Jogi Löw steht als Bundestrainer immer mehr in der Kritik. Bild: Marc Schüler Sportpics

Jogi Löw steht als Bundestrainer immer mehr in der Kritik. Bild: Marc Schüler Sportpics

DFB-Elf mit enttäuschenden 3:3 gegen die Schweiz ++ Diskussionen um Bundestrainer Jogi Löw

Fussball | erstellt am Mi. 14.10.2020

Während die Erleichterung über den ersten Sieg im Jahr 2020 (2:1 in der Ukraine) groß war, zeigten die 3:3 Unentschieden gegen die Türkei und die Schweiz die Probleme auf, die in der Mannschaft existieren.

Ehrenspielführer und Sky Experte Lothar Matthäus hatte Bundestrainer Joachim Löw bereits nach dem Unentschieden gegen die Türkei öffentlich angezählt. Hätte es in Kiew keinen Sieg gegeben, wäre diese Diskussion schnell öffentlich geführt worden, doch Erfolg beruhigt kritische Stimmen. Das 3:3 gegen die Schweiz entfachte diese Diskussion wieder, welche die Mannschaft – vorbehaltlich eines Handelns der Verantwortlichen – sicher bis zur Europameisterschaft im kommenden Sommer begleiten wird.

Daher sollte sich die Verbandsführung mit diesem Thema befassen, denn der letzte sehenswerte Auftritt des Teams war im Juni 2019 – unter Leitung von Co-Trainer Marcus Sorg, der für den erkrankten Löw einsprang. Wer gute Auftritte der Mannschaft unter Löw aufzählen möchte, muss ins Jahr 2017 zurückblicken (2:2 gegen Frankreich, 3:1 in Nordirland oder 6:0 gegen Norwegen).

Nicht die Augen sollte der DFB davor verschließen, dass die Leistung der Mannschaft schon länger nicht mehr überzeugend ist. Wie schnelles Umschaltspiel und moderner Fußball geht, zeigten die Türkei, Schweiz und die Ukraine: zwei, drei Stationen, das Mittelfeld überbrückt und ein Abschluss, auch mal aus schwieriger Position – lange war dies bei der DFB-Auswahl nicht mehr gesehen, da mehr Wert auf Passspiel gelegt wird und Löws Taktik lieber den sicheren Pass nach hinten forciert, als den schnellen Angriff in Richtung gegnerischen Strafraum.

Da die Mannschaft im laufenden Wettbewerb (UEFA Nations League) steht und nur acht Monate vom nächsten großen Turnier entfernt ist, wäre ein Wechsel auf der Bundestrainer-Position nicht unproblematisch. Doch zeigten die letzten Auftritte der DFB-Auswahl auch keine Weiterentwicklung mehr in der Mannschaft und spätestens seit dem WM2018-Desaster sollte der gefühlte Weltmeister-Bonus aufgebraucht sein.

Während Löw die schlechten Leistungen an der fehlenden internationalen Erfahrung seiner jungen Spieler festzumachen versucht (die im Verein alle hochklassig international aktiv sind), ist dies nur die halbe Wahrheit. Zum Confed Cup 2017, nahm Löw eine sehr junge, nicht eingespielte Truppe mit, die dennoch mit erfrischenden Leistungen den Titel holte. Timo Werner, Niklas Süle, Leon Goretzka, Julian Brandt und Joshua Kimmich bekamen ihre erste Chance, sollten aber anschließend gegenüber den „Weltmeistern“ wieder hintenanstehen.

Dies sorgte genauso für Unfrieden in der Mannschaft, wie die Diskussion um Mesut Özil, welche das Team in verschiedene Lager spaltete. Die Ausbootung von Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng erschütterte den Glauben an das „Leistungsprinzip“, dass alle drei trotz zeitweise hervorragenden Leistungen nicht mehr nominiert wurden, unterstreicht dies und sorgt für Unsicherheit bei den aktiven Nationalspielern.

Gerade jetzt wäre jedoch der einzige realistische Zeitpunkt für einen Wechsel auf der Position des Bundestrainers. Für einen radikalen Umbruch und Neuaufbau ist es sicher zu spät, doch könnte der DFB die elegante Lösung wählen. Löw könnte intern befördert werden und Co-Trainer Marcus Sorg (ggf. mit U-21 Trainer Stefan Kuntz) die Verantwortung zu übernehmen. Sorg kennt die Spieler und muss die Mannschaft nicht komplett neu formieren. Weiterhin zu Gunsten von Konstanz an Löw festzuhalten, könnte den Erfolg der EM im kommenden Sommer und der Weltmeisterschaft 2022 beeinflussen.

Dass DFB-Präsident Fritz Keller bereits als „Minimalziel“ das Halbfinale der EM ausgerufen hat, verheißt nichts Gutes für Löw. Denn in der derzeitigen Form scheint sogar das Überstehen der Gruppenphase (u.a. gegen Frankreich und Portugal) zweifelhaft. Daher sollte sich die DFB-Führung zumindest hinsetzen und zumindest über Löw beraten, um seinem potentiellen Nachfolger noch die drei Länderspiele im November Zeit zu geben die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen.

 

 

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