Kopfballduell Matthias Ginter (Deutschland) gegen Victor Palsson (Island)- WM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Island. Bild: Marc Schüler Sportpics
DFB-Elf bezwingt Island mit 3:0 (2:0)
Fussball | erstellt am Fr. 26.03.2021
Doch mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch und der entsprechenden Motivation trat die DFB-Auswahl an und kam dank zweier früher Tore gegen Island zu einem 3:0 (HZ 2:0) Sieg.
Hätte die Leistung wieder nicht gestimmt, wäre dies am Ende nicht mehr eine Randnotiz gewesen. Denn immer wieder rückten die Proteste gegen Ausrichter Katar vor dem Spiel in den Vordergrund der Diskussion und ein Boykottaufruf ging beim DFB ein, so dass sich die Mannschaft zu einer öffentlichen Stellungnahme gezwungen sah. Ein Zeichen setzten die deutschen Nationalspieler bei der Mannschaftsvorstellung mit ihren T-Shirts und dem Schriftzug „Human Rights“ als Zeichen in Richtung Katar.
Weiterhin überschattete der positive Corona-Test des Gladbacher Jonas Hofmann die Stunden vor dem Spiel. „Ich hoffe, dass wir genau wie 2020 auch dieses Jahr von positiven Corona-Tests verschont bleiben“, sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff noch am Dienstag. Keine 48 Stunden später zerschlug sich diese Hoffnung: Im Rahmen der obligatorischen PCR-Tests und Schnelltests im Mannschaftshotel in Düsseldorf kam es beim Gladbacher Jonas Hofmann zu einem positiven Ergebnis.
Von links: Torwarttrainer Andreas Koepke, Teammanager der Nationalmannschaft Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw. Bild: Marc Schüler Sportpics
Während in vielen Betrieben und Einrichtungen dies ein Grund ist zur Schließung, stand das Spiel gegen Island nur kurz in Frage. In Ansprache mit dem Gesundheitsamt wurde Hofmann isoliert, der Leipziger Marcel Halstenberg als Kontaktperson ersten Ranges (dank einer gemeinsamen Partie Backgammon mit Hofmann) nach Hause geschickt und die restliche Mannschaft erneut getestet. So konnte das erste WM-Qualifikationsspiel der deutschen Mannschaft am Abend dann auch stattfinden, „König Fußball“ hatte wieder einmal gesiegt.
Für den Verband jedoch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits will man wieder die Nähe zu den Fans und den Menschen suchen, die durch die Kommerzialisierung und die WM2018 verloren gegangen ist. Andererseits demonstrieren die Vorgänge und die Erlaubnis zu Spielen dennoch die Sonderstellung, die der Fußball und somit der DFB einnimmt. „Unternehmen schließen, Familien leiden unter Kurzarbeit, Selbstständige steuern dem Ruin entgegen – aber Millionäre spielen Fußball“, war immer wieder in den sozialen Netzwerken zu lesen, was sicher nicht gerade die Vorfreude auf die Spielübertragung am Abend gesteigert haben dürfte.
Im Gegensatz zu den meisten Auftritten der Nationalmannschaft seit der WM 2018 stimmte dieses Mal die Leistung auf dem Platz. Wie entfesselt begann die Deutsche Elf und überzeugte mit einem sicheren Passspiel. So dauerte es bestimmt zwei Minuten ehe Island nach dem Anstoß von Goretzka das erste Mal den Ball berühren durfte. Anstatt behäbig hintenrum zu spielen suchten die DFB-Kicker aber die Lücken in der dicht gestaffelten isländischen Abwehrformation.
Kai Havertz zieht ab und erzielt das Tor zum 2:0 – WM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Island. Bild: Marc Schüler Sportpics
Und schon die erste Chance saß. Island bekam den Ball nicht weg, Gnabry gibt ab an Goretzka und dieser zieht aus 18 Metern stramm ab und lässt Halldorsson im Tor keine Chance. Ähnliche Situation nur vier Minuten später, doch dieses Mal ist es Kai Havertz, der den Ball im gegnerischen Tor unterbringt. Während es zunächst nach einem lustigen Scheibenschießen aussieht, schaltet die DFB-Auswahl nun einen Gang zurück und die Gäste kommen besser ins Spiel.
Doch bereits im Mittelfeld war mit den meisten Angriffsbemühungen Islands Schluss, nur selten wurde Manuel Neuer im Deutschen Tor ernsthaft geprüft. Die besseren Chancen hatte immer wieder die Löw Truppe, die durch den überragenden Ilkay Gündogan in der 56. Minute zum längst überfälligen 3:0 kam.
Während man der gesamten Mannschaft eine gute Leistung bescheinigen muss, fiel auf, dass vor allem die Kombination Joshua Kimmich und Ilkay Gündogan im defensiven Mittelfeld in dieser Partie brillierte. Immer wieder wechselten sich beide im Spielaufbau ab und setzten Emre Can, Leroy Sane, Kai Havertz und Serge Gnabry in Szene, die auf der linken Seite rochierten.
Torjubel nach dem 2:0 durch Kai Havertz. Bild: Marc Schüler Sportpics
Ein engagiertes Debüt feierte Jamal Musiala, der in der 79. Minute für Kai Havertz in die Partie kam. Er fügte sich nahtlos ein, zeigte seine Schnelligkeit und Wendigkeit und behauptete sich in Zweikämpfen. Durch diesen Einsatz ist nun sicher, dass er international für Deutschland spielen wird, bis zuletzt hatte England sich noch Hoffnungen gemacht das große Talent für sich gewinnen zu können.
Nur zusehen durfte der 17-jährige Florian Wirtz, der aber sicher ebenfalls noch eine Chance bekommen wird, während Amin Younes (Eintracht Frankfurt) in der Schlussphase noch zu seinem sechsten Länderspiel und ersten Einsatz seit drei Jahren kam. Weiter geht es für die DFB-Auswahl am Sonntag beim Spiel in Bukarest gegen Rumänien, den wohl stärksten Gegner in der WM-Qualifikationsgruppe F.
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