, TSG-Jubel zum 1:0, hinten Nils Makan freut sich mit Torschuetze Cihad Ilhan (Nr. 9) und Andreas Lerchl, im Vordergrund die Viernheimer Christian Kuhn (li.) und Sebastian Scheidel (re.) Bild: Berno Nix
Weinheims Cihad Ilhan erzielt vier Tore in „kuriosem“ Derby gegen Viernheim
Verbandsliga | erstellt am Mo. 03.10.2016
Der 5:4-Auswärtssieg der TSG Weinheim beim TSV Amicitia Viernheim war so ein Spiel. Denn der Spielverlauf beim Verbandsliga-Duell war äußerst kurios.
Weinheim, das als klarer Favorit angereist war, führte bereits mit 2:0, ehe die Partie plötzlich gekippt ist: Die Südhessen schossen zwischen der 32. und 44. Minute sage und schreibe vier Tore und gingen mit einer 4:2-Führung in die Pause.
Doch Weinheim schlug erneut zurück, legte nach dem Wechsel nochmals drei Treffer nach.
Großen Anteil am Happy End hatte auf Weinheimer Seite vor allem ein Mann: Cihad Ilhan. Er steuerte vier Treffer bei (10′, 28′, 62′, 81′), war quasi der Matchwinner.
Der Sportkurier sprach mit dem Knipser aus der Zweiburgenstadt.
Hallo Herr Ilhan, das war schon ein seltsamer Spielerverlauf. Haben Sie so ein Wechselbad der Gefühle schon mal erlebt?
Cihad Ilhan: Nein (lacht). Das war für mich auch das erste Mal. Es war alles ganz seltsam. Wir sind gut reingekommen und haben die ersten 30 Minuten klar beherrscht. Viernheim machte auf mich da eher den Eindruck, dass sie nicht zu hoch verlieren wollten. Sie haben uns also nicht weh getan. Und wie aus dem Nichts bekommen wir dann innerhalb von zwölf Minuten vier Gegentore. Das war wirklich ein totaler Blackout von uns. Wir waren alle sprachlos. Keiner konnte sich das erklären. Wobei man auch dazu sagen muss, dass solche Fehler wohl nur einmal in zehn Jahren passieren. Als wir es dann doch noch gedreht haben, war die Erleichterung natürlich riesig.
Kann es sein, dass man Viernheim auch etwas unterschätzt hat?
Cihad Ilhan: Möglich ist das schon, vielleicht haben wir zu früh abgeschaltet. Aber normalerweise sind wir eigentlich nicht so. Wir wollen immer so hoch wie möglich gewinnen, weil wir ja wissen, dass auch mal die Tordifferenz entscheidend sein kann. Vielleicht haben wir aber gedacht, dass wir das schon locker machen und problemlos hoch gewinnen werden. Aber es sah ja dann ganz anders aus.
Sie haben selbst vier Tore gemacht. Ist Ihnen das schon mal gelungen in solch einer hohen Liga?
Cihad Ilhan: Ja, das war noch damals beim SV Waldhof II. Da habe ich gegen Pforzheim sechs Tore in einem Spiel gemacht. Gegen Viernheim ging es für mich nun gleich gut los. Ich habe schnell zwei Tore gemacht, da bist du dann einfach richtig drin im Spiel. Aber als Stürmer bist du auch immer von den Kollegen abhängig und die haben mich gut in Szene gesetzt. Und wenn man bei einem 5:4-Sieg vier Treffer selbst erzielt, ist das natürlich etwas besonderes. Aber andererseits hätte ich gerne auch auf zwei Treffer verzichtet, wenn wir dafür 2:0 gewonnen hätten. Denn diesen Stress muss man sich nicht geben.

TSV Amicitia Viernheim – TSG Weinheim, Verbandsliga, v.l. Weinheims Christopher Hiller, Viernheims Nico Beck und Weinheims Andreas Adamek. Bild: Berno Nix
Hat die Mannschaft denn immer noch an den Sieg geglaubt?
Cihad Ilhan: Man muss zunächst einmal sagen, dass die Pause im richtigen Moment kam, denn wenn wir noch ein paar Minuten länger gespielt hätten, wären wir vielleicht noch weiter hinten gelegen. Als wir dann erst mal in der Kabine waren, haben wir aber daran geglaubt, dass wir das noch packen können. Denn was Viernheim in zwölf Minuten gelingt, können wir doch auch in 45 Minuten schaffen. Unser Trainer Dirk Jörns hat dann eine super Ansprache gehalten. Er hat gesagt, dass er an uns glaubt und dass wir auch an uns glauben müssen. Er hat eben nicht draufgehauen, sondern uns Mut gemacht.
Letztes Jahr ist Weinheim nur hauchdünn am Aufstieg in die Oberliga gescheitert. Was ist dieses Jahr drin?
Cihad Ilhan: Wir wollen wieder angreifen und werden versuchen aufzusteigen. Aus meiner Sicht haben wir da vielleicht auch die besten Karten von allen. Wir sind als Team zusammen geblieben und haben noch zwei, drei Verstärkungen dazu bekommen. Die Relegationsspiele haben sicher auch einen Schritt nach vorne gebracht. Falls wir dieses Jahr wieder Zweiter werden sollten, denke ich, dass wir die Relegation diesmal packen würden. Man lernt in solchen Spielen dazu.
Und wie sieht es mit Ihren persönlichen Zielen in dieser Saison aus?
Cihad Ilhan: Ich setzt mir immer Ziele, ohne geht es eigentlich auch nicht. Letztes Jahr hatte ich zwanzig Tore. Dieses Jahr würde ich gerne bei 23 bis 25 Treffern landen. Momentan liege ich nach sieben Spielen bei sieben Treffern. Das ist schon ein ganz guter Schnitt.
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