irgendwie scheint der Elfer-Killer noch lange nicht genug zu haben…