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1899-Kapitän Andreas Beck im Interview mit dem Sportkurier
Archiv 1. Bundesliga (Fußball) | erstellt am Mi. 17.09.2014
Der im russischen Kemerowo geborene 1,80 Meter große Außenverteidiger steht seit Juli 2008 bei den Kraichgauern unter Vertrag und hat als Zweitdienstältester, hinter Sejad Salihovic (seit 7/2006), die gesamte Bundesligageschichte der TSG aktiv mitgeprägt.
Sportkurier: Mit welchen Gefühlen gehen Sie in den weiteren Saisonverlauf?
Andreas Beck: Mit einer gewissen Anspannung, Neugierde, aber auch Selbstsicherheit. Die Bundesliga ist etwas ganz besonderes – mit der englischen Premier-League die Stärkste der Welt. Zu Beginn weiß man nie so richtig, wo man leistungsmäßig steht, das zeigt sich erst nach einigen Spieltagen. Der Saisonstart löste bei mir deshalb ein besonderes Kribbeln aus, den Reiz und die Emotionen, die einfach dazu gehören. Es ist oftmals die Kunst, trotz der ganzen Aufregung ruhig zu bleiben.
Das Team stand zuletzt für tollen, spektakulären Offensivfußball mit vielen Toren.
Beck: Mit dem Spielprinzip von Trainer Markus Gisdol und der Ausrichtung von schnellem Umschalten und mutigem Offensivfußball identifiziert sich auch der Verein. Mit Sicherheit wird diese Spielweise wieder zu einigen unberechenbaren Ergebnisse führen. Wir haben aber an einigen Stellschrauben gedreht, um größere Stabilität ins Spiel zu
bekommen.
Die Stellschrauben wurden bedingt durch die vielen Gegentore vor allem im Defensivbereich angesetzt.
Beck: Wir haben uns personell allgemein breiter aufgestellt, mehr an Erfahrung hinzu bekommen. In der Vorbereitung wurde viel an der Basisarbeit, Kraft und Ausdauer, aber natürlich auch im technischen- und taktischen Bereich gearbeitet.
Die Erwartungshaltung der Fans ist durch das zuletzt positive Abschneiden und die personellen Verstärkungen gestiegen.
Beck: Man hat im Verein reichliche Erfahrungen gesammelt, sowohl bei großen Zielsetzungen als auch im kurzfristigen Denken. Die Bundesliga hat ein derart hohes Niveau, dass man nicht zwölf Monate zuvor ein Ziel ausgeben sollte. Es kann bedingt durch Verletzungen, Sperren und andere Dingen, die man nicht beeinflussen kann, sehr viel passieren. Es ist daher ratsam, auch wenn es sich wie eine Phrase anhört, immer nur von Spiel zu Spiel zu denken und sich auf den nächsten Gegner zu konzentrieren.
Dennoch gehören ehrgeizige Ziele zum Geschäft.
Beck: Die ersten fünf bis sechs Mannschaften der vergangenen Saison haben ein weitaus höheres Budget und
einen viel größeren Kader als wir. Die Ansprüche von Bayern, Dortmund, Leverkusen, Schalke, Wolfsburg und Gladbach sind international ausgerichtet. Um da mal ran zu kommen, muss alles passen und auch das Glück auf deiner Seite sein.
Die Torlinientechnik, der Chip im Ball, das Spray für die Schiris bei Standards – es wird über viele Veränderungen und Hilfsmittel diskutiert.
Beck: Sofern es Vorteile für uns alle mit sich bringt, bin ich für eine Einführung von Hilfsmitteln. Die Entscheidung liegt aber bei der Liga, dazu kommen auch finanzielle Aspekte, die ich nicht beeinflussen und beurteilen kann. Als Sportler bin ich aber für Verbesserungen, was den Spielern und Schiedsrichtern in ihrer Entscheidungsfindung das Leben erleichtert.
Sie haben zuletzt auch Spiele der U19-Mannschaft verfolgt. Die Nachwuchsarbeit wird in Hoffenheim sehr intensiv gefördert.
Beck: Absolut. Von außen wird dies oft nicht so wahrgenommen. Voraussetzung ist, dass die Jungs eine gewisse Qualität mitbringen, um von der U19 oder über die U23 in
den Profikader zu kommen. Wenn es dann einer schafft, kann es für jeden Profikader von Vorteil sein. Die jungen Spieler üben einen gewissen Konkurrenzdruck auf die
etablierten, erfahrenen Spieler aus, weil sie jung, hungrig und ehrgeizig sind. Ich freue mich über jeden Nachwuchsspieler, der den Sprung ins Profiteam schafft und den Leistungsstand anhebt. Hier in Hoffenheim gibt es viele Talente, die sehr gut ausgebildet werden und dies vielleicht schaffen können.
Was wünschen Sie sich persönlich für den weiteren Saisonverlauf?
Beck: Sportlich gesehen werden wir alles dafür tun, um erfolgreich zu sein. Wichtig dabei, dass die Gesundheit mitspielt. Denn nur darauf aufbauend, kann man eine sportliche Leistung bringen.
Schlagerstar Helene Fischer, deren Hits auch in der 1899-Kabine laufen, stammt wie Sie aus Sibirien. Mögen Sie ihre Musik und hatten sie schon das Vergnügen, zu einem persönlich Gespräch?
Beck: Ich kenne sie nicht persönlich, nur ihre Musik. Unsere Gemeinsamkeit ist allerdings wirklich das Sibirische und die Haarfarbe. Vielleicht ergibt sich mal die Gelegenheit, um sich kennen zu lernen. Ich finde ihre Lieder gut. Meine Eltern mögen sie noch mehr, vielleicht auch wegen der gemeinsamen Heimat.
Der Artikel erschien in unserer Sportkurier-Printausgabe vom 12.09.2014
Fotos: BWA