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Zweitligaaufsteiger SV Darmstadt 98 überrascht die Konkurrenz
Archiv 2. Bundesliga (Fußball) | erstellt am Mi. 17.09.2014
Für rund 30 Minuten waren die „Lilien“ am 4. Spieltag Tabellenführer der 2. Bundesliga, zwei Punkte vor der gesamten Konkurrenz. Am Ende reichte es dank dem Treffer von Rubin Okotie vom TSV 1860 München doch „nur“ zu einem 1:1 in der Münchner Allianz Arena, dennoch reichte diese Momentaufnahme dazu neuen Respekt vor der Mannschaft von Trainer Dirk Schuster zu entwickeln.
„Das ist eine schöne Momentaufnahme, mehr nicht. Wir müssen uns weiter so präsentieren und kämpfen, denn unser Saisonziel ist der Klassenerhalt“, versucht Schuster auf die Euphoriebremse zu drücken. Faktisch hat Schuster damit vollkommen recht. Nach dem 1:3 im Hinspiel der Relegation zur 2. Bundesliga gegen Arminia Bielefeld, waren die Chancen auf die Rückkehr in die 2. Bundesliga nach 21 Jahren minimal. Mit einem Kraftakt, einem beeindruckenden Offensivspiel und dem glücklichen Treffer von Elton da Costa zum 4:2 in der Nachspielzeit der Verlängerung, gelang das kaum für möglich gehaltene „Wunder von Bielefeld“ doch noch.
Doch der Ablauf der Ereignisse trug dazu bei, dass der SV Darmstadt 98 als erster Absteiger gehandelt wurde und man dem Team keine großen Chancen auf den Klassenerhalt einräumte. Auch wenn es noch sehr früh in der Saison ist, muss man anerkennen, dass in Darmstadt gute Arbeit geleistet wird. „Ich kann nur Dirk Schuster beglückwünschen zu der tollen Arbeit, die er hier mit den Lilien leistet. Sie haben es uns heute sehr schwer gemacht und am Ende haben wir im Elfmeterschießen einfach mehr Glück gehabt.
Foto: SV 98-Torjäger Dominik Stroh-Engel verwandelter den Strafstoß zum 1:0 Sieg über den SV Sandhausen.
Spielt Darmstadt in dieser Saison so weiter, dann sollte der Klassenerhalt für das Team kein Problem sein“, analysierte der Trainer des VfL Wolfsburg Dieter Hecking nach dem glücklichen 8:7 Sieg nach Elfmeterschießen des hochfavorisierten Bundesligisten in der 1. Runde des DFB-Pokals. 0:0 hatte es nach 120 Minuten im Stadion am Böllenfalltor gestanden, dabei war Wolfsburg jedoch mitnichten das bessere Team und konnte sich bei Torwart Max Grün bedanken, dass man nicht schon nach 90 Minuten die Heimreise antreten musste.
Zwei Elfmeter von Maurice Exslager und Milan Ivana wehrte Grün ab und wurde somit zum Held des Spiels für den VfL. Um sich für die 2. Bundesliga zu rüsten, hat der SV Darmstadt 98 einige erfahrene Akteure verpflichtet, verzichtet dabei bewusst darauf den Kader generalzuüberholen. Wichtigster Spieler ist noch immer Stürmer Dominik Stroh-Engel, im vergangenen Jahr mit 27 Toren bester Torschütze der 3. Liga, in dieser Saison war er in den ersten vier Spielen viermal erfolgreich.
Dem großen, kräftigen Stürmer kommt das Spielsystem von Schuster entgegen, das ihn in das Sturmzentrum beordert und die Angriffsbemühungen oft über ihn laufen läßt. Und auch seine Mitspieler wissen von der Abschlussstärke des 28-jährigen, der in Strafraumnähe oft gesucht wird. Hervorragend eingefügt haben sich die punktuellen Kaderergänzungen.
Mit Torwart Christian Mathenia haben die Lilien einen Schlussmann verpflichtet, der bereits bewiesen hat, dass er in die 2. Bundesliga gehört, aber noch jung genug ist sich weiter zu steigern. Romain Bregerie, den man aus Dresden holte, versteht es die Abwehr zu koordinieren und ist aus der Innenverteidigung nicht mehr wegzudenken. Mit Tobias Kempe wurde ein sehr talentierter Spieler auf den so wichtigen Position im Defensiven und Zentralen Mittelfeld verpflichtet. Einzig Linksverteidiger Fabian Holland (von Hertha BSC Berlin geliehen) konnte sich noch nicht durchsetzen und kam in der 2. Bundesliga bislang noch nicht zum Einsatz.
Mit Maurice Exslager vom 1. FC Köln haben die Lilien nicht die erhoffte Entlastung für Stroh-Engel gefunden, jedoch kommt er eher auf der Außenbahn zum Einsatz. Hier muss er sich mit Marco Sailer und dem in der 2. Bundesliga aufblühenden Marcel Heller um die Einsatzzeiten streiten. Mit Ronny König haben die Darmstädter sich einen Stürmer geangelt, der vom Typ her nah an Stroh-Engel herankommt und somit die Rolle des Goalgetters einnehmen kann. Gespannt kann man sein wie schnell Mittelfeldspieler Florian Jungwirth (kurz vor Transferschluss aus Bochum geliehen) sich in die Mannschaft einfügen kann, denn was die Mannschaft auszeichnet ist die mannschaftliche Geschlossenheit.
Überzeugt ist Trainer Dirk Schuster, dass der Klassenerhalt für die Lilien möglich sein sollte, jedoch mahnt er sein Team, nicht die harte Arbeit für das gemeinsame Ziel zu vergessen. Wenn die Historie der Bundesliga eins zeigt, dann das: ein Aufsteiger mag in der Hinrunde als Neuling und dank der Aufstiegseuphorie Erfolg haben, doch im Rückspiel unterschätzt niemand das Team mehr und so zeigt sich die wahre Stärke einer Mannschaft erst dann.
Fotos Marc Schüler
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