Pfingstbergs Trainer Thomas Reisch hat mit seiner Mannschaft bislang positiv überrascht. Bild: Berno Nix

Pfingstbergs Trainer Thomas Reisch hat mit seiner Mannschaft bislang positiv überrascht. Bild: Berno Nix

Kreisliga Mannheim: Vier Teams im Spitzenrennen – Rheinauer Rückzug verändert die Ausgangslage

Kreisligen | erstellt am Di. 03.11.2026

sport-kurier. Die Kreisliga Mannheim bietet Anfang November ein enges Aufstiegsrennen, ein dicht besetztes Mittelfeld und einen bereits deutlich abgehängten Tabellenkeller. Enosis Mannheim führt das Klassement an, doch Neulußheim und Schwetzingen haben bei jeweils einer Begegnung weniger nur zwei Punkte Rückstand. Pfingstberg-Hochstätt bleibt ebenfalls aussichtsreich im Rennen.

Überschattet wird die sportliche Zwischenbilanz vom Rückzug des SC Rot-Weiß Rheinau. Dessen Ergebnisse sind inzwischen aus der Wertung genommen – eine wichtige Grundlage für die Einordnung nach dem elften Spieltag.

Rheinau: Ein Rückzug mit Folgen für die gesamte Liga

Die finanziellen Belastungen ließen eine Fortsetzung der Saison nicht mehr zu, erklärte Vereinspräsident Erwin Prudlik. Damit steht Rot-Weiß als erster Absteiger fest. Für einen Verein, der noch in der vergangenen Saison der Landesliga angehörte, ist das ein schwerer Einschnitt.

Die Auswirkungen betreffen auch die Konkurrenz: Gegen Rheinau gewonnene Punkte und erzielte Tore zählen nicht mehr. So verschwand Schwetzingens 10:1 ebenso aus der Bilanz wie Heddesheims 5:2-Auswärtssieg. Gerade im Tabellenkeller verändert das die Lage erheblich. Die Fortuna-Reserve steht deshalb trotz zweier auf dem Platz errungener Siege wieder bei lediglich drei Punkten.

Enosis: Stabilität als Grundlage der Tabellenführung

Der SV Enosis Mannheim hat sich mit einer bemerkenswert ausgeglichenen Bilanz nach vorne gearbeitet. Die Mannschaft ist nicht auf spektakuläre Ergebnisse angewiesen, sondern verbindet offensive Qualität mit einer verlässlichen Defensive. Zu Hause blieb Enosis bislang ungeschlagen; auf vier Siege folgte zuletzt das torlose Spitzenspiel gegen Pfingstberg.

Auch das 3:0 in Sandhofen passt in dieses Bild. Zwar fiel die endgültige Entscheidung erst spät, doch die Mannheimer hielten erneut ihren eigenen Kasten sauber. Mit Ivan Vlaho und Zakaria Haddioui, die jeweils fünf gewertete Treffer aufweisen, verteilt sich die Torgefahr auf mehrere Schultern. Enosis wirkt derzeit gefestigt genug, um dauerhaft im Aufstiegsrennen mitzumischen. Einen komfortablen Vorsprung besitzt der Spitzenreiter allerdings nicht.

Neulußheim: Der stärkste Angriff, aber nicht unverwundbar

Für den SC Olympia Neulußheim spricht vor allem seine enorme Durchschlagskraft. 43 Tore in zehn Begegnungen sind der klare Spitzenwert der Liga. Julius Grossmann gehört mit elf Treffern zu den herausragenden Angreifern. Allerdings hängt die Olympia nicht allein von ihm ab: Auch Patrick Morscheid, Marvin Pelzl, Vittorio Cammilleri und Timo Gund haben regelmäßig getroffen. Diese Breite macht den Angriff schwer ausrechenbar.

Das jüngste 2:3 in Feudenheim beendete jedoch eine Serie von fünf Siegen. Selbst in Überzahl gelang es nicht mehr, die Niederlage abzuwenden. Die Partie zeigte, dass Neulußheims Offensivstärke nicht jede defensive Schwäche auffängt. Dennoch bleibt die Olympia ein ernsthafter Titelanwärter – und der spielfreie elfte Spieltag hat daran nichts geändert.

Schwetzingen: Auswärts makellos, hinten besonders verlässlich

Beim SV 98 Schwetzingen lohnt der Blick auf die Auswärtsbilanz. Auch ohne den gestrichenen Rheinauer Kantersieg stehen fünf Siege aus fünf gewerteten Gastspielen bei 16:1 Toren zu Buche. Diese Verbindung aus voller Punktausbeute und außergewöhnlich wenigen Gegentreffern ist ein starkes Argument im Aufstiegsrennen. Auf eigenem Platz verlief die Saison dagegen nicht durchgehend reibungslos.

Mit dem 3:1 gegen Neckarau setzte der SV 98 zuletzt aber auch zu Hause ein wichtiges Zeichen. Paul Ahrens entschied die Begegnung mit drei Treffern. Insgesamt kassierten die Schwetzinger bislang nur neun Gegentore und stellen damit die beste Defensive. Neulußheim besitzt die größere Torausbeute, Schwetzingen die bessere Absicherung – zwei unterschiedliche Erfolgsmodelle auf Augenhöhe.

Pfingstberg-Hochstätt: Mehr als ein kurzfristiger Überraschungsgast

Der SC Pfingstberg-Hochstätt hat seine gute Position über mehrere Wochen bestätigt. Besonders aussagekräftig sind die jüngsten Auftritte: Auf das 0:0 bei Enosis folgte ein 2:0 gegen Rohrhof. Gegen einen direkten Konkurrenten blieb der SC ebenso ohne Gegentor wie anschließend gegen den Aufsteiger.

Zu Hause ist Pfingstberg weiterhin ungeschlagen. Die Mannschaft erzielt deutlich weniger Tore als Neulußheim, hält sich aber durch ihre defensive Verlässlichkeit in Reichweite der Spitze. Mit 21 Punkten ist der Abstand überschaubar. Pfingstberg ausschließlich als Außenseiter einzuordnen, würde dem bisherigen Saisonverlauf deshalb nicht mehr gerecht.

Oftersheim, Ilvesheim und Feudenheim: Qualität vorhanden, Konstanz ausbaufähig

Hinter dem Spitzenquartett stehen drei Mannschaften mit unterschiedlichen Stärken. Die SG Oftersheim profitiert besonders von ihren Heimauftritten. Auswärts gingen dagegen vier der bisherigen fünf Begegnungen verloren. Mit Patrick Schleich besitzt die SG einen herausragenden Torjäger: Seine elf Treffer bringen ihn gemeinsam mit Grossmann an die Spitze der Torschützenliste.

Auch beim ASV Feudenheim ist der Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen auffällig. Der Sieg über Neulußheim unterstrich, welches Potenzial auf eigener Anlage vorhanden ist. Das anschließende 2:2 in Oftersheim war zwar ein weiterer Punktgewinn, angesichts des späten Ausgleichs aber auch eine verpasste Gelegenheit. Für einen dauerhaften Anschluss nach oben fehlt bislang vor allem die Auswärtsausbeute.

Ilvesheim hat seine zwischenzeitliche Schwächephase dagegen eindrucksvoll unterbrochen. Nach drei Niederlagen hintereinander gelangen ein 3:0 gegen Ladenburg und ein 7:0 in Heddesheim. Zehn Tore ohne Gegentreffer dokumentieren eine klare Verbesserung. Ob daraus ein nachhaltiger Aufwärtstrend entsteht, ist nun die interessante Frage – die jüngsten Ergebnisse allein machen die SpVgg noch nicht zum Aufstiegskandidaten.

Im Mittelfeld wechseln Licht und Schatten

Käfertal lieferte zuletzt das passende Beispiel für die Schwankungen in dieser Gruppe: Einer Niederlage beim zuvor punktlosen Hockenheim folgte ein 3:0 gegen Lindenhof. Die Qualität ist vorhanden, eine verlässliche Serie bislang jedoch nicht.

Ladenburg besitzt dagegen eine ausgeprägte Heimstärke. Mit dem jüngsten 6:3 gegen Hockenheim gewann der FV 03 vier seiner fünf Heimspiele. Auf fremden Plätzen fällt die Ausbeute wesentlich geringer aus. Der MFC Lindenhof bewegt sich ebenfalls zwischen Erfolgserlebnissen und deutlichen Rückschlägen: Dem späten Sieg gegen Oftersheim folgte die klare Niederlage in Käfertal.

Neckarau verfügt mit Tvrtko Bosancic und Egzon Abdullahu über ein gefährliches Sturmduo. Zusammen kommen beide auf 16 Tore. Dass der VfL dennoch nicht zur Spitzengruppe gehört, erklärt sich auch durch die Gegenbilanz: 29 eigenen Treffern stehen 27 Gegentore gegenüber. Offensiv reicht das für attraktive Spiele, insgesamt bisher aber nicht für eine Spitzenplatzierung.

Aufsteiger Rohrhof hat mit Atiba Martin und Dennis Amankona ebenfalls zwei auffällige Angreifer. Gemeinsam erzielten sie 14 der 19 gewerteten Mannschaftstore. Nach den jüngsten Niederlagen gegen Heddesheim II und Pfingstberg ist der Schwung jedoch vorerst verloren gegangen. Die bisherige Auswärtsstärke bleibt ein Pluspunkt, die schwächere Heimbilanz verhindert eine bessere Platzierung.

Sandhofen, Heddesheim II und Hockenheim deutlich zurück

Am unteren Ende ist die Trennung zum Mittelfeld bereits markant. Sandhofen, Heddesheim II und Hockenheim stehen jeweils bei drei Punkten; Rohrhof als nächstplatziertes Team hat zwölf. Sandhofen besitzt allerdings noch eine Begegnung mehr in der Hinterhand als die beiden direkten Konkurrenten.

Bei Heddesheim II reichen einzelne Lichtblicke bislang nicht aus. Der Sieg in Rohrhof wurde vom 0:7 gegen Ilvesheim unmittelbar wieder überlagert. Die seit Saisonbeginn bekannten personellen Engpässe und die Abhängigkeit von Unterstützung aus anderen Mannschaften erschweren eine kontinuierliche Entwicklung. Das Problem geht damit über eine vorübergehende Ergebniskrise hinaus.

Hockenheim bewies beim 3:2 gegen Käfertal zwar, dass die Mannschaft konkurrenzfähig auftreten kann. Die anschließenden sechs Gegentore in Ladenburg zeigten jedoch erneut die große Schwachstelle. Sandhofens Bilanz fällt defensiv weniger drastisch aus, doch auch hier fehlen bislang regelmäßige Erfolgserlebnisse. Für alle drei ist der Klassenerhalt derzeit das beherrschende Thema, nicht der Anschluss an das gesicherte Mittelfeld.

Fazit: Offenes Titelrennen, klare Warnzeichen im Keller

Enosis, Neulußheim und Schwetzingen bringen unterschiedliche, aber überzeugende Voraussetzungen für den Aufstiegskampf mit. Pfingstberg bleibt der ernst zu nehmende vierte Bewerber. Dahinter können mehrere Mannschaften den Favoriten Punkte abnehmen, ohne bislang selbst dauerhaft deren Konstanz zu erreichen.

Im Tabellenkeller ist die Lage deutlich weniger offen: Die drei Schlusslichter unter den noch aktiven Teams haben bereits erheblichen Boden verloren. Rheinaus Rückzug verändert die Wertung, beseitigt aber weder personelle Probleme noch sportliche Defizite. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob aus einzelnen Hoffnungsschimmern eine belastbare Aufholjagd werden kann.

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